Krankenakte München: Darunter leiden wir

München - Sind wir die braveren Arbeitnehmer? Oder wirklich seltener krank? Diese Fragen werfen die Ergebnisse des Gesundheitsreports 2011 auf. Woran wir leiden, wie lange wir fehlen:

Fest steht, dass die Münchner in der Stadt und im Landkreis so selten krank sind wie in kaum einer anderen Region in Bayern. Das ist eines der Ergebnisse des Gesundheitsreports 2011, den die DAK am Dienstag vorgestellt hat. Erstmals liegen darin auch Münchner Daten von etwa 100 000 Versicherten gesondert vor.

Krankmeldungen: Laut Studie haben sich 2010 in Starnberg am wenigsten Arbeitnehmer krank gemeldet, durchschnittlich 2,3 Prozent pro Tag. Dann folgt schon der Münchner Landkreis (2,4 Prozent), dort ist der Krankheitsstand im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,1 Prozent gesunken. Die Stadt München rangiert mit 2,6 Prozent auf Platz drei, 0,1 Prozent mehr als 2009. Ganz unten in der Regionen-Rangliste stehen die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld sowie Main-Spessart mit 3,8 Prozent. Auch im Vergleich zum Bayern-Landesschnitt (3,0 Prozent) und Bundesschnitt (3,4 Prozent) stehen Landeshauptstadt und Landkreis weit vorne.

Der Grund liegt für Claas Lahmann, Arzt für Psychosomatische Medizin am Klinikum Rechts der Isar, auf der Hand: „Je größer der Wohlstand, desto besser die Ernährung.“ Ein hoher Freizeitwert bringt bessere Luft, und wenn Berge und Seen nah sind, treibt der Mensch leichter Sport.

Grafik: Die Fehltage der Münchner

Fehltage: Über ein Drittel der Münchner in Stadt (37,1 Prozent) und Landkreis (39,9) sind nur ein bis drei Tage am Stück krank. Etwas weniger sind vier bis sieben Tage krank (32,6 bzw. 31,6 Prozent). 3,6 Prozent Stadt- und 3,3 Prozent der Landkreis-Bewohner sind 43 Tage, also sechs Wochen und länger krank! Grund: die zunehmenden psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder psychisch bedingte Leiden wie Rückenschmerzen, die langwierig sind.

Grafik: Die häufigsten Krankheitsarten

Krankheiten: Bei den häufigsten Diagnosen unterscheiden sich Stadt und Landkreis: In München liegen Atmungserkrankungen wie Erkältung und Bronchitis vorne, gefolgt von Muskel-Skelett-Leiden wie Rückenschmerzen oder Knieproblemen vorne – im Landkreis ist es andersrum. Womöglich liegt das an der höheren Ansteckungsgefahr, zum Beispiel in U-Bahnen.

Die seltensten Krankheiten der Welt

Die seltensten Krankheiten der Welt

Egal ob Stadt oder Land: Psychische Erkrankungen rangieren auf dem dritten Platz – und zwar mit 10 Prozentpunkten mehr als 2009. Lahmann: „Besonders in der Stadt liegt das zum einen an den tatsächlichen steigenden Fällen, zum anderen auch an der besser werdenden Diagnostik.“

Im Landkreis erfolgen viele Krankschreibungen aufgrund von Problemen im Verdauungssystem und wegen gut- oder bösartiger Tumore. Stattdessen stehen in der Stadt Probleme mit dem Nervensystem, Augen oder Ohren weit vorne. Hier gab’s sogar einen Anstieg von 50 Prozent.

Nina Bautz

Daran leiden junge Arbeitnehmer

Komasaufen bei jungen Arbeitnehmern? Bislang war das nur bei Teenagern bekannt. Doch laut DAK-Studie tranken etwa ein Drittel der 18- bis 29-jährigen Arbeitnehmer im Jahr 2010 einmal im Monat oder häufiger fünf und mehr alkoholische Getränke in nur zwei bis drei Stunden!

Für Claas Lahmann von der TU ein Warnzeichen. „Der junge Arbeitnehmer hat mit Konkurrenzdruck zu kämpfen, hinzu kommen Sorgen wegen befristeter Verträge. Die geforderte Flexibilität und Mobilität belastet psychisch.“ Alkohol, um abzuschalten. Häufig gestellte Diagnosen bei Berufseinsteigern sind meist psychisch bedingt: Rückenschmerzen (23 Prozent), Kopfschmerz (9 Prozent), Asthma (8), Migräne (6), Depressionen (6) und Fettsucht (5). Lahmann: „Häufiger wird die Diagnose einer somatoformen Störung, also körperliche Beschwerden ohne organische Ursachen.“

Auch akute Erkrankungen über wenige Tage sind bei jungen Arbeitnehmern häufiger. Während bei allen Versicherten 28,7 Prozent unter Erkältung leiden, sind es hier zehn Prozent mehr. Die Zahl der Infektionen liegt um fast sechs Prozentpunkte höher, die der Verdauungs-Leiden um vier Prozent. Lahmann empfiehlt: „Jeder Arbeitnehmer muss sich Phasen der Entspannung für den Sport und für die Pflege von Beziehungen gönnen. Und Arbeitgeber sollten zum Beispiel mit einem flexiblen Arbeitsmodell entgegenkommen.“

nba

Rubriklistenbild: © dpa

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