Was wirklich dahintersteckt

Gratis-Stadtführung durch München: Wo ist der Haken?

Kostenlose Stadtführungen durch München
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In München gibt es viel zu sehen.

München - Kostenlose Stadtführungen durch München - das gibt es bereits seit 2005. Doch was steckt eigentlich hinter den sogenannten "Free Tours" der "Sandemans New Europe GmbH"?

"Begleiten Sie Ihren Tourguide auf einer erstklassigen Gratis-Tour durch München, sehen Sie die besten Sehenswürdigkeiten der Stadt und entdecken Sie die Geschichten hinter den großartigen Attraktionen wie dem Glockenspiel, Hofbräuhaus oder der Frauenkirche." Eine Stadtführung der ganz besonderen Art, dafür wirbt das Unternehmen "Sandemans New Europe GmbH" unter anderem mit diesem Slogan auf seiner Internetseite. Kostenlose Stadtführungen? Was steckt dahinter? Es gibt durchaus auch sehr kritische Stimmen dazu.

Das Konzept kommt an

"Sandemans New Europe" bietet seit mehr als zehn Jahren kostenlose Stadtführungen in vielen europäischen Metropolen an. Touristen können am Ende jeder Führung selbst entscheiden, wie viel sie für die Tour zahlen möchten. Begonnen hat das Konzept in Berlin, seit 2005 gibt es das Angebot auch in München. Die Philosophie der "Free Tours" klingt toll. "Wir wollen, dass die normale Dynamik der Tourismusindustrie umgedreht wird und der Gast endlich die Macht hat", erklärt Rose Tremlett, Management-Mitarbeiterin in Sandemans Hauptsitz in Berlin. Bei herkömmlichen Stadtführungen müssten die Kunden auf die Qualität der Touren vertrauen und im Voraus bezahlen. "Bei der Free Tour können die Gäste nur das bezahlen, was ihnen für den tollen Service und die gute Unterhaltung passend scheint." Laut Tremlett geht dieses Konzept auf: 45 Prozent der Gäste, die an einer Sandemans-Tour teilnehmen, kommen angeblich wieder und buchen auch die bezahlten "Select-Touren" des Unternehmens.

Guides müssen Pauschale an "Sandemans" zahlen

Bei den kostenlosen Touren von "Sandemans New Europe" führen unabhängige Guides die Touristen ganzjährig in Gruppen von durchschnittlich 25 Personen durch die Stadt. Oft hätten sie keine spezielle Stadtführer-Ausbildung, sie arbeiten fürs Trinkgeld, bezahlt würden "Freelance-Guides" von "Sandemans" nicht - das berichtete vor einiger Zeit das ZDF-Magazin "Frontal 21". Wie der Sender herausfand, müssen die Guides der "Free Tours" einen nicht unerheblichen Teil ihrer Trinkgeld-Einnahmen an "Sandemans" abgeben, ein Fakt, auf den die Touristen in der Regel nicht hingewiesen werden. Der Grund für das Verschweigen der Kosten: "Das würde einen unfairen Druck auf die Kunden ausüben", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Unternehmens. Ob das Verschweigen der Kosten für die Guides wirklich fair ist, darüber lässt sich wohl streiten. Auch auf der Internetseite von "Sandemans" ist für Kunden von einer solchen Zahlung nichts zu lesen.

Nach ZDF-Informationen soll der Trinkgeld-Druck auf die Guides allerdings enorm sein. Von Abgaben bis zu drei Euro pro Teilnehmer war in dem Bericht die Rede. Dieses Geld (laut "Sandemans" durchschnittlich 2,20 Euro) ist eine Marketingpauschale für Werbung und Flyer, die die Guides pro Tourgast zahlen müssen, auch wenn sie nur wenig Trinkgeld erhalten haben. In einer Stellungnahme des Unternehmens zu der Berichterstattung des ZDF-Magazins heißt es dazu: "Wenn die gesamten Kosten eines Guides nahe an seinen gesamten Einnahmen liegen, dann sollte er diesen Zustand beheben."

Auf Nachfrage unserer Onlineredaktion äußerte sich eine Mitarbeiterin der "Sandemans New Europe GmbH" vage: "Grundsätzlich sind wir eine Marketing-Firma. Wir machen Werbung für die freiberuflichen Guides, mit denen wir arbeiten. Für diesen Service bezahlen die Guides eine kleine Gebühr."

