„Freue mich wie Schneekönigin“

Sie könnte neue Oberbürgermeisterin von München werden

+
Jung, modern: Die CSU setzt im Kampf um den OB-Sessel auf Kommunalreferentin Kristina Frank, die das Bild vieler Münchner von den Christsozialen entstauben soll.

Kristina Frank soll für die CSU als OB-Kandidatin antreten. Das haben die Münchner Kreisverbände entschieden. Wählen werden die Delegierten erst im Mai. Programmatisch war daher am Mittwoch wenig zu erfahren. Einzig, dass die Grünen wohl als neuer Hauptgegner ausgemacht worden sind.

München - Franz-Josef Strauß hat seine Erben im Blick. Im Sitzungsraum der CSU-Bezirksleitung prangt das Konterfei des Altvaters an der Wand. Und gleich gegenüber sitzt die Zukunft, die Speerspitze des neuen Kurses der Partei, wie Bezirkschef Ludwig Spaenle es nennt. Ziel: Verjüngung und Modernisierung. Und so haben neben dem bewährten Steuermann Spaenle Kommunalreferentin Kristina Frank und Fraktionschef Manuel Pretzl Platz genommen.

Frank ist tags zuvor von den Kreisverbänden einstimmig als OB-Kandidatin nominiert worden. Der Bezirksvorstand muss am 3. Dezember zustimmen, die Delegierten wählen im Mai. Insofern sei es noch „zu früh für Glückwünsche“, sagt Frank. „Aber ich freue mich wie eine Schneekönigin. Und ich bin gerne bereit, alles zu geben.“

2014 in Stadtrat eingezogen - seit August Kommunalreferentin

Frank, 37, hat eine steile Karriere hinter sich. Die ehemalige Richterin ist 2014 auf Listenplatz zwölf erstmals in den Stadtrat eingezogen, angetreten war sie auf Platz 16. Sie wurde 2016 Vize-Fraktionsvorsitzende, seit 1. August ist sie Kommunalreferentin. „Dieser Aufgabe gilt meine ganze Kraft, die Menschen erwarten zu Recht, dass ich mich kümmere.“

Partei und Fraktion werden sich inhaltlich erst nach der Europawahl und der Delegiertenversammlung positionieren, also voraussichtlich ab Juni. Programmatisch ist daher am Mittwoch noch recht wenig zu erfahren. Ausnahme: Die Erfolge als Teil der Stadtregierung beim Schul-, Wohnungs- und Nahverkehrsausbau müssten ins rechte Licht gerückt werden. Zudem wolle man ein Leitbild für die Stadt entwickeln und den 2008 begonnenen Kurs fortführen. Sprich: den von Ex-Bürgermeister Josef Schmid und Ludwig Spaenle eingeschlagenen Weg einer liberalen Großstadtpartei.

Bildet gemeinsam mit Kristina Frank die CSU-Doppelspitze: Manuel Pretzl sitzt seit 2002 im Stadtrat.

CSU setzt auf Doppelspitze mit Frank und Pretzl

Für den steht Kristina Frank, aber auch Manuel Pretzl. Dass der nun neben der 37-Jährigen als Bürgermeister und Fraktionschef in den Wahlkampf ziehen wird, zeigt, dass die Partei auf eine Doppelspitze setzt: Auf der einen Seite der zweifache Familienvater, passionierter Jäger und Chef des Jagd- und Fischereimuseums, der seit 2002 im Stadtrat sitzt. Auf der anderen Seite die Yoga-begeisterte, bei allen Wetterlagen Fahrrad fahrende Mutter, die Karriere und Familie unter einen Hut bringt.

Der Wahlkampf soll modern und frisch sein, sagt Frank. „Wir wollen eine Brücke zwischen den Milieus schlagen und einen Dialog in alle Richtungen.“ München sei bereit für eine Oberbürgermeisterin - „der CSU“, fügt sie hinzu.

Grüne schicken Katrin Habenschaden ins Rennen

Mit Katrin Habenschaden wird sich auch bei den Grünen eine Frau um den Chefsessel im Rathaus bewerben. Die CSU hat die Ökopartei vor dem Hintergrund der Landtagswahl offenbar als Hauptkonkurrenten ausgemacht. „Wir werden die Grünen jetzt noch stärker stellen“, kündigt Pretzl an. Obwohl es neben „erstarkten Grünen“ auch gegen einen „starken OB“ gehe.

Dass die Kommunalreferentin und der künftige Vize-Bürgermeister gegen ihren SPD-Dienstherrn Dieter Reiter Wahlkampf machen müssen, sei kein Problem. Man werde fair miteinander umgehen und auch mal „frech“ diskutieren, so Frank. Die Kooperation werde fortbestehen. Pretzl: „Wir arbeiten weiter seriös zusammen.“

Sascha Karowski

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bluttat am Stachus: Männer gehen aufeinander los - dann zückt einer ein Messer
Bluttat am Stachus: Männer gehen aufeinander los - dann zückt einer ein Messer
Arnulfsteg bleibt ein Politikum: Stadt will Baufirmen verklagen - es geht um 8,4 Millionen Euro
Arnulfsteg bleibt ein Politikum: Stadt will Baufirmen verklagen - es geht um 8,4 Millionen Euro
Münchner betrieb Fake-Onlineshop und verursachte Millionen-Schaden - wurde er nur ausgenutzt?
Münchner betrieb Fake-Onlineshop und verursachte Millionen-Schaden - wurde er nur ausgenutzt?
Anwohner beobachtet das Treiben einer Frau mit drei Männern und alarmiert Polizei 
Anwohner beobachtet das Treiben einer Frau mit drei Männern und alarmiert Polizei 

Kommentare