Gestalter Martin Schmidt im Gespräch

Kraterfeld am Marienhof: Wia schaut’s jetzt aus?

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Das Kraterfeld im Marienhof.

München - Bei Themen, die München wochenlang bewegten und bewegen wollen wir noch mal nachfragen: Was ist aus den Plänen geworden? Diesmal fragen wir zum Kraterfeld im Marienhof nach.

Herr Schmidt, im Frühjahr 2014 berichtete die „tz“, wie Sie mit der Errichtung Ihres Kunstwerks am Marienhof für einigen Wirbel sorgten. Damals hieß es, das an den 1. Weltkrieg erinnernde Kraterfeld solle nur ein halbes Jahr bleiben. Und, wia schaut’s jetzt aus?

Schmidt: Gut schaut’s aus, sehr gut. Die ganze Geschichte hat sich sehr gut entwickelt, auch dank der Berichte in der tz. Kurz vor Ablauf des halben Jahres haben wir noch mal um eine Verlängerung gebeten, die uns dann auch völlig überraschend genehmigt wurde. Und das dann gleich bis zum 30. September 2018. Also über die gesamte Zeit der 100-jährigen Wiederkehr des 1. Weltkriegs von 1914 bis 1918.

So richtig erkennbar ist das Denkmal für jedermann nicht unbedingt, es gibt auch keine großen Hinweisschilder und Erklärungen.

Schmidt: Nein, es gibt eine gelbe Tafel, auf der der Hintergrund steht, mehr nicht. Ich wollte aber auch ganz bewusst keinen provokanten Hingucker, kein Schock-Denkmal, ein Mahnmal mit dem Dampfhammer, vor dem man stehen bleiben muss und das einen zutiefst erschüttert. Sondern ein Werk, das man sich erst mit der zweiten Ebene der Wahrnehmung verinnerlicht, wenn man davor steht und es sich bewusst macht, was dahintersteckt. Die Kraterlandschaft wird wie an den historischen Orten von Verdun und den anderen schrecklichen Grabenkämpfen immer mehr von der Natur erobert, da wächst im wahrsten Sinne immer mehr Gras drüber. Es wird alltäglicher, man kennt den Marienhof ja kaum mehr anders. Irgendwann werden es nur noch unebene Böden sein.

Und am 1. Oktober 2018 müssen Sie das Feld dann wieder planieren und einebnen?

Schmidt: Ja, dann soll ich den ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Es könnte aber auch früher, auf jeden Fall aber vor 2018 sein, wenn mit dem Bau der Zweiten Stammstrecke begonnen wird.

Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Keine Angst, bis die genehmigt ist, begehen wir den 100. Jahrestag des 2. Weltkriegs. Welche Reaktionen haben Sie denn in den vergangenen Monaten noch bekommen?

Schmidt: Die Stadt München hat mir einige positive Briefe weitergeleitet, ansonsten habe ich aber auch von Freunden und Bekannten gehört, dass sie das nicht so gut finden. Alles völlig im Rahmen. Ist also nicht so, dass wildfremde Leute auf der Straße auf mich zu rennen und mich beglückwünschen dazu. Aber gesteinigt werde ich immerhin auch nicht.

Florian Kinast

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