Staatsanwaltschaft ermittelt

Kran-Drama: Fonsi erklärt das Dilemma des Syrers

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Der Kabarettist Christian "Fonsi" Springer (r.) hat den Verein Orienthelfer gegründet und fährt regelmäßig mit Spenden in die Flüchtlingslager. Jetzt sucht er Feuerwehrautos für die Stadt Aleppo.

München - Das Schicksal des Syrers, der mit einem angedrohten Sprung vom Kran Asyl für seine Familie in Deutschland bekommen wollte, bewegte viele Münchner. Kabarettist "Fonsi" Springer erklärt das Dilemma des Mannes.

Christian „Fonsi“ Springer kennt den syrischen Flüchtling nicht persönlich – Abdulatit A. (31), der mit einem Sprung vom Kran gedroht hatte, um seine Frau und Kinder nach München holen zu können. Aber der Kabarettist kennt das Land, das Flüchtlingsdrama und die große, alte Stadt Aleppo, in der A. geboren wurde. Darum kann Fonsi dessen Verzweiflung nachvollziehen: „Alle aus Aleppo Geflohenen wissen, was die Hölle ist.“

Die Staatsanwaltschaft hat dagegen ein Ermittlungsverfahren gegen den Flüchtling eingeleitet, der in der Psychiatrie in Haar untergebracht ist. „Die Drohung, sich umzubringen, erfüllt potenziell den Tatbestand der Nötigung“, sagte ein Sprecher. Wie lange der Mann in Haar bleiben muss, ist unklar.

"Akute Lebensgefahr"

Springer macht sich auch um Frau und Kinder von Abdulatit A. große Sorgen. Die sind in Kairo gestrandet – dort aber sei die Lage für syrische Flüchtlinge besonders dramatisch. „Nach dem Umsturz werden sie oft nicht ins Land gelassen, sondern wieder zurückgeschickt – in akute Lebensgefahr“, sagt Springer, der den Verein Orienthelfer gründete. „Es geht doch um Frau und Kinder.“ Die Behörden sollten sie schnell nachreisen lassen.

„Ich kann nur appellieren, die Tore weit aufzumachen“, sagt der Kabarettist. Während des jugoslawischen Bürgerkriegs seien 300 000 Flüchtlinge aufgenommen worden, die zurückgekehrt seien. Nur 5000 Syrer seien in Deutschland, „obwohl es lichterloh brennt!“

Wegen Asylantrag: Syrer will vom Kran springen

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In Aleppo werde es immer schlimmer: Erst vor drei Tagen habe er die Nachricht bekommen, dass ein sechsstöckiges Wohnhaus bombardiert wurde. Ein Mann habe gerettet werden können, doch seitdem hörten die Nachbarn die Hilfeschreie von Verschütteten – Bergungsgerät gebe es nicht. „Die Menschen müssen ihnen beim Sterben zuhören. Unerträglich!“ Nach vorsichtigen Schätzungen sind 100 000 Syrer dem Bürgerkrieg zum Opfer gefallen. Sieben Millionen seien auf der Flucht.

Darum müsse auch vor Ort mehr getan werden. „Je mehr wir helfen, umso mehr Syrer können bleiben.“ Nachdem Fonsi bereits fünf Müllautos und einen Krankenwagen nach Aleppo brachte, sucht er jetzt ausrangierte, aber gute Feuerwehrautos. In der Stadt mit derzeit vier Millionen Einwohnern gibt es noch zwei intakte Löschfahrzeuge.

DAC

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