Kronawitter auf der Todesliste!

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Hildegard Kronawitter, die Frau des Münchner Alt-OBs Georg, stand auf der Todesliste der Neonazis

München - Im Zuge der aktuellen Ermittlungen gegen die Terrorzelle aus Zwickau ist unlängst eine Todesliste aufgetaucht. Auf dieser stand auch Hildegard Kronawitter.

In Deutschland konnten sich jahrelang rechte Terroristen ungehindert bewegen und Morde begehen. Im Zuge der aktuellen Ermittlungen gegen die Terrorzelle aus Zwickau ist jetzt eine Todesliste aufgetaucht. Auf dieser stand auch Hildegard Kronawitter, die frühere Erdinger SPD-Landtagsabgeordnete und Frau von Alt-Bürgermeister Georg Kronawitter (83)! 

Die 65-jährige Politikerin traute ihren Augen nicht, als sie diese Woche ein Schreiben des Bayerischen Landeskriminalamtes aus dem Briefkasten holte. Auf zwei Seiten teilt ihr LKA-Präsident Peter Dathe mit, dass ihr Name auf einer Todesliste entdeckt worden sei. Erstellt haben sie Mitglieder einer rechtsextremistischen terroristischen Vereinigung. Die Liste, verteilt auf mehrere Datenträger, stellten Ermittler des Bundeskriminalamtes im Rahmen der Ermittlungen gegen die Terrorvereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) sicher. Die Daten stammen aus den Jahren 2004 bis 2006.

Kronawitter, die in München lebt, aber Mitglied des SPD-Ortsvereins Moosinning ist, vertrat zwischen 1998 und 2008 den Stimmkreis Erding im Landtag. Auf der Todesliste war Kronawitter mit der Adresse des SPD-Bürgerbüros am Hofmarkplatz 4 in Altenerding vermerkt.

„Ich habe keine Angst, aber natürlich ist man erst einmal entsetzt und erschüttert, wenn man einen solchen Brief bekommt“, schildert sie dem Erdinger Anzeiger. Sie kann sich sehr gut vorstellen, warum sie bei den Rechtsextremen ins Visier geraten ist. Kronawitter engagierte sich in besagten Jahren gegen rechte Umtriebe in Dorfen. Immer wieder kam es zu gewalttätigen Aufeinandertreffen von links orientierten jungen Leuten aus dem dortigen Jugendzentrum und Rechten, vor allem Mitgliedern der NPD.

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Die rechte Terrorzelle - Chronologie der Ereignisse in Bildern

Einer der führenden Köpfe seinerzeit: der mehrfach vorbestrafte und knasterfahrene Münchner Neonazi-Führer Norman Bordin. Ebenfalls in Dorfen immer wieder präsent: der mittlerweile weggezogene Chef der nicht mehr existenten „Jungen Offensive Herzogstadt“, Felix Benneckenstein aus Erding. Das Ziel der Rechten: Dorfen sollte eine „National-befreite Zone“ werden. Kronawitter bekannte in dieser brisanten Zeit immer wieder Farbe, beteiligte sich an Gegendemos, einmal konnte sie sogar Alt-OB Hans-Jochen Vogel dafür gewinnen.

„Ich bin damals nie direkt bedroht worden, allerdings wurden immer wieder Schmäh-Briefe an ihr Büro geschickt – in der Regel anonym. „Die habe ich jedes Mal weggeworfen“, erinnert sich Kronawitter, die an der Spitze der Weiße-Rose-Stiftung steht.

Sie erschüttert zweierlei: „Im Verfassungsschutz sind damals nur die Gegendemonstrationen als linke Gewalt aufgeführt worden.“ Auch eine Intervention beim damaligen Innenminister Günther Beckstein habe nichts gebracht. „Viel schlimmer ist für mich aber, dass sich in Deutschland jahrelang eine Terrorzelle bilden und halten konnte, die gezielt Ausländer ermordet hat.“ Dass der Staat nichts gemerkt hat, wundert und ärgert sie massiv.

LKA-Boss Dathe berichtet, dass man noch nicht abschließend sagen könne, was mit dieser Liste bezweckt werden sollte, ob konkrete Anschläge drohten.

Auf der Liste taucht übrigens auch der CSU-Kreisverband Ebersberg mit der Europaabgeordneten Angelika Niebler an der Spitze auf.

Hans Moritz

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