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Kredit-Report: Dafür machen die Münchner Schulden - und das rät eine Expertin allen Betroffenen

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Von: Claudia Schuri

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Sorgen um hohe Schulden sind oft eine große Belastung für Betroffene. Shutterstock
Sorgen um hohe Schulden sind oft eine große Belastung für Betroffene. Shutterstock © Shutterstock

Die Inflation ist hoch, viele Preise schießen sprunghaft in die Höhe – vor allem für Münchner mit niedrigem Einkommen ist das nicht leicht. Eine Schuldenberaterin ist besorgt.

Der Mann hatte gerade erst eine Anstellung bei einer Spedition gefunden. Doch dann kam der Ukraine-Krieg, der Spritpreis schoss in die Höhe – und der LKW-Fahrer verlor den Job wieder. Übrig blieb: ein Schuldenberg. „Wenn man sowieso an der Einkommensgrenze wirtschaften muss, und es kommt eine Krise, dann fällt oft das ganze Kartenhaus zusammen“, erklärt Inge Brümmer von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in München. Krankheit, Scheidung oder die Pandemie schlagen mit voller Wucht zu. „Wir haben seit 2021 deutlich mehr Anfragen“, berichtete sie. Zum Vergleich: Im zweiten Halbjahr 2020 waren es im Schnitt 35 Anfragen im Monat – 2021 waren es schon 46. Die Zahl der Telefonberatungen lag 2020 bei 39 monatlich – und 2021 schon bei 52 monatlich.

Inge Brümmer ist Schuldnerberaterin bei der Arbeiterwohlfahrt.
Inge Brümmer ist Schuldnerberaterin bei der Arbeiterwohlfahrt. © privat

Die Stadtsparkasse München stellte bisher aber noch keine verstärkte Nachfrage nach Krediten von Privat- und Firmenkunden fest. Bei der Hypovereinsbank gibt es zwar aktuell bei Immobilienkrediten aufgrund der niedrigen Zinsen den Trend zu Finanzierungen mit sehr langen Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Eine verstärkte Anfrage gab es auch hier nicht.

Studie des Portals Finanzcheck

Das Portal Finanzcheck hatte im Sommer Bürger aus deutschen Großstädten befragt, wie sie zum Thema Geld stehen. Ein Ergebnis: Nur die Hälfte der Münchner Teilnehmer hat schon einmal einen Kredit aufgenommen – das sind vergleichsweise wenig im Vergleich zu den Angaben der Bürger aus anderen Großstädten. Bei den 30- bis 40-Jährigen nutzte mehr als jeder Dritte ein Darlehen zur Finanzierung einer Immobilie oder Eigentumswohnung. Auch 30 Prozent der bis 73-Jährigen gaben an, dafür Schulden aufgenommen zu haben. Ein häufiger Kredit-Grund, den je nach Alter zwischen 24 und 32 Prozent der Münchner nannten, ist die Autofinanzierung. Für einen Umzug oder den Führerschein dagegen machten nur wenige Schulden. Rund 82 Prozent der Befragten berichteten zudem, Rücklagen für den Notfall zu haben.

Doch viele Folgen der aktuellen Krisen sind noch gar nicht sichtbar. Jobverlust, steigende Preise, explodierende Energiekosten: „Wir rechnen damit, dass sich das noch stärker auswirken wird“, sagt Inge Brümmer. „Gerade für Leute mit niedrigem Einkommen bleibt da in einer Stadt wie München mit sehr hohen Mieten nicht mehr viel.“ Rund 30 Prozent der Klienten bei der Schuldnerberatung haben weniger als 900 Euro im Monat zur Verfügung. Auch aus kleinere Online-Einkäufe werden so schnell hohe Summen – vor allem, wenn für den Bezahldienst das Geld fehlt. „Aus Kleinst-Rechnungen können große Probleme werden“, warnt Brümmer. Sie kennt einen Fall, bei dem nur noch 17 Cent offen waren. Durch Mahnungen, Inkasso-Gebühren und weitere Forderungen wurden daraus 150 Euro. „Man verliert schnell den Überblick und kommt mit dem Kümmern nicht mehr hinterher“, erklärt sie.

Die Tipps der Schuldnerberaterin

Die Schuldnerberaterin rät, sich erst einmal einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen. „Manche Ausgaben wie Versicherungen kann man vielleicht vorübergehend stilllegen oder bei Verträgen den Tarif wechseln“, erklärt sie. „Wichtig ist, die Miete weiter zu bezahlen.“ Ein weiterer Tipp: „Man sollte sich erkundigen, ob einem öffentliche Hilfen zustehen.“ Unterstützung gebe es zum Beispiel in den Sozialbürgerhäusern der Stadt und bei einer kostenlosen Schuldnerberatung. Diese berät auch bei Gehaltspfändungen. „Es gibt Pfändungsgrenzen“, erklärt Brümmer. „Einkommen, das darunter liegt, ist nicht pfändbar.“ Und nicht vergessen: „Immer mit den Gläubigern in Kontakt treten und alle Briefe öffnen“, betont sie.

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