Beatles-Musical im Deutschen Theater: Die Kritik

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Die echten Beatles verzauberten Tausende von Fans in den 1960er-Jahren. Heute rocken die Doppelgänger von Twist & Shout das Beatles-Musical „All you need is love“.

München - Das Beatles-Musical „All you need is love“ gibt es nun auch im Deutschen Theater in München zu sehen. Die Kritik:

Manchmal würde man ja dann doch ganz gerne wissen, was Menschen dazu bringt, ihr gesamtes Leben damit zu füllen, jemand anderes sein zu wollen. Die Mitglieder der Band Twist & Shout etwa versuchen seit Jahren, so zu spielen, auszusehen und zu klingen wie John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Als Stars des Beatles-Musicals All You Need Is Love haben es die vier Musiker zu einiger Meisterschaft darin gebracht, den Beatles so ähnlich wie möglich zu sein. Und so ist die Illusion fast perfekt, als das Quartett zu Beginn das letzte Konzert der „Fab Four“ auf dem Dach der Londoner Apple-Zentrale nachstellt (Für Nachgeborene: Apple hieß die Firma der Beatles, lange bevor es iPhones gab). Get Back singen die Herren und das ist das Motto des Abends, dem das Publikum im ausverkauften Deutschen Theater zu München willig folgt.

Von Beginn an wird munter zur Musik gewippt und im Takt geklatscht. Es ist eine Zeitreise zurück in die seligen Sechziger, als die Beatles scheinbar mühelos einen Welthit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelten und die Konkurrenz schier zur Verzweiflung brachten. Das Musical zeigt mit Hilfe eines Erzählers etwas steif den Werdegang der Liverpooler Band und die Herren von Twist & Shout spielen dazu die passenden Songs. Im Unterschied zu vergleichbaren Shows wird viel Wert auf die Frühgeschichte der Band gelegt und so gibt es reichlich Rockklassiker zu hören, die im Original gar nicht von den Beatles stammen – angefangen haben die schließlich als Coverband. Egal ob alte Standards oder die bekannten Beatles-Hits – die Band meistert das spieltechnisch akkurat. Auch Instrumente und Kleidung sind sorgsam nach der entsprechenden Schaffensphase der Beatles ausgesucht und Carmine Francis Grippo hält als Ringo sogar die Trommelstöcke genauso wie das Vorbild, nach der reinen Schlagzeuglehre also falsch.

Die Beatles - ein Mythos

Die Beatles - ein Mythos

Tony Kishman, der in der Show den Paul gibt, klingt verblüffend echt und sieht dem Original im Halbdunkel auch ziemlich ähnlich. Alles handwerklich sauber gemacht also, bis hin zum breiten schnoddrigen Akzent von John Lennon, den Jim Sullivan präzise imitiert. Gut gesungen und gespielt und bis hin zur Körpersprache glaubhaft abgekupfert. Aber eben auch ein bisschen routiniert. Das ist die Schattenseite der Perfektion. Wenn man Abend für Abend dieselbe Rolle spielt, die immer gleichen Lieder spielt, verlischt irgendwann selbst beim größten Enthusiasten die Leidenschaft. Kishman beispielsweise steht bereits seit 35 Jahren als McCartney auf der Bühne, wahrscheinlich hat nur McCartney selbst öfter Let It Be gesungen.

Ein netter Zeitvertreib für Nostalgiker, aber für echte Fans keine zwingende Angelegenheit.

All you need is love ist bis 15. April im Deutschen Theater zu sehen. Karten (42 bis 68 Euro) gibt’s unter Telefon 089/54818181.

Von Zoran Gojic

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