Ihm droht lange Haftstrafe

Kredit-Betrug? Pfarrer soll Millionen gemacht haben

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Ein silbernes Kreuz trug Robert K. (47) im Gericht.

Gemeinsam mit vier Komplizen soll ein Pfarrer Anleger um Millionen gebracht haben. Nun muss sich der 47-Jährige vor Gericht verantworten - ihm drohen fünf Jahre Haft.

München - Solche Angeklagten sieht das Landgericht nur selten. In schwarzem Hemd mit weißem Priesterkragen und großem Umhängekreuz betritt Robert K. (47) strahlend den Saal. „Grüß Gott“, ruft er seinem Anwalt zu. 9 Uhr morgens – eigentlich muss er um die Zeit zur Messe. Gestern nicht. Da musste der Pfarrer nämlich vor Gericht.

Dort kann ihm auch der liebe Gott nicht mehr helfen: Robert K. ist wegen millionenschweren Betrugs angeklagt, gemeinsam mit vier Komplizen. Laut Anklage haben die Männer diverse Kredite über Scheinfirmen angeboten, die Vorauszahlungen und Provisionen aber einfach behalten. Mit dieser Masche wurden etliche Anleger um ihr Geld gebracht. Ihnen entstand laut Anklage insgesamt 7,5 Millionen Euro Schaden. Jetzt wird der ganzen Bande der Prozess gemacht.

Nur Robert K. wollte sich gestern äußern. Etwa eine Beichte? Nein. Zur mutmaßlichen Tat machte der Geistliche keine Angaben, sondern nur zu seiner Person. Und schilderte einen bewegten Lebenslauf. 1970 wurde er in Danzig geboren. Der Vater war Seemann, die Mutter Sekretärin. 1979 zog Robert K. mit seinen Eltern nach Kiel. Nach der Realschule wurde er Soldat. „Ich war Funker, musste die Russen und die Polen abhören.“ Er lacht. „Das war damals so.“

Pfarrer: „Für mich gilt der Zölibat nicht“

Nach fünf Jahren wirft er hin, wird Versicherungsagent, zieht 1999 zurück nach Polen. 2007, als die Geschäfte nicht mehr laufen, tritt K. einem altkatholischen Orden bei. Was seine Ordensbrüder damals nicht wussten: Seit 2003 soll Robert K. bereits in den Kredit-Betrug verstrickt gewesen sein. Laut Anklage handelte die Bande über Briefkasten-Firmen mit Bankgarantien. Arbeitsteilig nach Absprachen. Bis zum Mai 2009. Dann erst kam die Polizei ihnen auf die Schliche.

Vor Gericht gibt sich der Herr Pfarrer ganz fromm. Statt über das Geld redet er lieber über Liebe. „Ich bin zum zweiten Mal verheiratet.“ Als Pfarrer? Die Richterin stutzt. „Für mich gilt der Zölibat nicht“, erklärt Robert K. und grinst breit. „Ich habe zwei Kinder.“ Sieben und neun Jahre alt sind sie. Robert K. wird sie wohl länger nicht sehen. Denn wegen bandenmäßigen Betrugs drohen dem Pfarrer nun bis zu fünf Jahre Haft. Bis zum 31. August verhandelt das Landgericht an weiteren 17 Prozesstagen. Für Robert K. bleibt noch viel Zeit, um die Beichte noch einmal zu überdenken.

thi

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