Krankenhaus kämpft um guten Ruf

Krimi um Münchner Promi-Klinik

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Die Diagnoseklinik in Schwabing

München - Die Diagnoseklinik in der Schwabinger Augustenstraße muss um ihren guten Ruf fürchten: Sie ist - offenbar völlig unverschuldet - in einen Wirtschafts-Krimi hineingezogen worden.

Von außen betrachtet wirkt die Diagnoseklinik in der Schwabinger Augustenstraße recht unscheinbar, dafür sind ihre Patienten umso schillernder: Promis wie Oliver Kahn und Thomas Helmer legten sich bei den Radiologie-Profis bereits in die Röhre – neben Wirtschaftsbossen und anderen Millionären. Allein heuer vertrauten 35 000 Patienten auf die Topqualität der CT- und Kernspinbilder. Trotzdem muss die Diagnoseklinik jetzt um ihren guten Ruf fürchten: Sie ist – offenbar völlig unverschuldet – in einen Wirtschafts-Krimi hineingezogen worden.

Die Fakten: Zehn Jahre nach der Gründung hat Inhaber Dr. Bernd Dörflinger seine Münchner Diagnoseklinik verkauft. Neuer Besitzer ist seit Anfang des Jahres ein Hamburger Radiologie-Konsortium namens Hanserad. Diese Unternehmensgruppe betreibt Radiologie-Praxen an acht Standorten in ganz Deutschland.

Die Radiologie gilt als einer der einträglichsten Geschäftsbereiche der Medizin. Doch Hanserads Expansionskurs ging offenbar schief. Deshalb musste die Unternehmensgruppe jetzt Insolvenz anmelden. Noch dazu ist Unternehmens-Chef Professor Wolfgang Auffermann ins Visier der Staatsanwälte geraten. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, ermitteln die Fahnder wegen Betrugsverdachts.

Bei Hanserad sollen möglicherweise Kontrastmittel falsch abgerechnet worden sein. Patienten sei ein günstiges Mittel gespritzt, gegenüber den Kassen allerdings ein teureres Medikament angegeben worden. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts geht es um eine Schadenssumme im zweistelligen Millionenbereich.

„Unsere Mitarbeiter waren geschockt, als sie von den Vorwürfen erfuhren“, sagte Hanserad-Sprecherin Anke Sinnigen der tz, und betonte zugleich: „Die Vorwürfe betreffen nur den geschäftsführenden Gesellschafter.“ Also Auffermann.

Der Professor wiederum macht sich rar. „Nach eigener Aussage befindet er sich in Berlin“, so seine Sprecherin. „Mehr Informationen haben auch wir nicht.“ In Hamburg wird gemunkelt, Auffermann könnte sich in die Arabischen Emirate abgesetzt haben. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht.

Tatsache ist dagegen, dass sich Insolvenzverwalter Dr. Gideon Böhm derzeit einen Überblick über das Ausmaß des wirtschaftlichen Desasters verschafft. In einer Betriebsversammlung hat er sich auch der Münchner Belegschaft vorgestellt. „Der Insolvenzverwalter hat unsere 150 Mitarbeiter positiv motiviert“, erläuterte der Ärztliche Direktor der Diagnoseklinik, Professor Marcus Seemann, der tz. „Und auch mir ist um den Standort München nicht bange. Es wird definitiv weitergehen!“ Notfalls könne die Diagnoseklinik auch eigenständig erhalten werden. „Es haben sich bereits mehrere interessierte Investoren gemeldet.“

Schließlich sei das Radiologie-Zentrum hervorragend gut, betont der Ärztliche Direktor. Allein heuer habe man modernste Computertomografen und Kernspin-Geräte für rund fünf Millionen Euro angeschafft.

Andreas Beez

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