Feldjäger ringen ihn zu Boden

Künstler stört Appell der Bundeswehr

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Rabiates Vorgehen? Diese Bilder stellte Wangerin  zur Verfügung, um seine Version der Geschichte zu unterstreichen.

München - 443 Offizieranwärter der Bundeswehr-Universität Neubiberg sind vor der Kulisse von Schloss Nymphenburg in den ersten Offizierdienstgrad befördert worden. Für Aufsehen sorgte ein Störenfried.

„Das Schloss Nymphenburg ist ein würdiger Rahmen für die emotional wichtigste Beförderung innerhalb der Offizierlaufbahn“, sagte Merith Niehuss, Präsidentin der Universität. Die Veranstaltung fand zum ersten Mal dort statt. Zunächst war zu dem sogenannten Beförderungsappell von 11 bis 12.15 Uhr, bei dem den Anwärtern der Rang des Leutnants beziehungsweise des Leutnants zur See verliehen wird, öffentlich geladen worden. Kurzfristig habe man sich nach Angaben eines Polizeisprechers jedoch entschieden, den Appell zu einer geschlossenen Veranstaltung zu machen. Das „Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus“ und das „Münchner Friedensbündnis“ hatten – wie berichtet – im Vorfeld angekündigt, die Feierlichkeiten stören zu wollen. Etwa 30 Teilnehmer waren gekommen, die am Rande der Veranstaltung Plakate in die Höhe hielten, auf denen unter anderem „Keine Kröten fürs Töten“ stand.

Salutierte in Gauck-Maske: Günter Wangerin.

Für Aufsehen sorgte der Maler und Maskenbildner Günter Wangerin. „Ich bin kein Freund der Bundeswehr und diesem Tschinderassa Bummbumm“, sagte der Münchner. Mit einer Kunstaktion wollte er die Veranstaltung stören. Er habe nicht gewusst, dass diese nur noch für geladene Gäste war. Wangerin war nicht geladen, gelangte jedoch ohne Probleme in die Reihen der etwa 2000 Zuschauer. Als das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr Garmisch-Partenkirchen eine Pause einlegte, sah der fast 70-jährige Künstler seine Chance: Er stieg auf sein mitgebrachtes Schemelchen, eine selbstgefertigte Maske von Bundespräsident Gauck über dem Kopf und ein Eisernes Kreuz um den Hals, und rief „Habt Acht.“ „Sofort stürzten sich zwei Feldjäger auf mich und stießen mich ohne Vorwarnung zu Boden“, berichtete Wangerin. „Sie drehten mir die Arme auf den Rücken, verdrehten meinen Kopf und führten mich in Handschellen ab. Ein Wunder, dass ich mir nichts gebrochen habe.“ Die Polizei konnte am Sonntag lediglich bestätigen, dass Wangerin wegen Hausfriedensbruchs angezeigt wurde, da die Bundeswehr Hausrecht hatte. Die Bundeswehr selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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