Aggressiver Kot und Krankheitsüberträger

Krähen-Plage im Englischen Garten: Parkchef verteidigt sein Revier

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Intelligent und frech: Die Rabenkrähen am Chinesischen Turm fliegen nicht davon, sondern beäugen den Fotografen eher neugierig.

Sie kommen früh am Morgen, wenn alles schläft und es sich in Ruhe räubern lässt. Rabenkrähen sind im Englischen Garten laut Parkchef Thomas Köster zum Problem geworden.

München - Der schwarze Schwarm rauscht mit Getöse heran, zankt sich um das, was der Mensch übrig gelassen hat. Morgens um halb sieben ist das Gekrächze am Chinesischen Turm ohrenbetäubend. Vierzig, fünfzig Rabenkrähen hacken auf steinharte Breznreste ein, streiten sich flügelschlagend um leere Zigarettenschachteln, stürzen sich auf überquellende Mülleimer.

„Der Englische Garten hat ein massives Krähen-Problem“, sagt der Hüter des Parks, Thomas Köster, auf Anfrage. „Besonders die Biergärten sind betroffen - wegen der Hygiene.“ Krähen sind Allesfresser, sie können Krankheiten übertragen, ihr Kot ist aggressiv. Parkchef Köster schätzt, dass die ansässige Krähen-Kolonie 300 Tiere zählt. „150 wären okay“, sagt er.

„Mehrere tausend“ Rabenkrähen in der Stadt

Das städtische Kreisverwaltungsreferat (KVR) geht von „mehreren tausend“ Rabenkrähen in der ganzen Stadt aus. Beim KVR gehen immer wieder Beschwerden ein wegen Lärm, Verkotung, geplünderter Vogelnester - und auch wegen Krähen-Attacken auf Menschen. Das KVR hat jetzt reagiert: Krähen sind außerhalb der Schonzeit vogelfrei - Jäger dürfen sie von Mitte Juli bis Mitte März abschießen.

Köster darf die Krähen im Englischen Garten nicht jagen. Das sei „politisch nicht gewollt“, sagt Köster, dessen Dienstherr die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung ist. Der Englische Garten gehört dem Freistaat. „In Zeiten von Terror, IS und Amok käme es nicht gut an, wenn einer mit dem gezogenen Gewehr durch den Englischen Garten laufen würde.“

Wie im Hitchcock-Film „Die Vögel“: Krähe hackt auf Radler ein

„Möwenschreck“ rund um den Chinesischen Turm

Also muss Köster sich anders behelfen: Auf den Pavillons rund um den Chinesischen Turm wurden Geräte angebracht, die eigentlich für Yachten gedacht sind. „Möwenschreck“ heißen die Drahtantennen, die im Wind schwingen und Möwen Angst einjagen sollen, damit sie nicht das Boot vollkoten.

Beim Landesbund für Vogelschutz will man nicht von einer Plage sprechen. „Das ist ein Problem der Wahrnehmung“, sagt Sprecher Markus Erlwein. „Rabenvögel sind laut, der Mensch nimmt sie stark wahr“ - mehr als den vergleichsweise stillen Spatz etwa.

In Mannheim: Krähen attackieren Spaziergänger

Aggressiv nur in der Brutzeit

„Rabenvögel sind Feldvögel. Weil die intensive Landwirtschaft das Leben aus den Feldern drängt - und in einem Maisfeld findet man kein Leben mehr -, drängen die Vögel in die Städte.“ Das, sagt Erlwein, gelte nicht nur für Krähen, sondern auch für andere Vögel. Aggressiv seien Rabenkrähen, wenn überhaupt, nur in der Brutzeit.

Da Krähen Nesträuber sind, gibt es auch immer wieder Beschwerden von Gartenbesitzern, denen angeblich die Singvögel abhanden kommen. „Natürlich schnappen die sich auch mal einen Singvogel“, sagt Erlwein. „Allerdings gibt es keine einzige wissenschaftliche Erhebung, die auf eine tatsächliche Dezimierung von Singvögeln durch Rabenvögel schließen ließe.“ Nestraub mache nur einen kleinen Teil des Nahrungssystems dieser Vögel aus.

Mangels Jagderlaubnis wird sich Parkchef Köster weiter mit Möwenschreck und Appellen behelfen müssen. Denn es gibt durchaus Parkbesucher mit Hang zum Füttern. Krähen seien sehr intelligent, sagt Köster. „Auch wenn Sie eine Krähe regelmäßig füttern - der Vogel geht keine soziale Beziehung mit Ihnen ein. Die Krähe ist kein Hund.“

Saatkrähen verschmutzen Gräber

Tobias Scharnagl

Im Video: Krähe fährt Snowboard auf Hausdach

Video: Glomex

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