Peter Trefz wiegt 166 Kilo

Warum zahlt ihm die Kasse keine Magen-OP?

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Peter Trefz hat sein Übergewicht satt

München - Der Münchner Metzgermeister Peter Trefz (47) ist 180 Zentimeter groß und wiegt 166 Kilogramm. Er will sich ein Magenband einsetzen lassen - aber die Krankenkasse stellt sich quer.

Peter Trefz (47) fürchtet sich. Er hat Angst vor dem Moment, in dem er wegen seines Übergewichts nicht mehr aus seiner Wohnung kommt. Angst, dass er nie mehr einen Job findet. Der Münchner Metzgermeister ist 180 Zentimeter groß und wiegt 166 Kilogramm. Jetzt will er sich ein Magenband einsetzen lassen – aber die Krankenkasse will den Eingriff nicht bezahlen.

Trefz kämpft schon seit 30 Jahren mit seinem Übergewicht. „Ich kann nicht mehr“, sagt er. „Wenn ich in meine Wohnung im dritten Stock raufsteige, muss ich zwischendrin durchschnaufen.“

Trefz hat schon alles Mögliche probiert, um abzunehmen – aber ohne Erfolg. „Ich war schon überall, beim Psychologen, bei der Sportberatung, bei einer Ernährungsberaterin, das hilft nichts. 2011 habe ich bei einer sechswöchigen Kur lächerliche zwei Kilo verloren.“

Das Einzige, was ihm jetzt noch helfen könnte, ist das Magenband, da ist sich Trefz sicher. Aber die Krankenkasse sagt Nein, will die rund 5000 Euro nicht zahlen. Trefz selber hat nicht genug Geld, um aus eigener Tasche für den Eingriff aufzukommen. Claus Uebel, Sprecher der DAK, sagt: „Wir sehen eine Operation nur als letztes Mittel. Herr Trefz muss an sich arbeiten, zur Psychotherapie, zur Bewegungstherapie und zur Ernährungsberatung. Auch eine Selbsthilfegruppe wäre gut.“ Weil es ja nichts bringe, Trefz zu operieren, wenn der sein Verhalten nicht ändere. Die Versuche, die Trefz bereits selber unternommen hat, werden nicht anerkannt. Laut eines Gutachtens solle er eine Psychotherapie statt einer OP machen. Dabei würde Trefz’ Hausarzt einen Eingriff befürworten. Und bei anderen selbstverschuldeten medizinischen Problemen (etwa Schäden durch Rauchen oder Risiko-Sportarten) zahlen die Kassen die Behandlungen meist anstandslos.

Warum es bei Trefz überhaupt so weit kam? Bis zu einem Body Mass Index von 51 (normal wären 25)? Begonnen hat es in der Kindheit, sagt Trefz, der in Niederbayern aufwuchs. „Bei uns war es knapp mit dem Geld, darum hieß es immer, Bub, iss auf! Wer weiß, ob morgen wieder was da ist.“ Er lernte Metzger, zog mit 18 nach München und machte dort die Meisterprüfung. Am Rotkreuzplatz eröffnete er 1995 eine eigene Metzgerei. Drei Jahre lang ging das gut. Dann starb der Vater, der bei der Bank gebürgt hatte. Die Bank kündigte Trefz, er musste seinen Traum wieder zusperren. Das Selbstbewusstsein rauschte noch tiefer in den Keller, und Trefz flüchtete sich ins Essen. Obwohl er wusste, dass ihm das schadet. Ins Fitnessstudio traut er sich jetzt nicht mehr, „da hat keiner Lust, sich um Menschen wie mich zu kümmern“. Im Schwimmbad ist es noch schlimmer: „Schrecklich, wenn einen das ganze Bad anglotzt und Kinder rufen: ,Da kommt ein Walross!‘“

Vor drei Jahren verlor Trefz seinen letzten Vollzeitjob, weil er nicht mehr so lang stehen kann. Jetzt bezieht er Hartz IV und jobbt in einem Wirtshaus, weil er sich 100 Euro pro Monat dazuverdienen darf. Trefz: „Ich komme aus dem Desaster nicht mehr raus, deshalb gehe ich jetzt auf Empfehlung meines Arztes an die Öffentlichkeit.“ Schon das ist ein kleiner Sieg über die Angst …

