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Kroetz-Tochter Josephine (19) gibt ihr Roman-Debüt

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Josephine Kroetz präsentiert ihr Buch für Scheidungskinder; ihre Eltern Franz Xaver Kroetz und Marie Theres Relin lieferten dafür die Vorlage.
Josephine Kroetz präsentiert ihr Buch für Scheidungskinder; ihre Eltern Franz Xaver Kroetz und Marie Theres Relin lieferten dafür die Vorlage. © Michael Westermann

Als Josephine Kroetz süße vier war, kam ein äußerst glücklicher Tag: ihre Eltern heirateten. Der Dramatiker und Schauspieler Franz Xaver Kroetz und die Schauspielerin Marie Theres Relin, Tochter von Maria Schell.

Als Josephine Kroetz erwachsene 18 war, begleitete sie ihren Papa, immer noch Dramatiker, und ihre Mama, die inzwischen hauptsächlich Hausfrau geworden war, zur Scheidung.

Es war der 20. November 2006, 10 Uhr. Es regnete, es war kalt, und die Tochter wartete vor dem Familiengericht Traunstein auf den Vollzug. Um 12 Uhr lagen sich Papa und Mama geschieden und tränenreich in den Armen und verstanden sich so gut wie schon lange nicht mehr; und sie selbst war nun „glückliche Scheidungstochter“.

Jetzt, eineinhalb Jahre später, ist Josephine Kroetz 19 und präsentiert ihre „Geschichte für Scheidungskinder“ mit dem langen Titel: Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich bloß in ihr zurechtfinden. 205 Seiten, wie es gehen kann. Als Roman. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig! Im Buch ist die Mama Journalistin, was sie inzwischen u.a. auch im richtigen Leben ist; der Papa Lehrer und Autofreak.

Und für den Anfang des Endes steht ein Satz, der allgemeingültig ist, ob für prominente oder weniger prominente Paare, ob erfunden oder echt – und zwar auf Seite 51: Mit Unzufriedenheit hatte alles begonnen, mit Mamas Unzufriedenheit...“ Zu viel Hausfrauen-Routine, zu wenig Spaß. Entfremdung, bis die Liebe stirbt.

Um das Unvorstellbare anderen zu erklären, beginnt Josephine Kroetz in der Welt der griechischen Götter, wo das Theater eine wichtige Rolle spielte. Weil mit Theater in übertragenem und direktem Sinn kennt sich Josephine Kroetz formidabel aus – als Tochter des Dramatikers und der Schauspielerin, und –, weil sie inzwischen selbst Regie-Assistenzen und Praktika macht. Seit zwei Jahren an der Seite ihres Vaters am Resi, auch bei Sepp Vilsmaier für die Verfilmung des Brandner Kaspar. Immer unterwegs zwischen dem Erstwohnsitz Teneriffa und den Zweit-Heimaten München und Oberbayern.

Josephines Sprache aber klingt Bayerisch und Wienerisch. Die grauen Katzenaugen leuchten. Eine Feder von Mensch – das ganze Mädchen, das da mit der tz-Kolumnistin im Restaurant sitzt. Mit einem erfrischend fröhlichen Lachen und noch erfrischenderen Antworten, wie zum Beispiel auf die Frage, warum sie sich am Anfang und Ende des Buches griechischer Götter bedient?

„Ich hab’ in der S-Bahn eine Griechenland-Werbung gesehen, grad, als ich mir über das Konzept des Buches den Kopf zerbrochen habe. Was sollte ich schreiben? Noch dazu über eine glückliche Scheidung? Und die Götter sind ein schönes Mittel, da kann viel passieren....“

Jetzt kommt also ein Mädel aus dem antiken Griechenland per Göttervater in der neuen Welt an – weiß nix, versteht nix, und soll endlich verstehen...

Es ist ja auch ein Lieblingssatz von Eltern: Du musst verstehen....

Bei Familie Kroetz war das nicht anders. Und viel weiter hat ihr der Papa als berühmter Bühnenautor auch nicht geholfen. „Ich hatte wirklich keine Unterstützung von außen, als ich die Erzählebenen entwickelt hab’. Die Mama hat nur mal dreingelesen.“

Allerdings offenbar nicht, um die Nähe zur Wirklichkeit zu kontrollieren. Denn im Buch ertränkt der Papa seinen Frust im Suff, wird zwischendrin von organisierten Verbrechern verprügelt und wärmt eine alte Liebe wieder auf; während die Mama den Papa zu „Mäusedreck in der Kanalisation“ degradiert. „Die Geschichte ist frei erfunden“, sagt jedenfalls Josephine Kroetz. „Aber man bedient sich natürlich auch dessen, was man kennt. Meine Eltern schreiben ja beide und wissen damit umzugehen.“

Im Buch findet die Tochter Lü einen Märchenprinzen, im wahren Leben trägt sie ihn als Frosch aus Silber nur am Hals. Und wenn es sich Josephine recht überlegt, hat sie als Fünfjährige schon gesagt, dass sie eigentlich nie heiraten will. „Ich gehe davon aus, dass Eheringe die kleinsten Handschellen der Welt sind.“

Dass sie die Eltern abgelegt haben, akzeptiert sie als „Lösung“. Zumal sich der Dramatiker und die Hausfrauenrevoluzzerin inwzischen wieder prächtig verstehen, wie übrigens ein gemeinsamer Besuch am 1. März im Circus Krone auch öffentlich demonstrierte. Glücklich geschieden und doch für immer verbunden.

Man muss eben nicht verstehen, man muss sich als Scheidungskind nur zurechtfinden.

Ulrike Schmidt

Quelle: tz

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