Dank Gratis-Aspekt: Positive Bewertungen überwiegen

Bei Touristen erfreuen sich die kostenlosen Städtetouren von "Sandemans" großer Beliebtheit. Auf der Bewertungswebsite tripadvisor.de äußerten sich bislang mehr als 2.000 Nutzer zu ihren Erfahrungen mit den "Free Tours" in München. 95 Prozent der Beiträge geben "Sandemans" ein positives Feedback und empfehlen die Stadtführungen weiter. Größter Pluspunkt nach Meinung der User: der Gratis-Aspekt. "Ich würde jedem, der nach München kommt, diese Tour empfehlen. Da sie ja nichts kostet, außer dem Trinkgeld, kann man hier kaum etwas falsch machen", schreibt ein Teilnehmer der Stadtführung in München und spiegelt den allgemeinen Tenor vieler anderer Bewertungen wieder.

Kritische Stimmen: Touristen vermissen fachliche Kompetenz

Doch es gibt auch kritische Stimmen im Netz. Viele Nutzer, die den Touren auf "Tripadvisor" ein "mangelhaft" oder "ungenügend" bescheinigen, kritisieren die fehlende Fachkenntnis der Tourguides. "Unser Guide war nicht mit der deutschen Geschichte vertraut, weil er kein Einheimischer war", berichtet eine Kundin. Mit ihrer Meinung ist sie nicht allein.

Die Tourguides von "Sandemans" sind wie bereits erwähnt keine ausgebildeten Stadtführer, sondern ganz normale Menschen, die sich mit den Führungen etwas dazuverdienen. Auch ein gewisser Trinkgeld-Druck auf die Guides scheint sich teilweise auf die Teilnehmer der Tour zu übertragen. Einige berichten, dass sie während der Führung immer wieder an die Geldspende am Ende der Führung erinnert wurden, teils auch sehr offensiv und aggressiv.

Wie erleben andere Anbieter das günstige "Sandemans"-Konzept? Imke Gloth von "Stattführungen München" sagte auf Nachfrage unserer Onlineredaktion: "Die Gratis-Führungen sind eigentlich keine starke Konkurrenz für uns, denn wir machen sehr viele gebuchte Gruppenführungen, und bei unseren öffentlichen Führungen sind vor allem Kunden, die eine 'fundierte' Führung erwarten und wünschen."

"Free Tours": Fazit fällt gemischt aus

Das Fazit über die kostenlosen Stadtführungen der "Sandemans New Europe" fällt also gemischt aus. Wer einen kleinen Geldbeutel hat und mehr Wert auf Unterhaltung anstelle von Information legt, ist bei "Sandemans" richtig. Touristen, die sich wirklich für die Geschichte Münchens interessieren und in intimerer Atmosphäre durch die Stadt streifen wollen, sollten sich eine Tour lieber etwas mehr kosten lassen.

