Die Abgründe der Großstadt

Krimi-Tour: Das sind Münchens spektakulärste Tatorte

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Walter Sedlmayrs Wohnhaus in der Elisabethstraße 5 ist noch heute eine Attraktion.

München - Es ist eine Reise in die Abgründe der Großstadt. Spannend, informativ und auch erschreckend: Am Sonntag, 29. Juni, starten die beiden ersten Krimi-Touren des gemeinnützigen Polizeivereins Münchner Blaulicht.

An elf Stationen werden die Gäste an Tatorte spektakulärer Verbrechen und historischer Attentate geführt. Die Reisebegleiter sind vier Männer, die aus erster Hand berichten werden: Peter Reichl (Chef des Münchner Kriminaldauerdienstes), Medizinalrat Dr. Josef Boiger (ehemaliger Polizeiarzt und Stadtführer), Gerd Lutz (ehemals Chef der Spezialeinheit MEK) und Thomas Paulus (Vizechef der 2. Einsatzhundertschaft). Die Krimi-Tour soll eine feste Institution werden.

Zunächst alle zwei Monate, bei großem Andrang auch öfter. Und der ist jetzt schon groß. Die tz verlost die letzten sechs Plätze für die erste Fahrt am 29. Juni von 9.30 bis 12.30 Uhr. Buchungen im Voraus per Überweisung (19 Euro pro Person, Kinder erst ab 14 Jahren). Alle weiteren Infos und Termine gibt es unter www.muenchnerblaulicht.de

Dorita Plange

14.1.2005, Grünwald: Der heimliche König

Im Januar 2005 weinten viele Münchner um einen Mann, der wie ein heimlicher König verehrt wurde: Rudolf Moshammer, schillernder Modezar und Liebling der Bussi-Bussi-Gesellschaft, wurde am 14. Januar 2005 erdrosselt in seinem Haus in Grünwald gefunden. Sein Mörder – der Stricher Herisch A. (25) – wurde gefasst. Noch heute suchen viele Touristen Mosis ehemaligen Laden in der Maximilianstraße auf.

26.10.1980: Bombe auf der Wiesn

Heute erinnert nur noch das Mahnmal an den Anschlag vom 26. September 1980: Um 22.19 Uhr explodierte am Haupteingang des Oktoberfestes eine Rohrbombe mit 1,39 Kilo TNT, Schrauben und Nägeln. 13 Menschen starben – darunter auch der Täter. 211 Menschen wurden verletzt, 68 trugen bleibende Behinderungen davon.

15.5.2005, Trappentreustraße: Das Opfer des NSU-Terrors

Seinen Schlüsseldienstladen in der Trappentreustraße hatte er erst am 1. Juni 2005 eröffnet. Zwei Wochen später war Theodoros Boulgarides tot. Hingerichtet mit drei Kopfschüssen lag er am 15. Juni 2005 in seinem Laden. Er war das siebte Opfer der Terrororganisation NSU. Der Prozess gegen die Rechtsextreme Beate Zschäpe läuft seit Mai 2013 vorm Oberlandesgericht in München.

5.9.1972: Der Terror bei Olympia

Acht Männer drangen am 5. September 1972 in die Unterkunft der israelischen Olympia-Mannschaft im Olympiadorf ein. Es ist das Ende der „Fröhlichen Spiele“ und der Beginn eines Terroraktes, der die Welt schockt. Die Polizei war damals mit dem Ausmaß der Gewalt völlig überfordert. Am Ende waren neun Israelis, ein Polizist und fünf Attentäter tot.

17.5.1985, Braunauer Brücke: Wer ist Michas Mörder?

Sie war ein Kind, das immer lachte: Am 17. Mai 1985 durfte die kleine Michaela Eisch (8) zum ersten Mal alleine U-Bahn fahren. Sie kam nie mehr zurück. Einen Monat später fanden Arbeiter ihre Leiche im Dickicht an der Braunauer Eisenbahnbrücke. Der Kindermord wurde nie geklärt, die Mordkommission ermittelt noch. Ein Mahnmal steht heute an der Stelle, an der Michaela mit einem fremden Mann über den Zaun in das Brachgelände stieg...

21.2.1919, Kardinal-Faulhaber-Straße: Der erste Mann im Freistaat

Im Gehsteig der Kardinal-Faulhaber-Straße liegt eine Reliefplatte, die die Umrisse des an dieser Stelle ermordeten Sozialisten Kurt Eisner (*14. Mai 1867; † 21. Februar 1919) zeigt. Der monarchie-kritische Journalist war nach dem Ersten Weltkrieg der erste Ministerpräsident des von ihm ausgerufenen Freistaates, der bayerischen Republik. Er wurde von einem Studenten der deutsch-völkischen Thule-Bewegung erschossen.

14.7.1990: Der Tod des Schauspielers

Intrigen und Hass, Liebe, Lügen und homosexuelle Obsessionen – das war das Privatleben des Volksschauspielers Walter Sedlmayr. Am 14. Juli 1990 wurde er ermordet auf seinem Bett gefunden. Sein Wohnhaus in der Elisabethstraße 5 ist noch heute eine Attraktion. Seine Mörder – Sedlmayrs Ziehsohn und dessen Bruder – wurden 1991 festgenommen. Beide sind heute nach langjähriger Haft wieder frei.

4.8.1971: Die erste Geiselnahme

Tausende Schaulustige wurden am 4. August 1971 in der Prinzregentenstraße Zeugen der ersten Geiselnahme in Deutschland in einer Bank. Ein Geiselnehmer und eine Geisel sterben bei der Schießerei. Die Einsatzleitung hockt in der Wohnung einer Seniorin, die Schnaps serviert. Auch Franz Josef Strauß schaut vorbei. Nach diesem Einsatz wird das SEK gegründet.

14.12.1976: Oetker-Folter in der Kiste

Im Stachus-Untergeschoss befindet sich eine unauffällige Tür, die im Dezember 1976 eine Rolle im Entführungsfall Richard Oetker spielte: Dahinter saß der Entführer Dieter Z., der den Koffer mit dem Lösegeld schnappte und so die Polizei hereinlegte. Oetker hatte er in einer Holzkiste eingesperrt und mit Stromstößen gefoltert. Der Industriellensohn überlebte schwer verletzt.

22.1.1995, Bonner Platz: Erschossen auf Treppe der U-Bahn

Bei der Fahndung nach dem flüchtigen Tankstellenräuber Boro M. (22) laufen die beiden Polizisten Markus Jobst (†21) und Margit H. (24) dem Täter im U-Bahnhof am Bonner Platz am 22. Januar 1995 in die Arme. Der schießt sofort. Margit H. überlebt schwer verletzt. Markus Jobst zögert – und wird auf der Treppe erschossen. Er stirbt auf den Stufen. Noch heute legen seine Kollegen an den Jahrestagen Blumen für ihn an den Tatort.

9.11.1923: Der Putsch der Nazis

Die Feldherrnhalle wurde am 9. November 1923 zum Schauplatz des Hitlerputsches. Es kam zu einer blutigen Konfrontation mit der Bayerischen Landespolizei. 16 Putschisten und vier Landespolizisten starben. Die Gedenktafel für die Putschisten, die jeder Bürger im Vorbeigehen mit dem Hitlergruß ehren musste, wurde 1945 abgehängt. Eine Gedenktafel erinnert aber heute noch an die getöteten Polizisten.

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