Freispruch für Kunsthändler

Der Krimi um den Maya-Schatz

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Leonardo P. (M.) hat den Schatz nach München gebracht.

München - Leonardo P., ein umstrittener Kunsthändler, wurde vom Vorwurf des Kunstschmuggels freigesprochen. Der 2008 in einem Lagerhaus beschlagnahmte Schatz bleibt aber vorerst in München.

Die einen halten ihn für einen großen Kunstsammler in diplomatischer Mission. In seiner Heimat Costa Rica jedoch hat Leonardo Augustus P. (71) einen wenig schmeichelhaften Spitznamen. Dort nennt man ihn den „Dieb der Schätze“. Wie auch immer: München steht erneut im Fokus eines internationalen Kunstkrimis. Im Frühjahr 2008 wurde in einer Münchner Lagerhalle ein auf 64 Millionen Euro bezifferter Schatz aus der Blütezeit der südamerikanischen Indianerkulturen der Maya, Azteken und Inka beschlagnahmt. Es geht um insgesamt 1100 Einzelstücke aus präkolumbischer Zeit (darunter allerdings auch diverse Fälschungen), die vom LKA an einem geheimen Ort in München gelagert werden.

Als Eigentümer wies sich der in der Kunstszene heftig umstrittene und immer wieder ins Zwielicht geratene Leonardo P. aus, der seit Jahren per internationalem Haftbefehl gesucht und im März dieses Jahres in Spanien wegen Kunstschmuggels verhaftet wurde. Ein Gericht in Madrid sprach ihn vergangene jedoch Woche von diesem Vorwurf frei – weil es sich nicht um spanische Kulturgüter gehandelt habe. Die Anklage hatte zwei Jahre Haft und 28 Millionen Euro Strafe gefordert. Das Urteil beinhaltet den Hinweis, dass die Einfuhr des Schatzes nach Spanien in den 90er-Jahren eine Straftat gewesen sein könnte, weil die Echtheit bzw. die Besitzverhältnisse der Masken, Skulpturen und Schmuckstücken nicht geprüft worden war. Der Stein kam ins Rollen, als die „Colección Patterson“ 1997 mit großem Besuchererfolg in Santiago de Compostela gezeigt wurde. Bereits damals protestierte die Regierung von Peru heftig, da sich in der Ausstellung Exponate befänden, die illegal außer Landes gebracht worden seien. Als zudem Zweifel an der Echtheit einzelner Stücke aufkamen, wanderte die ganze Sammlung ins Depot. Im Frühjahr 2008 wurde der Schatz in einer Nacht- und Nebelaktion ohne Ausfuhrgenehmigung auf unklaren Wegen nach München geschafft. Hier hatte Leonardo P., der häufig zwischen Genf, Paris und München pendelte, eine Wohnung.

Neben Peru, Kolumbien, Panama, Costa Rica, El Salvador und Guatemala können nach dem Urteil nun auch private Sammler ihre Besitzansprüche geltend machen. Solange bleibt der Schatz in München. Nur Peru hat bereits einige Stücke zurückbekommen.

Dorita Plange

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