vin 

Warum sind unsere Mülleimer genoppt? 38 kuriose München-Fakten

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Hätten Sie gewusst, liebe Leser, dass auf dem Deckenfresko in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt eine Brezn gemalt ist? Nein? Dann sind Sie beim Buch "Unnützes Wissen – München" genau richtig © Emons Verlag
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1. Alle Entfernungs-Angaben zu München auf Bayerns Autobahnen beziehen sich auf die Mariensäule. © dpa
2. Wenn man das gesamte Straßennetz der Stadt per Taxi durchqueren würde, dann müsste man etwa 3460 Euro löhnen. © dpa
3. In München gibt es 10 962 Künstler, in der Kulturwirtschaft sind 40 140 beschäftigt. © dpa
4. Rund 40 000 Tauben bevölkern München. © dpa
5. Durch Falschparker nimmt die Stadt im Jahr zirka 10,5 Millionen Euro ein. © dpa
6. Seit Thomas Seehaus (Symbolfoto) ist München Millionenstadt: Er kam am 15. September 1958 zur Welt. Eltern: Hubert (Kaminkehrermeister) und Brigitte aus Pasing. © dpa
7. Die Dienstumkleide-Kabinen der Polizeiinspektion 22 am Prinzregentenplatz befinden sich im ehemaligen Schlafzimmer Adolf Hitlers. © Kurzendörfer
8. In den U-Bahnhöfen Odeons- und Goetheplatz laufen seit dem Jahr 2000 ununterbrochen zwölf Klassik-Stücke – in einer 300-Minuten-Schleife. © Kurzendörfer
9. Der FC Bayern hat auf Facebook über sechs Millionen Fans – das sind mehr als die nachfolgenden zehn deutschen Fußballclubs zusammen. © dpa
10. 2011 zogen 112 947 Menschen nach München – Rekord der vergangenen 20 Jahre. © dpa
11. Eines der beiden Uhrenblätter am Isartor (hier das "andere") ist verkehrt herum angebracht. Das ist europaweit einmalig! © Schlaf
12. Die Abfalleimer sind genoppt, damit Wildplakatierer keine Chance haben. © Kurzendörfer
13. Würde man eine Linie zwischen dem Nordturm der Frauenkirche und dem Turm der Heilig-Geist-Kirche verlängern, würde sie genau nach Mekka führen. © dpa
14. Bei uns leben 30 828 Hunde, die täglich sechs Tonnen Hundekot erzeugen. © dpa
15. Eine Wiesnmass hat etwa so viel Alkohol wie acht Schnäpse. © dpa
16. Die Ziegen, die das Leder für neue Lederhosn für die Wiesn liefern, haben in Indien oder Pakistan gegrast. © dpa
17. In Hella­brunn sind 19 183 Tiere. © Tierpark Hellabrunn
18. Der kleinste Friedhof steht in Neuhausen und hat 175 Grabstätten. © Haag
19. Die laufenden Füße und die Augen des Tatort-Vorspanns wurden am Flughafen München-Riem gedreht. © dpa
20. Der Wolfsbrunnen am Kosttor zeigt Rotkäppchen und den Wolf, weil dessen Stifter Adolf Wolf hieß. © Emons Verlag
21. Die Klingel gehört zur Burschenschaft Stauffia (Stollbergstr. 16). © Emons Verlag
22. Das Wiesn-Riesenrad war das erste weltweit mit „Zacken“ – also außen aufgehängten Gondeln. © dpa
23. In den insgesamt 53 Pflegeheimen der Stadt liegt die Männerquote nur bei 21 Prozent. © dpa
24. Das nicht anerkannte, selbsternannte Fürstentum Seborga (Italien, 323 Einwohner) hat ein Konsulat in Bogenhausen. © Symbolfoto: dpa
25. München liegt südlicher als Wien (Foto). © dpa
26. Die erste Aufgabe des ersten namentlich bekannten Henkers Münchens, „Magister Haimpert“: Er hängte seinen Vorgänger (14. Jh.). © dpa
27. Die Frauenkirche war das erste deutsche Fotomotiv. © dpa
28. Die Knetmasse wurde im Jahr 1880 vom Münchner Apotheker Franz Kolb erfunden. © dpa
29. Die US-Hardrockband Mötley Crüe hat extra zwei Umlaute in ihren Namen einbauen lassen, weil Löwenbräu ihr Lieblingsbier ist. © dpa
30. Die Blattschneiderameise (Symbolfoto) Resi ist mit fünf Millimetern Länge das kleinste Tier Hellabrunns. © dpa
31. 248 Einwohner Münchens sind über 100 Jahre alt. © dpa
32. Früher verwendete man in einigen deutschen Gegenden das Wort „münchen“ für kastrieren. © dpa
33. Jeder Baum der Stadt muss eine Grundfläche von 24 qm und eine Mindestbreite von drei Metern zur Verfügung haben. © düa
34. Jimi Hendrix erfand sein Gitarrenschrotte am 9.11.66 in Schwabing ("Big Apple") © dpa
35. Eine über 300 Jahre alte Linde am Westfriedhof ist der älteste Baum der Stadt. © Jantz Sigi
36. Zur Wiesn-Zeit fahren die Rolltreppen schneller. © Schlaf
37. Die Monatsmiete der Tiefgarage im neuen Palais an der Oper kostet so viel wie der Hartz-IV-Monatsregelsatz: 375 Euro. © Schlaf
38. In München gibt es 50 000 leere Grabstätten. © Symbolfoto: Jantz

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