tz-Serie zum Kriegsende vor 70 Jahren

Kriegsdrama "Die Brücke": Die wahre Geschichte

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Bei dieser heutigen Brücken über die Loisach bei Bad Heilbrunn fand das tatsächliche ­Geschehen statt.

München - Das Romanverfilmung "Die Brücke" geht zurück auf eine wahre Begebenheit, die sich zum Kriegsende Anfang Mai 1945 bei Bad Tölz zugetragen hat. Wir besuchten den Roman-Autor, der leibhaftig vor 70 Jahren dabei war.

Die letzten Kriegstage irgendwo in Bayern. Die Amerikaner rücken an, sieben 16-Jährige verteidigen eine kleine Brücke, bis alle bis auf einen tot sind. Millionen Kino- und Fernsehzuschauer kennen die Romanverfilmung „Die Brücke“ des Regisseurs Bernhard Wicki von 1959 mit Fritz Wepper in der Hauptrolle, der in Cham (Oberpfalz) gedreht wurde. Die wahren Begebenheit spielte sich bei Bad Tölz ab. Die tz besuchte Roman-Autor Gregor Dorfmeister (86), der 1958 seine eigene Geschichte verarbeitete.

Gregor Dorfmeister 2015.

„Die echte Brücke, an der das alles passierte, war sehr klein und führte bei Bad Heilbrunn über die Loisach“ erinnert sich Dorfmeister, der später Redaktionsleiter des Tölzer Kurier wurde. „Wir waren zu acht in die SS-Kaserne in Bad Tölz eingezogen worden.“ Nach ein paar Tagen harten Drills gibt es am frühen 1. Mai Alarm, die Burschen werden an die Brücke gefahren, um sich dort einzugraben. „Ich glaube, man wollte uns an einen Standort bringen, wo nicht viel passieren kann.“ Doch dann taucht ein Panzer am anderen Ufer auf. „Wir schossen aus acht Panzerfäusten, eine traf, ich bete noch heute, dass es nicht meine war.“ Die Luke geht auf, ein brennender Soldat springt heraus und wälzt sich sterbend auf dem Boden. „Damals wurde ich Pazifist.“

Jetzt bricht die Hölle los, die Amerikaner feuern aus allen Rohren auf die Kinder. „Wir rannten um unser Leben.“ Drei schafften es bis Tölz, darunter Dorfmeister. „Dort sollten wir die Isarbrücke mit einem MG verteidigen.“ Dorfmeister türmt, die Kameraden bleiben. Am nächsten Tag – den 2. Mai – nehmen die Amerikaner Bad Tölz schnell ein. „Ich ging zur Brücke, da lagen die beiden tot da, eine alte Frau ging vorüber und bespuckte sie. Ich werde dieses Bild nie vergessen.“

Vor 70 Jahren am 2. Mai 1945

München: Null Grad am Morgen, tagsüber maximal fünf Grad, leichter Regen. Der gebürtige Münchner und Leibarzt Hitlers, Ludwig Stumpfegger, nimmt sich per Blausäure-Kapsel in ­Berlin das Leben.

Bayern: US-Truppen besetzen Mühldorf und Rosenheim. Passau wird nach kleineren Gefechten und Brückensprengungen erobert.

Welt: General Helmuth Weidling unterzeichnet die Kapitulation Berlins. Admiral Dönitz benennt im Hauptquartier in Flensburg-Mürwik eine „geschäftsführende Reichsregierung“. Die Wehrmacht soll weiter gegen die Sowjets kämpfen. Eine von Walter Ulbricht geführte kommunistische Initiativgruppe trifft in Berlin ein.

Vor 70 Jahren am 3. Mai 1945

München: Etwas gab Nachtfrost, tagsüber gibt es 9 Grad. Der Gauleiter von München-Oberbayern, Paul Giesler, begeht in Berchtesgaden Selbstmord. Dr. Otto Hipp wird zum Bürgermeister berufen. Das NS-„Ehrenmal“ an der Feldherrnhalle wird entfernt.

Bayern: US-Truppen besetzen das Lebensborn-Heim „Hochland“ in Steinhöring bei Ebersberg. Traunstein wird besetzt, am Stadtrand werden zuvor 61 jüdische KZ-Häftlinge von der SS erschossen.

Welt: Die Briten versenken bei Lübeck die Schiffe Cap Arcona und Thielbek, etwa 7000 KZ-Häftlinge sterben, von ihnen wussten die Briten nichts.

Britische Streitkräfte besetzen Myanmars Hauptstadt Rangun, die US-Marineinfanterie landet auf der Philippinen-Insel Mindanao.

Johannes Welte

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