Ihr Lachen war ansteckend

Krebs! Große Trauer um Juwelierin Helga Kuhnert (74)

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Helga Kuhnert ist 74 Jahre alt geworden.

München - Trauer um Helga Kuhnert: Die Juwelierin und Geschäftsführerin von Wempe war eine Institution, beliebt und bekannt wegen ihres Wiener Charmes. Mit 74 ist die Münchner Geschäftsfrau in der Nacht auf Mittwoch gestorben.

Ihr Leben waren die Träume anderer, Wohlhabender, die sich Diamanten, Gold und teure Uhren leisten konnten und die Helga Kuhnert (†74) als Juwelierin und Geschäftsführerin von Wempe ihr Vertrauen schenkten. Über 40 Jahre lang. Die gebürtige Österreicherin war das Herz des Edeljuweliers. Und sie war eine Institution, die mit Wiener Charme, drei Busserln und Schokoherzen ihre Kundschaft pflegte, die meistens viel mehr war als eine Geschäftsbeziehung und aus der zahllose Freundschaften entstanden sind. Es gab ein ganzes Münchner Netzwerk Kuhnert’scher Art!

Doch keine noch so kostbare Uhr – die Juwelierin selbst trug eine goldene Rolex Lady – kann die Zeit an- und Lebensträume festhalten, und kein Geschmeide das Schicksal bestechen: Helga Kuhnert ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 74 Jahren in München gestorben. Ihr Bruder, der aus Portugal anreiste, war bei ihr.Der Krebs hat ihr das Leben genommen, das sie so sehr liebte – mit Reisen, Opernfestspielen, Abendessen, Skifahren – eben allem, was schön war und Freude machte. Freude und Lachen zu verbreiten – das war Lebensinhalt.

Dabei ist Helga Kuhnert gar nicht mit einem goldenen Löffel aufgewachsen. Das heißt, erst schon – als Tochter eines Wiener Holzhändlers mit vornehmer Mädchen-Internatsbildung. Als aber die Eltern nach Brasilien auswanderten, um in São Paulo einen Holzhandel aufzuziehen, wurde das für Helga und ihre Familie zum Desaster – die Familie verlor alles.

Und Helga Kuhnert konnte nicht Sängerin werden, wovon sie träumte. So bewarb sich das junge Mädchen im Edelsteinland Brasilien um eine Juwelierslehre und lernte alles von der Pike auf – vor allem das Edelsteingeschäft, auch das Steineschleifen. Mit 22 Jahren bekam sie schließlich das Angebot, in Brasilia ein Schmuckgeschäft zu eröffnen – als Geschäftsführerin. Als sich Helga Kuhnerts Eltern scheiden ließen, verliebte sie sich in den Sohn eines der Anwälte und folgte ihm nach 13 Jahren Brasilien zurück nach Österreich. Und das Wiener Traditionshaus Sturm und Silber übertrug ihr die neue Filiale in Salzburg. Die Beziehung scheiterte noch vor der Eheschließung. Dafür machte Helga Kuhnert Karriere, ging schließlich nach München zu Wempe und wurde dort als erste Frau überhaupt Geschäftsführerin.

Den Münchner Herrschaften legte sie fortan den herrlichsten Schmuck, der jungen Münchner Society passte sie die Verlobungs- und Trauringe an. Stets die Freude als Triebfeder im Sinn. Bis 2009, als Helga Kuhnert in Ruhestand ging, aber keine Ruhe gab: Sie ließ sich noch im fortgeschrittenen Alter zum Businness-Coach ausbilden. Geht nicht, gibt‘s nicht! Das war ihr Motto.

Helga Kuhnert selbst hat nie einen Ehering getragen. Dafür hatte sie einen verlässlichen Freundeskreis, der das Krankenzimmer stets in ein Blumenmeer verwandelte, und der ihr bis zuletzt treu zur Seite stand – darunter Moderatorin Carolin Reiber, Günter und Margot Steinberg oder Enrico de Paruta. So wie Helga Kuhnert jedem „das moralische Handerl“ hielt, der es nötig hatte. Sie hat sich von ihren Freunden mit Haltung verabschiedet und ist in Frieden gegangen. Ihr Lebensmotto „Geht nicht, gibt’s nicht“ – das bleibt!

Ulrike Schmidt

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