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Krieg in der Ukraine - Generalkonsul in München beklagt: „Wir sind Opfer der Barbarei“

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Von: Claudia Schuri

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Yuriy Yarmilko ist seit vier Jahren als Generalkonsul in München.
Yuriy Yarmilko ist seit vier Jahren als Generalkonsul in München. © Jens Hartmann

Seit 30 Jahren gibt es das ukrainische Generalkonsulat in München – und noch nie war es so schlimm wie jetzt. Doch trotz aller Kriegssorgen: Die Hoffnung lebt, betont der Generalkonsul.

München - Tulpen und Kerzen liegen am Eingang des unscheinbar wirkenden Gebäudes in der Lessingstraße (Ludwigsvorstadt*). Es sind Solidaritätsbekundungen – denn hier ist der Krieg in der Ukraine ganz nah. Dutzende Briefe und Anrufe gehen gerade täglich im ukrainischen Generalkonsulat ein. „Viele Leute fragen, wie sie uns unterstützen können“, berichtet Generalkonsul Yuriy Yarmilko. Sogar Angebote, bei der Verteidigung zu helfen, habe es gegeben. Er betont: „Solidaritätszeichen sind wichtig für uns.“

In München zum Beispiel wird das Rathaus mit der Europa-, der Ukraine- und der Mayors-for-Peace-Fahne beflaggt. Am Wochenende erstrahlt das Rathaus ab 18 Uhr zudem in den Landesfarben der Ukraine. Auch der Olympiaturm wird angestrahlt.

Krieg in München: Generalkonsul kann „bis jetzt nicht glauben, was passiert“

In München* leben über 7000 Leute mit ukrainischem Pass und Kiew ist Partnerstadt. Seit 30 Jahren gibt es das ukrainische Generalkonsulat in München – es war das erste, das nach der Unabhängigkeit der Ukraine in Betrieb ging. 30000 Ukrainer aus Bayern und Baden-Württemberg sind dort konsularisch gemeldet. Generalkonsul Yarmilko ist seit vier Jahren in München*, zuvor arbeitete er im ukrainischen Außenministerium. Von dem Einmarsch habe er in der Nacht erfahren. „Es war auch für mich eine Überraschung“, sagt der Diplomat. „Ich kann bis jetzt nicht glauben, was passiert.“

Es ist ein Krieg gegen europäische Werte

Generalkonsul Yuriy Yarmilko

Yarmilko hat viele Bekannte und Verwandte in Kiew. „Wir sprechen nach Möglichkeit täglich“, erzählt er. „Alle haben große Sorgen.“ Das Streben der Ukrainer nach Freiheit würde bestraft, mit Panzern und Raketengeschossen. „Wir sind Opfer der Barbarei“, beklagt der Diplomat. „Es ist ein Krieg gegen europäische Werte, gegen die zivilisierte Welt.“

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Krieg in der Ukraine: Bitte um Hilfsmittel wie Verbandsmaterial und Treibstoff

Der Konsul steht mit deutschen Politikern und dem ukrainischen Außenministerium in Kontakt. Er stoße dabei auf viel Verständnis, berichtet er. „Ohne Unterstützung aus der ganzen Welt sind wir nicht imstande, gegen so einen kräftigen Aggressor zu bestehen“, erklärt Yarmilko. Defensivwaffen, harte Sanktionen, aber auch Verbandsmaterial und Treibstoff – das wünscht er sich von den anderen Ländern. Aufgeben sei keine Option, betont er: „Die Leute haben Angst, aber noch Hoffnung.“

Derweil gab es am Freitag erneut Demonstrationen gegen den Krieg. Die Säulen am Eingang zum russischen Generalkonsulat wurden mit roter Farbe besprüht. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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