Doppelmord: Erspart der Mama diese Tortur!

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In diesem Saal soll die Mutter der getöteten Mädchen von der Tatnacht berichten.

München - Der Doppelmord lässt selbst Hartgesottene schaudern. Nun soll die Mutter der getöteten Mädchen aus Krailling in den Zeugenstand - vor den Augen des mutmßlichen Mörders. Kann man ihr das nicht ersparen?

Alles zum Kraillinger Mordprozess

Es ist ein Ausnahme-Prozess. Einer, der ganz tief unter die Haut geht; einer, der jede gesunde Seele quält. Ganz München fühlt mit der Mama aus Krailling, die ihre beiden Töchter Sharon und Chiara nie wieder in die Arme schließen kann. Jetzt steht der Frau mit dem gebrochenen Herzen eine Pflicht bevor, die selbst Unbeteiligten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Vor Gericht muss sie vom Trauma der Mordnacht erzählen, berichten, wie sie ihre toten Töchter entdeckt hat. Wenn es nach ihrer Anwältin Annette von Stetten geht, bleibt ihr wenigstens das Grinsen des Angeklagten erspart. Sie hat beantragt, dass Thomas S. vor der Zeugenaussage aus dem Gericht fliegt. Das ermöglicht ein Schutzparagraph der Strafprozessordnung, der nur selten gezogen wird.

An Grausamkeit nicht zu überbieten

Erspart der Mama dieses Grinsen! Am Montag, 30. Januar, soll die 42-jährige Mutter in den Zeugenstand treten. „Für meine Mandantin wäre es unerträglich, dem Angeklagten gegenüber sitzen zu müssen.“ Das sagt ihre Anwältin Annette von Stetten. „Dieser Fall ist der Schlimmste, den ich je erlebt habe. Er ist an Grausamkeit nicht zu überbieten.“

Der Onkel und mutmaßliche Mörder.

Einer bleibt im Prozess äußerlich völlig gelassen: Der 51-jährige Angeklagte und Onkel der Kinder. Vor Gericht schweigt er. Trotz der Ungeheuerlichkeit des ihm zur Last gelegten Verbrechens grinst er häufig vor Gericht. Selbst die dramatischen Schilderungen der Notärzte und Sanitäter über die vergeblichen Rettungsbemühungen ließen den Angeklagten offenbar kalt. Zeugenaussagen kommentiert er ohne Worte - etwa mit Kopfschütteln.
Diesen Mann, der laut Anklage aus purer Habgier gehandelt haben soll, will die leidgeprüfte Mutter nicht mehr sehen. Auch sie sollte nach den Erkenntnissen der Ermittler sterben - nur dann wäre Thomas S. an den Erbanteil einer Eigentumswohnung gekommen. Laut Strafprozessordnung (siehe unten) kann das Gericht den Ausschluss eines Angeklagten anordnen. Wird sich der Angeklagte dem Antrag widersetzen? Sein Verteidiger Adam Ahmed am Mittwoch zur tz: „Das muss ich noch mit meinem Mandanten besprechen.“ Das Gericht hat über den Antrag der Nebenklägerin noch nicht entschieden.

Der letzte Schutzschild: Paragraph 247, Strafprozessordnung

Das Gericht kann anordnen, dass sich der Angeklagte während einer Vernehmung aus dem Sitzungszimmer entfernt, wenn zu befürchten ist, ein Mitangeklagter oder ein Zeuge werde bei seiner Vernehmung in Gegenwart des Angeklagten die Wahrheit nicht sagen. Das gleiche gilt, wenn bei der Vernehmung einer Person unter 18 Jahren als Zeuge in Gegenwart des Angeklagten ein erheblicher Nachteil für das Wohl des Zeugen zu befürchten ist oder wenn bei einer Vernehmung einer anderen Person als Zeuge in Gegenwart des Angeklagten die dringende Gefahr eines schwerwiegenden Nachteils für ihre Gesundheit besteht. Die Entfernung des Angeklagten kann für die Dauer von Erörterungen über den Zustand des Angeklagten und die Behandlungsaussichten angeordnet werden, wenn ein erheblicher Nachteil für seine Gesundheit zu befürchten ist. Der Vorsitzende hat den Angeklagten, sobald dieser wieder anwesend ist, von dem wesentlichen Inhalt dessen zu unterrichten, was während seiner Abwesenheit ausgesagt oder sonst verhandelt worden ist.

Eberhard Unfried

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