Gabriele P. spricht über ihr Leben

Angeklagte verrät: So lief der Kreissägen-Mord von Haar ab

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Geständnis vor Gericht: Gabriele P. hat ihren Freund Sebastian H. mit einer Kreissäge getötet.

München - Am ersten Prozesstag um den Kreissägen-Mord von Haar hat die Angeklagte gestanden. Gabriele P. schildert die Tat und spricht über das gemeinsame Leben mit dem Opfer.

Sie hält ein weißes Blatt vor ihr Gesicht. Niemand soll sehen, wie es Gabriele P. (32) geht, als sie den Gerichtssaal betritt. Denn die Studentin hat ein unfassbares Verbrechen begangen: Im Jahr 2008 zerstückelte sie ihren Freund Sebastian H. (†28) mit einer Handkreissäge. Am Montag begann der Mordprozess am Landgericht.

Gabriele P. erscheint im braunen Blazer. Ihre Haare sind rötlich-verwaschen, im Ansatz grau. Ganz anders als auf Bildern: Mit Sebastian H. strahlte sie - blond, hübsch und unbeschwert. Mit ihm lebte sie ab 2001 in der Zunftstraße in Haar. Das Haus hatte sie geerbt, er zog mit ein. Doch die Beziehung hatte viele Krisen. Zweimal trennte sich das Paar, es gab viel Streit.

Verteidigerin Birgit Schwerdt.

Opfer war ans Bett gefesselt

So auch im Dezember 2008: Gabriele P. warf ihren Freund hinaus und versöhnte sich später wieder - um ihn töten zu können, wie die Staatsanwältin ihr vorwirft. Sie fesselte ihn ans Bett - wie üblich beim Sex. Und setzte ihm eine abgedunkelte Taucherbrille auf. Unfassbar: Dann nahm Gabriele P. eine Handkreissäge und schnitt Sebastian H. damit quer über die Brust. Laut Anklage durchtrennte sie die Schlüsselbeine und sägte ihm den Kopf ab. Hinter verschlossenen Türen gestand sie am Montag den Grusel-Mord! Weil auch intime Sex-Details des Paares besprochen wurden, durfte die Öffentlichkeit nicht zuhören.

Über ihr Leben vor der Tat packte Gabriele P. vor Gericht aber umfassend aus - und erklärte, wie sie zur Killerin wurde. Im Jahr 2001 lernte sie Sebastian H. auf einer Party kennen. Aus einer Freundschaft wurde Liebe. „Wir waren etwa zwei Jahre glücklich“, sagt Gabriele P. Doch dann soll Sebastian H. sein wahres Gesicht gezeigt haben. P.: „Er hatte zwei Persönlichkeiten.“ Einerseits sei der Student intelligent, humorvoll und wohlerzogen gewesen. Über die andere Seite will die Pädagogik-Studentin nicht sprechen. Nur so viel: Gabriele P. besuchte eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Borderline-Patienten. Ein Psychiater soll Sebastian H. die Diagnose gestellt haben.

Richter Michael Hoehne.

Alkohol und Drogen bestimmen Tagesablauf

Machte sein exzessiver Drogenkonsum aus dem braven Studenten einen angsteinflößenden Psychopathen? Gabriele P. gewährte Einblicke in den Alltag der Wohngemeinschaft, von der in der Anklage die Rede ist. Zusammen mit Sebastian H. lebte sie ab 2003 in dem Haus, das sie geerbt hatte. Zwei Mitbewohnerinnen teilten sich das Erdgeschoss. Alkohol und Drogen bestimmten den Tagesablauf. P.: „Ich habe viel Wein getrunken.“ Richter Michael Höhne erzählte sie, dass sie täglich Gras rauchte. „Ich musste mich betäuben“, sagt sie. 

Viel schlimmer sei der Konsum aber bei ihrem Freund gewesen: „Jeden Tag fünf Gramm. Er brauchte alleine 50 Euro am Tag für das Zeug“, sagt Gabriele P. Geld, das Sebastian H. von ihr bekam. Dazu seien seine wirren Sexfantasien gekommen, wie Gabriele P. in ihren Tagebüchern festhielt. Im Dezember 2008 sah sie offenbar keinen anderen Ausweg, als ihren Freund zu töten.

Andreas Thieme, Johannes Heininger

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