Die Kreuzdiebe von der Ludwigskirche

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Links: Adelheid S. und Boris T. vor Gericht. Rechts: Dieses über 150 Jahre alte Kreuz stahl das Paar vom Hauptaltar der Ludwigskirche an der Ludwigstraße. Es musste nach der Tat restauriert werden.

München - Sie kamen in die Ludwigskirche, weil sie mit dem Pfarrer über die Taufe ihrer Tochter sprechen wollten - und sie gingen mit einem gestohlenen Kruzifix im Kinderwagen. Jetzt wird Adelheid S. und Boris T. der Prozess gemacht.

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Diebespärchen mit Kruzifix im Kinderwagen

Adelheid S. und Boris T. (beide 41) waren in die Ludwigskirche gekommen, um mit Pfarrer Ulrich Babinsky über die Taufe der gemeinsamen Tochter zu reden. Nachdem das Pärchen nicht gleich einen Termin bekommen hat, nutzten beide die Zeit, um in der Kirche stehlen zu gehen. Boris T. kletterte über den Tabernakel, und holte vom Hauptaltar ein vergoldeten Kruzifix. Die Beute verstauten sie im Kinderwagen! Jetzt wird ihnen der Prozess gemacht.

Goldschmiede-Meisterin Adelheid S. will sich an den Diebstahl am 9. Juli 2008 nicht erinnern. Sie sei zu abgelenkt gewesen: „Mein Kind hat so geschrien.“ Ihr Lebensgefährte Boris gibt die Tat zwar zu, macht aber Erinnerungslücken geltend. Er habe Ärger mit seinem Bewährungshelfer (er ist wegen Diebstahls mehrfach vorbestraft) gehabt: „Deshalb habe ich zu viel gesoffen.“

Was ihn nicht daran hinderte, wieder lange Finger zu machen: Er kraxelte auf den Altar, um das über 150 Jahre alte Kreuz zu stehlen. „Ich weiß nicht, wie ich da hochgekommen bin“, sagt er. Die Beute wickelte er in eine weiße Babydecke und versteckte es im Gepäckkorb des Kinderwagens. Den dreisten Diebstahl hatten zwei US-Touristen beobachtet und alarmierten die Polizei.

Polizistin Stefanie R. (28) erreichte als erste den Tatort. Die Urlauber gaben ihr den Tipp: „Da laufen sie!“ Adelheid S. rannte mit dem Kinderwagen in einen Hinterhof, um das Kreuz wegzuwerfen. Die Trümmer sammelten die Urlauber ein. Die Polizisten rief um Verstärkung, nachdem Boris T. immer aggressiver wurde. Fünf Beamte mussten den wild um sich schlagenden 110-Kilo-Mann bändigen, der dabei einen Arm- und einen Nasenbeinbruch erlitt. Dem Hausmeister wirft die Anklage zudem vor, in einem Münchner Hotel Geld und Wertsachen für über 15 000 Euro gestohlen zu haben.

Adelheid S. hat dem Pfarrer inzwischen alles gebeichtet. „Sie hat sich entschuldigt“, sagte Babinsky. „Es war für sie schrecklich peinlich.“ Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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