Atelierräume werden platt gemacht

Künstler brauchen neue Bleibe

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Michael Gruber (l.) und Corbinian Böhm suchen verzweifelt neue Räume für die rund 30 Künstler.

München - München hat keinen Platz für Kunst! Dieses Gefühl beschleicht zur Zeit die beiden Künstler Corbinian Böhm und Michael Gruber, Betreiber der Empfangshalle.

Auf einer Fläche von 750 Quadratmetern vermieten sie in der Katharina-von-Bora-Straße günstige Atelierräume an mehr als 30 Münchner Künstler. Im Dezember endet der Mietvertrag – die Künstler stehen dann auf der Straße!

Grund: Im Winter werden die Räumlichkeiten im ehemaligen Heizkraftwerk der Stadtwerke platt gemacht und Wohngebäude entstehen! Bis jetzt haben Böhm und Gruber noch keine neuen Räume für ihre Kreativgemeinschaft gefunden. Auf’s Land wollen sie nicht. „Wir müssen am Puls der Zeit sein. In München hat der Wohnungsbau Vorrang, aber trotzdem darf die Kunst doch nicht komplett geopfert werden“, meint Böhm. Er mache der Stadt trotzdem keine Vorwürfe, das Kulturreferat und die Stadtwerke hätten immer ein offenes Ohr für die Künstler. „Die Raumsituation ist halt das Problem“, klagt er. Das haben die beiden Geschäftspartner in den vergangenen Jahren immer wieder zu spüren bekommen!

1999 müssen sie ihren ersten Standort verlassen. Das damalige Zugausbesserungswerk (Hackerbrücke) wird abgerissen, der Arnulfpark entsteht. 2003 dann der nächste Rausschmiss: Ein Schuppen im Glockenbachviertel ohne Heizung und ohne Sanitäranlagen wird zum zur Künstler-Herberge. Plötzlich meldet der Vermieter Eigenbedarf an. Das gleiche Spiel im August 2013: Die Empfangshalle ist im SWM-Umspannwerk am Elisabethplatz heimisch geworden, landet ebenfalls vor der Türe und zieht ins ehemalige Heizkraftwerk. Doch auch hier dürfen die Künstler nicht glücklich werden!

Auch die Speisung ist in Gefahr.

Funda Özcan (30) nutzt das Angebot der Empfangshalle schon seit vielen Jahren. Auch sie leidet unter der momentanen Situation. „Wir sind eine große Familie. Der Gemeinschaftsgedanke steht über allem. Darum tut es uns weh zu sehen, wie Corbinian und Michael immer wieder bei der Suche nach passenden Atelier-Räumen enttäuscht werden“, sagt sie. Alle zwei Wochen kocht ein Künstler für die komplette Kreativgemeinschaft. Heute ist Funda an der Reihe. Es gibt türkische Köfte. Wenn sich keine neuen Räume finden, gibt es hier in naher Zukunft auch die sogenannte Künstlerspeisung nicht mehr. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt...

Manuel Bonke

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