Arzt in München vor Gericht

Künstliche Befruchtung gescheitert: Paar klagt

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Künstliche Befruchtung einer Eizelle unter dem Mikroskop.

München - Die Frau ist der Ansicht, der Mediziner hätte einen Teil ihrer Eizellen einfrieren müssen, um einen weiteren Versuch zu ermöglichen. Doch die Chancen der 43-Jährigen stehen schlecht.

Ein Kind war der sehnliche Wunsch von Sabine M. (43, Name geändert) und ihrem Partner. Weil eine Schwangerschaft auf normalen Wege nicht möglich war, entschieden sie sich vor drei Jahren für die künstliche Befruchtung - erfolglos. Jetzt streitet das Paar vor Gericht mit dem Arzt. Ihr Vorwurf: Der Mediziner habe nicht wie vereinbart einen Teil der befruchteten Eizellen eingefroren - und so die letzte Chance des Paares auf Nachwuchs vertan. Doch ihre Aussichten, den Prozess zu gewinnen, sind schlecht.

Es war am Donnerstag bereits das zweite Mal, dass sich die Parteien vor Gericht begegnen. In der ersten Instanz vor dem Landgericht München I hat Sabine M. verloren. Demnach müsste sie offene Behandlungskosten von 2300 Euro zahlen und bekäme weder Schmerzensgeld noch Schadensersatz. Gegen diese Entscheidung wehrt sich Sabine M., die sich als Anwältin selbst vertritt, nun in der Berufung vor dem Oberlandesgericht.

Die damals 40-jährige Patientin und ihr Partner hatten sich für eine Methode entschieden, bei der Eizellen entnommen und gezielt mit Spermien befruchtet werden. Bei sechs Eizellen gelang diese Befruchtung außerhalb des Körpers, schilderte der Arzt am Donnerstag vor Gericht. Er habe dann dem Gesetz nach bereits am ersten Tag nach der Befruchtung entscheiden müssen, ob er einen Teil der Zellen für eine spätere Verwendung einfriert.

Der Mediziner entschied sich dagegen und kultivierte nach seinen Angaben alle Eizellen weiter - denn der Erfahrung nach entwickeln sich nicht alle befruchteten Zellen so gut weiter, dass sie tatsächlich in die Gebärmutter eingepflanzt werden können. „Von den sechs Eizellen haben sich dann innerhalb von zwei Tagen zwei Eizellen weiterentwickelt, die anderen vier sind auf einem nicht mehr entwicklungsfähigen Zustand stehengeblieben.“ Dies entspreche der medizinischen Erfahrung bei Patientinnen im Alter von 40 Jahren. Die vier unbrauchbaren Eizellen habe er dann „verworfen“, also vernichtet.

Das Problem aus Sicht von Sabine M.: Dieser Vorgang ist offenbar nicht dokumentiert worden. „Ich bezweifle, dass es wirklich so gelaufen ist.“ Es sei nicht erkennbar, wann und warum der Arzt die Eizellen verworfen habe. Mit ihr sei besprochen gewesen, dass die nicht benötigten Zellen eingefroren werden, darüber gebe es auch einen Vertrag: „Ich wusste, dass ich für eine Schwangerschaft schon alt bin, und wenn wir eingefroren hätten, wäre vielleicht noch ein Kind möglich gewesen.“

Dem widersprach ein medizinischer Sachverständiger: „Im konkreten Fall hätte das Einfrieren zu keinem anderen Ergebnis geführt.“ Das Vorgehen des Arztes entspreche der gängigen Praxis. Ein Vertrag über das Einfrieren werde vorsorglich geschlossen und bedeute keine Verpflichtung. Er räumte allerdings ein, dass sämtliche ärztlichen Entscheidungen genau dokumentiert werden sollten. Eine rechtliche Pflicht dazu gebe es aber nicht.

Eine Entscheidung steht noch aus. Die Vorsitzende Richterin deutete allerdings an, dass die Chancen für Sabine M. schlecht stehen. Die 43-Jährige, die bis heute kein Kind hat, will nun aber noch schriftlich Stellung nehmen zur Aussage des Sachverständigen. „Vier befruchtete Eizellen sind verschwunden, das ist für mich ein großer Schaden“, sagte sie. „Ich habe ein Recht auf meinen Körper. Ich hätte informiert werden müssen.“

Ann-Kathrin Gerke

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