Susanne Sasse

Wie Promis ihren Speck bekämpfen

Auch der argentinische Ex-Fußballstar Diego Maradona (52) ist weltlichen Genüssen zugetan. So sehr, dass er 2005 satte 120 Kilo auf die Waage brachte — bei 166 Zentimetern Größe. Dann ließ er sich in Kolumbien ein Magenband einsetzen – prompt speckte der Weltmeister von 1986 in acht Wochen 33 Kilo ab. Deutlich sichtbar – zum Beispiel bei einem Besuch in München im Jahr 2008 (Foto rechts). Maradona vertraute aber nicht nur auf das Magenband. So hat er etwa zusammen mit seiner Ex-Freundin Diät gehalten. „Wir haben gegenseitig auf uns aufgepasst, dass wir unser Gewicht halten“, sagt die Ex Veronica Ojeda.

Auch für andere Promis ist die Figur ein gewichtiges Thema. Etwa bei Sängerin Jessica Simpson (32). Als die Blondine nach der Geburt ihrer Tochter füllig blieb, war sie so verzweifelt, dass sie ein Magenband wollte. Freunde hielten sie davon ab, mittlerweile ist sie dank Ess-Disziplin und Sport schlank. Bei Artemis Gounakis (46), Popstars-Coach, sieht’s anders aus. Nach etlichen gescheiterten Diäten wog sie 140 Kilo. Nachdem ihr Bernd Ablaßmaier ein Magenband einsetzte, speckte sie ab auf 68 Kilo. Über ihre Erfahrung schrieb sie das Buch Wie jede Diät versagt.

svs

Schlank dank Medizin: Das sind die Methoden

Der Münchner Privatdozent Dr. Bernd Ablaßmaier (55) operiert seit 1995 Menschen mit starken Gewichtsproblemen. Das Interview mit dem Experten:

Herr Ablaßmaier, wann ist eine Magenoperation Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Bernd Ablaßmaier: Vorrangig ist Prävention. Hier müssen wir schon bei den Kindern anfangen. Aber es gibt Fettleibige, bei denen ist das Kind sozusagen schon in den Brunnen gefallen – und denen muss man helfen. In einer Untersuchung an der Berliner Charité haben wir festgestellt, dass bei einem massiven Übergewicht von 130 oder 140 Kilogramm andere Methoden wie Psychotherapie, Sport und Ähnliches alleine nicht die gewünschten Erfolge zeigen.

Welche Operationsmethoden gibt es überhaupt?

Ablaßmaier: Der Magenballon ist das einfachste Verfahren. Hier wird bei einer Magenspiegelung auch ein Ballon eingesetzt. Da der Magen dann gefüllt erscheint, fühlen sich die Menschen satt. Zweitens gibt es das Magenband. Das ist eine effektive, aber relativ harmlose Methode. Der Magen wird mit einem Silikonband umgeben, dass er sich nicht mehr so dehnen kann. Es passt dann weniger hinein — außer, der Patient trinkt hochkalorische Milchshakes.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten?

Ablaßmaier: Den Magenbypass. Da schaltet man ein Stück vom Dünndarm aus und leitet die Nahrung vorbei, so wird sie nicht absorbiert. Dann kommt, einfach gesagt, unten das raus, was oben hineinkommt. Eine weitere Methode ist der Magenschlauch. Dabei wird ein Großteil des Magens weggeschnitten und der Magen massiv verkleinert. Von dieser Methode halte ich nicht so viel, da man sie nie mehr rückgängig machen kann. Es ist quasi eine Amputation.

Wie schätzen Sie das Vorgehen der Krankenkassen in Sachen Magen-OPs ein?

Ablaßmaier: Die Kassen sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, eine Magenoperation zu bezahlen. Die Begründung lautet, dass so eine Operation nicht lebensnotwenig ist. Andererseits verkürzt massives Übergewicht das Leben. Zahlt der Patient dann die Operation selbst, ergibt sich manchmal das Problem, dass die Kassen Folgeoperationen , wie etwa das Entfernen von Hautlappen, nicht übernehmen wollen.

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