Noch 47-Party Nächte

Kultfabrik: Die Clubs bleiben, diese gehen

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Die Kultfabrik.

München - Die 90.000 Quadratmeter Feier-Meile im Osten Münchens gehört zu den größten in Europa. Im neuen Jahr ist dann Schluss. Die tz zeigt, was bleibt und kommt.

Update vom 5. Dezember 2016: Wissen Sie schon, wo Sie Silvester verbringen wollen? Wir zeigen Ihnen die Partys und Veranstaltungen in München zu Silvester 2016/2017.

Grafik zur Kultfabrik.

Ende Gelände: Noch 47 Party-Nächte, dann ist das Ausgeh-Quartier hinter dem Ostbahnhof Münchner Nightlife-Geschichte. Was 1996 von Wolfgang Nöth und Mathias Scheffel als Nachfolge-Projekt ihrer Abflughallen Riem als Kunstpark Ost begann und 2004 von Pfanni-Erbe Werner Eckart als Kultfabrik weitergeführt wurde, findet am Neujahrs-Morgen um 3 Uhr nach knapp 20 Jahren mit einem großen Feuerwerk sein Finale. Zumindest in der jetzigen Form. Denn aus der Kultfabrik und benachbarten Liegenschaften, darunter das östlich angrenzende Areal auf dem Optimolwerk, erwächst künftig das Werksviertel. Ein neuer Stadtteil mit Wohnungen, Büros, Geschäften, Ateliers – aber auch Nightlife. Das soll ab nächsten Frühjahr vor allem im Werk 3 seine Heimat finden.

„Lifestyle Gastronomie“, nennt Markus Wiegand, der Pressesprecher der an der Entwicklung des Werksviertels beteiligten Otec KG die Zielrichtung. Darunter sind auch einige bekannte Clubs und Bars der Noch-Kultfabrik wie Eddy’s Rockclub, Americanos oder New York Table Dance. Die sind derzeit noch teilweise im Werk 1 untergebracht, das erst Ende 2016 saniert und erweitert werden und künftig die vom Freistaat Bayern unterstützte Gründer-Szene beheimaten wird.

Die neuen Pläne für das Gelände der Kultfabrik.

Vom unmittelbaren Aus am Ende des Jahres betroffen sind derweil hauptsächlich Clubs und Bars wie Roses, 11er, Rafael, Pop-up Club, Herzglut oder der Q-Club, der größten Diskothek auf dem Areal. Deren bisherige Heimat Werk 2 wird Anfang 2016 abgerissen und dient als Vorbereitungsbaustelle für ein neues 4-Sterne Hotel nebst Youth Hostel, eventuell aber auch als potenzieller Standort für den viel diskutierten neuen Münchner Konzertsaal.

Auch wenn viele Locations nicht unmittelbar von der Schließung betroffen sind, markiert der Silvester-Abend eine Zäsur: Der Name Kultfabrik wird verschwinden und der bisherige Eingang an der Grafingerstraße 6, der künftig als Baustellenzufahrt dient, wird an die Friedenstraße verlegt. „Herzschlag“ nennt die Kultfabrik ihre letzten Tage. Was bleibt, was geht, was kommt? Die wichtigsten Clubs, Bars und Locations in der Übersicht.

Im Optimol geht’s weiter

Nachdem Wolfgang Nöth und Mathias Scheffel der Mietvertrag ihres Kunstparks im Januar 2003 gekündigt wurde, machten sie kurz darauf neben an, auf dem Gelände der Schmierstofffabrik Optimol mit ähnlichem Konzept weiter. Auch das soll mal Bestandteil des neuen Stadtteils Werksviertel sein. „Aber derzeit betrifft der Umbau das Optimolgelände noch nicht“, sagt Mathias Scheffel. „Wir bemühen uns gerade um eine behördliche Verlängerung über das Jahresende hinaus, das ist auch im Interesse unsere Mieter.“ Acht Clubs residieren derzeit im Optimol.

Technikum

Die neueste Veranstaltungshalle der Kultfabrik für mittelgroße Events von Kabarett bis Live-Musik oder Firmenfeiern wurde erst im Vorjahr eröffnet und bleibt auch nach dem Ende der Kultfabrik bestehen. Der Raum hat Industriegeschichte geschrieben, hier wurden einst die Pfanni-Knödel-Rezepte in einem Labor entwickelt.

