Rentner vor dem Ruin

Kran kracht aufs Dach: Ehepaar muss zahlen

+
Vor über vier Jahren fiel in Pasing ein Baukran um. Er zerstörte das Dach der Häuser in der Nachbarschaft. Die Anwohner haben bis heute mit den finanziellen Folgen des Unfalls zu kämpfen

München - Ein Pasinger Rentner-Ehepaar steht vor dem Ruin, weil die Versicherung für einen ungewöhnlichen Schaden nicht zahlen will: Vor vier Jahren krachte in Pasing ein Baukran auf das Hausdach einer Familie.

Erich (82) und Bela Anna Schroll zeigen in den Speicher ihres Hauses, in dem der Kran einschlug

Es war der 8. November 2008 um kurz nach 9 Uhr im Pasinger Haidelweg. Plötzlich tat es einen ohrenbetäubenden Schlag. Erich Schroll (82) und seine Frau Bela Anna (70) saßen gerade in der Küche und tranken Kaffee. „Ich dachte, ein Flugzeug ist abgestürzt“, erinnert sich die Seniorin. Sie lief ins Obergeschoß, blickte aus dem Fenster und sah, dass ein 50-Tonnen-Baukran, der drei Grundstücke weiter stand umgekippt war – beim Versuch, flüssigen Beton in einer sogenannten Bombe zu transportieren. „Im Obergeschoß lagen lauter Trümmer, alles war kaputt!“ Und das ist es zum Teil noch heute. Darüberhinaus sind die Schrolls seit dem finanziell ruiniert, ihr Konto wurde von einer Baufirma gepfändet, weil die Versicherung nicht zahlen will!

Schon kurz nach dem Unfall hatten die Schrolls das Gefühl, dass sich niemand für ihren Schaden interessiert. Im Garten lag der riesige Kranausleger – und das zwei Tage lang. „Wir konnten gar nicht mehr das Grundstück verlassen, nur wenn wir über den Zaun bei der Nachbarin gestiegen wären“, sagt Bela Anna Schroll. Ausgeschlossen für ihren Mann, der seit einem Schlaganfall gehbehindert ist. Der kann auch nicht mehr selbst auf den Speicher gehen, auf dem die Folgen des Unfalls noch heute zu sehen sind. Die Isolierung ist stellenweise herausgerissen, der Firstbalken provisorisch durch ein dickes Brett verstärkt. Im Bad zeigen dunkle Flecken rund ums Fenster, dass immer noch Wasser eindringt. Immerhin ist jetzt das Dach wieder dicht. Verschütteter Beton und das Gewicht der Betonbombe hatten die vielen Ziegel zerstört, Dachdecker ersetzten sie durch neue.

Aber jetzt lies diese Baufirma das Konto der Schrolls pfänden, weil die Versicherung der Kranfirma statt der 52 000 Euro, die die Renovierung des Daches kostete, weniger als 8000 Euro überwies. Mit der Begründung, damit sei der Anteil am Schaden der Schrolls beglichen. Schließlich sei das Dach Baujahr 1980 und kein Neubau. „Die haben von uns gefordert, wir sollen das Dach mit gebrauchten Ziegeln decken“, ärgert sich der Senior. „Ein Witz, gebrauchte Ziegel bekommt man doch nirgendwo, die gehen ja beim Abdecken immer kaputt.“

Dass der Kranführer an dem Malheur schuld sein soll, steht auch in den Akten der Staatsanwaltschaft. Aber ein Gericht hat nie entschieden, ob das auch tatsächlich so ist. Ein Bedienfehler sei die Ursache für den Einsturz des Krans, der mehrere Nachbargebäude beschädigte. Doch das Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Baugefährdung gegen den 58-Jährigen ist eingestellt worden, da er wegen einer anderweitig verhängten Strafe genug bestraft sei.

„Ich kann das einfach nicht einsehen, für uns wäre eine Gerichtsverhandlung sehr wichtig gewesen“, ärgert sich Bela Anna Schroll. „So kann uns die Versicherung auch weiterhin schreiben, dass die Schuldfrage ungeklärt ist. Und wir bleiben auf dem Schaden sitzen."

Susanne Sasse

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare