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Krieg in der Ukraine: Münchens OB stellt umstrittenem Dirigenten ein Ultimatum

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Von: Marc Kniepkamp

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Eröffnung der Isarphilharmonie
Die Münchner Philharmoniker spielen unter der Leitung von Dirigent Valery Gergiev zur Eröffnung der Isarphilharmonie im Orchestersaal. © Peter Kneffel/dpa

Der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, hat in der Vergangenheit die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt. Jetzt hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dem Musiker ein Ultimatum gesetzt, um sich von der russischen Invasion in der Ukraine zu distanzieren.

Update, 25. Februar, 15:14 Uhr: Nachdem OB Dieter Reiter den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, dazu aufgefordert hat, sich bis Montag vom russischen Angriff auf die Ukraine zu distanzieren, unterstreicht auch die Fraktion Grüne/Rosa Liste diese Forderung. „„Der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker ist ein Repräsentant unserer Stadt. Diese Stellung erfordert in einem durchaus weit zu fassenden Rahmen auch politische Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, freiheitlich-demokratische Werte und das friedliche Zusammenleben der Völker auf der Basis des Völkerrechts nicht offen zu missachten“, sagt Grünen-Fraktionschef Florian Roth.

Er fährt fort: „Leider hat Herr Gergiev in der Vergangenheit schon mehrfach Anlass zu der Befürchtung geboten, dass ihm die Freundschaft zum russischen Präsidenten im Zweifelsfall wichtiger ist als diese Werte. Er hat sich mehrmals in den Dienst der Propaganda von Wladimir Putin gestellt, beispielsweise 2008 bei einem Siegeskonzert nach dem Krieg Russlands gegen Georgien, 2014 durch die Unterzeichnung eines offenen Briefes, in dem die völkerrechtswidrige Annexion der Krim begrüßt wurde und 2016, als er im syrischen Palmyra mit dem Mariinski-Orchester bei einem Konzert aus Anlass der Eroberung dieser Stadt durch syrische und russische Truppen auftrat.“

Die Grünen hatten die Vertragsverlängerung Gergievs im Jahr 2018 aus diesen Gründe bereits abgelehnt. „In der gegenwärtigen Lage ist es einfach undenkbar, dass an der Spitze unserer Philharmoniker jemand steht, der den Überfall auf die Ukraine in irgendeiner Weise rechtfertigt und sich nicht klar davon distanziert.“

Erstmeldung, 25. Februar, 12:10 Uhr: Es sind deutliche Worte, die der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einem Schreiben an den umstrittenen Chef-Dirigenten der Münchner Philharmoniker findet. „Ich habe gegenüber Valery Gergiev meine Haltung klargemacht und ihn aufgefordert, sich ebenfalls eindeutig und unmissverständlich von dem brutalen Angriffskrieg zu distanzieren, den Putin gegen die Ukraine und nun insbesondere auch gegen unsere Partnerstadt Kiew führt“, sagte Reiter am Freitag.

OB setzt dem Chefdirigenten der Philharmoniker ein Ultimatum bis Montag

Dafür räumt ihm der OB nur ein Wochenende Bedenkzeit ein. „Sollte sich Valery Gergiev hier bis Montag nicht klar positioniert haben, kann er nicht länger Chefdirigent unserer Philharmoniker bleiben“, stellte Reiter klar.

Dirigent wegen Nähe zur russischen Politik schon länger umstritten

Gergiev steht wegen seiner Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin unter Druck. 2014 hatte er einen offenen Brief unterzeichnet, in dem er die russische Annexion der Halbinsel Krim unterstützte. Auch damals hatte es Diskussionen wegen seines Engagements in München gegeben. Am Donnerstag hatte bereits der Mailänder Bürgermeister Beppe Sala dem russischen Dirigenten ein ähnliches Ultimatum wie jetzt Reiter gestellt. Er forderte von Gergiev „eine Erklärung zugunsten einer friedlichen Konfliktlösung“. Der Dirigent ist auch an der Scala in Mailand tätig.

Münchens OB Dieter Reiter wird in seinem Brief an Gergiev deutlich: „Gemeinsam mit den Orchestervertretern der Münchner Philharmoniker erwarte ich von Ihnen als Chefdirigent des Orchesters jetzt ein deutliches Zeichen der Distanzierung von den völkerrechtswidrigen Angriffen gegen die Ukraine, und damit ein klares Signal an die Stadtspitze, die Öffentlichkeit, die Musikerinnen und Musiker der Münchner Philharmoniker und ihr Publikum bis Montag, 28. Februar. Anderenfalls werden wir das Vertragsverhältnis als Chefdirigent beenden müssen.“

Grüne Stadtratsfraktion war bereits 2018 gegen die Verlängerung des Vertrags

Zuvor hatte bereits Florian Roth, der Fraktionschef der Grünen/Rosa Liste im Stadtrat, eine solche Distanzierung Gergievs von der russischen Invasion in der Ukraine gefordert. „Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass Gergiev ohne eine Verurteilung des Angriffskriegs seines Freundes Putins (dessen Syrien- und Ukrainepolitik er immer unterstützt hat) hier in München wie geplant ein Konzert der Münchner Philharmoniker dirigiert“, schrieb Roth Freitagfrüh auf Twitter. Die Grünen hatten sich bereits 2018 gegen die Verlängerung des Vertrages von Gergiev in München gestellt. Die Begründung damals: „In dieser Funktion, als Repräsentant der Stadt, vor Ort, aber eben auch weltweit, trägt er jedoch auch politisch eine herausgehobene Verantwortung. Dazu würde es gehören, eine gewisse Zurückhaltung zu üben bei einem politischen Engagement, das sich zu den freiheitlich-demokratischen Werten, für die auch die Landeshauptstadt steht, diametral im Gegensatz befindet. Zumindest wäre eine strikte Trennung zwischen privater politischer Überzeugung und seiner Rolle als international bekannter Künstler zu praktizieren.

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