Danke für mein neues Leben

Krebspatient und Spender: Das erste Treffen

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Glücklich vereint: Hannes Haude (li.) rettete Andreas Siewert durch eine Knochenmarkspende.

München - Jahrelang kämpfte Andreas Siewert gegen Blutkrebs – mit Erfolg. Mit seinem Lebensretter hat er sich jetzt zum ersten Mal im Glockenbachviertel getroffen.

Als sein Leben auf der Kippe stand, hielt er sich an Bildern fest – und träumte von schönen Orten, die er gerne noch besuchen würde. „Nach München wollte ich schon immer mal reisen“, sagt Andreas Siewert (47). „Die Vorstellung gab mir Kraft.“ Jahrelang kämpfte der Berliner gegen Blutkrebs – mit Erfolg. Mit seinem Lebensretter hat er sich jetzt zum ersten Mal im Glockenbachviertel getroffen.

Andreas Siewert (links) und Hannes Haude bei ihrem ersten Treffen im Glockenbachviertel.

Siewert kann heute wieder lachen. Laut, gelassen und so fröhlich, dass seine Augen zu Schlitzen werden und ihm die ganzen Gesichtszüge entgleiten. Man droht ihn in solch einem Moment nicht mehr zu erkennen, so sehr freut er sich. Oder man erkennt: einen gesunden Menschen. Jemand, der sein Leben zurück gewonnen hat. „Mir geht es heute wieder gut. Ich habe die Krankheit zurückgedrängt“, sagt er.

Siewert hatte Leukämie. 2007 die Diagnose: Blutkrebs. Er erleidet eine Hirnblutung, wird nachts notoperiert. Es folgt eine Leidenszeit mit Tabletten, Behandlungen, Chemotherapie – Siewerts Leben findet im Krankenbett statt, nicht mehr in der geliebten Glaserei. Anderthalb Jahre lang ist er krank geschrieben. „Eine harte Zeit, besonders die Chemotherapie.“ Bilder zeigen Siewert als Patienten mit Glatze, Schläuche reichen in seinen Hals. Ein Kampf um Leben und Tod.

Er gewinnt ihn – dank Hannes Haude aus Bad Staffelstein. Mitte 2011 spendet der Oberfranke Stammzellen für Siewert. Schon zehn Tage nach der Transplantation geht es dem Patienten besser. Im Café sitzen sie jetzt gemeinsam und gesund an einem Tisch – hier der Geheilte, dort sein Lebensretter. „Ich bin Hannes unendlich dankbar“, sagt Siewert. „Wir sind heute tief verbunden.“

Zwei Jahre lang hatten sich beide zunächst Briefe geschrieben. „Für mich war es ein bewegendes Gefühl helfen zu können“, sagt Haude. „Plötzlich trug ich Verantwortung für einen anderen Menschen – ich fühlte mich wie schwanger. Dass mein Blut einem fremden Menschen das Leben retten konnte, ist für mich ein kleines Wunder.“ Das Wunder sitzt ihm nun regelmäßig gegenüber. „Wir werden uns sicher noch öfter treffen“, sagt Siewert. „Ich habe einen neuen Bruder.“

Andreas Thieme

Lebensspende: Liebe Leser, jede Jahr erkranken bundesweit 32 500 Frauen und Männer an Blutkrebs. Auch Sie können Leben retten. Informieren Sie sich dazu im Internet unter www.dkms.de

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