New York Table Dance

Behauptet von sich, der größte Table-Dance-Club des Kontinents zu sein, und das bereits seit Kultfabrik-Zeiten. Hier gibt’s nicht nur für Männer phantasieanregende Akrobatik an der Stange und mit Vertikaltuch. Dank gut gebauter Jungs kommen auch die Mädels auf ihre Kosten. Soll ab Frühjahr ins Werk 3 umziehen.

11er

„Wie zu Hause, nur lauter“ lautet das Motto des 11er, der Nachfahre des einstigen „Appartement 11“, das wiederum die legendäre Milchbar des Kunstparks abgelöst hatte. Die Location war Sprungbrett für die bisherigen Betreiber: die Milchbar-Chefs Jakob und Florian Faltenbacher (Cavos, Kalypso) starten hier genauso wie Appartment-11 Betreiber Stefan Sumper, der mittlerweile zu den Großveranstaltern der Stadt (u.a. „Isle of Summer“) zählt und auch am High Jinx beteiligt ist. Sein Konzept eines stylischen House-Schuppens mit hochkarätigen DJs hat er der Kultfabrik hinterlassen. Aber nur bis Jahresende, dann wird das 11er abgerissen. Es wird ein lauter und trauriger Abschied.

Q-Club

Der Q-Club.

War mal einer der größten Clubs der Stadt, ging dann Pleite und wird seit dem Vorjahr von den Machern der Großclubs Neuraum und Nachtgalerie betrieben. Dank der Größe gibt’s diverse Bereiche von Aqua- bis VIP-Lounge, geöffnet nur Samstag, und nur noch bis 31. Dezember. Dann ist der Q-Club Münchner Partygänger-Geschichte. Und zwar eine große!

Willenlos

Eine Schlange vor dem Willenlos

In dem wohl angesagtesten Venue der Kultfabrik wird an sechs Tagen die Woche ab 22 Uhr tatsächlich willenlos bis atemlos gefeiert. Günstige Cocktailpreise (Spezialpreise ab 4,50 Euro) tun ihr übriges, dazu legt der DJ mixed Partysound und Clubtunes auf. Auch hier ist an Silvester noch nicht Schluss, ähnlich wie beim Living 4 gibt es Gespräche um einen Umzug ins Werk 12.

Tonhalle

Die Tonhalle

Die Multifunktionshalle für bis zu 2000 Besucher für Konzerte, Messen oder Flohmärkte ist die größte Veranstaltungshalle des Geländes. Hier spielten bereits Größen wie Kevin Costner und Iggy Pop. Hier feierten Football-Fans alljährlich den Superbowl. Die Tonhalle bleibt, nächstes Jahr soll allerdings der Eingang an die Rückseite verlegt und der Backstage-Bereich komplett neu gestaltet werden.

Living 4

Ein Mix aus Cocktailbar, Club und Shisha-Lounge. Davor eine schnuckelige Außen-Bar für jede Jahreszeit. Alles zusammen ein Wohnzimmer samt Terrasse zum ausgelassenen Feiern. Dort geht es erstmal auch im neuen Jahr weiter, es gibt Gespräche über die Ansiedlung im neuen Werk 12.

Titty Twister

Wahrscheinlich der wildeste Club des Geländes, der auch in der Einrichtung mit Skeletten und Totenköpfen durchaus erkennbar dem Splatter-Kultfilm „From Dusk Till Dawn“ gewidmet wurde. Dort feierten bereits Tito & Tarantula nach ihrem München Gig. Den Untoten dürfte das letzte Stündchen allerdings an Silvester schlagen.

Nachtkantine

Der Klassiker, und neben dem New York Table Dance der einzige Laden, den es unter gleichem Namen – allerdings unter anderer Führung – sowohl im Kunstpark als auch in der Kultfabrik gab. Tagsüber Anlaufstelle als Restaurant und Café für die Kreativen der Kultfabrik, nachts Futterkrippe für hungrige Partygänger, Bar, Lounge und Live-Bühne. Bleibt auch im künftigen Werksviertel.

Kölschbar

Der Name ist Programm. Kölsch und Kölner-Hits von BAP bis Brings für rheinische Frohnaturen. In dieser kleinen Bar ist das ganze Jahr Karneval. Nach dem Motto „Da simma dabei, dat is prima, viva Kolonia“ schunkeln hier Rheinländer und spaßfreudige Bayern gleichermaßen von Mittwoch bis Samstag ab 21 Uhr. Die Zukunft ungewiss. Vielleicht ist an Silvester alles vorbei.

Thomas Osswald

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