Sie greifen sogar Menschen an

Krähen-Plage in München!

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Eine Frau füttert Krähen an der Isar: Das lockt die Vögel in Horden an - und Ratten, Mäuse und Igel. Davor warnt die Stadt, ein Verbot soll es aber nicht geben

München - In München macht sich eine Krähen-Plage breit. Die Vögel fliegen sogar Angriffe auf Menschen. Sie haben Schuld daran, dass es überhaupt so weit gekommen ist.

Wo sie ihre schwarzen Schwingen ausbreiten und ihr Krächzen die Luft durchdringt, kann das Unheil nicht weit sein: Rabenvögel gelten als Boten des Unglücks – in der Stadt machen vor allem Krähen Ärger. Zwar sind die Wintergäste gerade zurück in den Osten gezogen, jetzt aber legen die einheimischen Tiere los. Sie verteidigen ihre frisch geschlüpften Jungen mit aller Kraft – und fliegen auch Angriffe auf Menschen!

Mit der Plage beschäftigt sich am Dienstag der Stadtrat: Immer wieder beschwerten sich Bürger und Bürgerversammlungen in mehreren Stadtteilen, stellt Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) fest. Beschwerden erhält auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) – vor allem von Herbst bis Frühjahr, wenn weit über 10 000 der Zugvögel aus Russland, Polen oder der Ukraine bei uns überwintern. Sie drängen immer mehr in die Stadt, wo bereits 1000 Krähen-Paare leben und im Frühling brüten.

LBV-Chef Dr. Heinz Sedlmeier ärgert sich: „Früher überwinterten die Krähen in Bayern auf freier Flur, wo sie vielleicht durch Jäger über Jahre gestört wurden. Jetzt flüchten sie sich in die Stadt, wo sie nicht bejagt werden dürfen.“ Die schlauen Vögel übernachteten in großen Gruppen etwa in Straßenbäumen – und am nächsten Morgen sind darunter geparkte Autos von Hinterlassenschaften übersät. Eine Gefahr für die Gesundheit gehe davon aber nicht aus, beruhigt das Umweltreferat. Ärger gibt es in Hadern, der LBV kennt Kolonien im Hasenbergl, am Karl-Preis-Platz und im Perlacher Friedhof.

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Das größte Problem liegt in der Hand der Bürger: „In jüngster Zeit hat sich verstärkt die Unsitte breitgemacht, auch Krähen zu füttern“, mahnt Lorenz. Essensreste und ausgestreuter Weizen würden nicht nur Horden der Vögel anziehen, sondern auch Wildtiere wie Ratten, Igel oder Mäuse, die sich gegenseitig infizieren. „Ein echtes Hygiene-Problem“, sagt Sedlmeier – und aus Sicht der Vogelschützer absolut unnötig. Ein Verzicht ist für alle Experten die einzige Chance, den Bestand auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Lorenz will das Taubenfütterungsverbot aber nicht auf Krähen ausweiten – weil es schon bei den Tauben nichts gebracht habe.

tz-Stichwort: Krähen

Zwei Arten treten vor allem in der Stadt auf: Rabenkrähen sind oft einheimische Brutvögel in Stadtbäumen und Parks. Sie vertreiben laut LBV Marder, Eichhörnchen und Sperber, räumen aber auch Nester von Singvögeln aus. 1000 Paare gibt es in der Stadt. Saatkrähen kommen dagegen in Schwärmen von Tausenden als Zugvögel und leben in Kolonien. Sie stehen auf der Roten Liste und dürfen nicht gejagt werden.

DAC

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