Vier Hämmer zum Fest

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Auch mit Mitte Vierzig noch knallhart unterwegs: Mille Petrozza mit der Flag of Hate

München - Kreator, Morbid Angel, Nile und Fueled by Fire zerlegen das Backstage Werk mit präzisen Thrash- und Death-Attacken. Die tz bangte mit.

Package-Tourneen sind schwer in Mode im metallischen Musikzirkus - und oft ein Ärgernis für die Fans. Bands, die musikalisch nicht richtig zusammenpassen, endlose Umbaupausen, große Qualitätsgefälle. Da bleibt der Spaß schell auf der Strecke.

Dass es auch anders geht, bewiesen die umtriebigen Veranstalter von Rock the Nation nun mit ihrem adventlichen Viererpack aus Kreator, Morbid Angel, Nile und Fueled by Fire. Ausverkaufte Häuser, perfekte Stimmung, blendend aufgelegte Bands - das war ganz großes Kino, was die deutschen Thrash-Heroen mit ihren drei US-Begleitern ablieferten. Auch im Münchner Backstage Werk kam in den fünf Stunden am Freitag keinerlei Langeweile auf.

Den Anheizer gaben Fueled by Fire aus Los Angeles, eines der Top-Teams der neuen Retro-Thrash-Welle. Mit zwei Alben haben sich die Latinos in der Szene etabliert, die wahre Stärke liegt auf der Bühne. Da wird gerannt und gebangt, dass es eine Freude ist. Wer mit Thrash nur ein bisschen was anfangen kann und die Band noch nicht kennt, darf die Burschen auf der nächsten Tour nicht verpassen. Album Nummer drei soll 2013 erscheinen.

Komplizierter wurde es danach bei Nile. Der vertrackte und extrem schnelle Death Metal der South-Carolina-Bande ist auf Platte nicht jedermanns Sache, live jedoch sind die Hobby-Archäologen über jeden Zweifel erhaben. Alleine schon Drummer George Kollias ist den Eintritt wert. Mehr Tempo und Präzision wird man nicht nur im Metal vergeblich suchen. Lediglich der schlecht abgemischte Sound trübt den Gig. Der Grund, warum sich Gitarrist Karl Sanders nach dem Schlusssong beinahe eine Bühnenschlägerei mit einem Techniker liefert?

Nach einer kurzen Umbaupause übernehmen die Urväter des technischen Todesbleis das Zepter. Morbid Angel aus Florida, seit 1984 aktiv und nimmermüde, sind live zusammen mit Bolt Thrower nach wie vor das Maß der Dinge im Death Metal. Sänger/Bassist David Vincent ist ein Charismatiker vor dem Herrn, Gitarrist/Bandgründer Trey Azagthoth verbirgt sein Gesicht wie eh und je hinter einem Vorhang aus schwarzen Locken. Die 13 Songs lange Setlist hat ihren Schwerpunkt beim Albumklassiker "Altars of Madness" (Immortal Rites, Maze of Torment, Chapel of Ghouls, Lords of all Fevers and Plague). Vom aktuellen, zwiespätig aufgenommenen Werk "Illud Divinum Insanus" gibt's nur zwei Stücke. Verschmerzbar. Ob die Fan-Meute nach diesem mörderischen Morbid Angel-Gig noch zu Höchstleistungen fähig ist? Klare Antwort: Bei Kreator schon! Die Bühne mit 3D-Elementen vom "Phantom Antichrist"-Albumcover sieht beeindruckend aus, und der Ruhrpott-Vierer ist in Spiellaune wie lange nicht mehr.

Frontmann Miland "Mille" Petrozza keift sich durch 17 Thrashperlen (Coma of Souls wird mit Endless Pain verwoben), Basser Christian "Speesy" Giesler sorgt für die Action und sogar Sami Yli-Sirniö, der stille Finne an der Leadgitarre, schüttelt sein Haupthaar. In dieser Verfassung müssen sich Kreator um ihren europäischen Thrash-Thron noch lange keine Sorgen machen. Süßer die Ohren selten klingeln...

Ludwig Krammer

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