Kultkneipe dicht: Servus, Schwabinger 7

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So kämpften 250 Demonstranten Ende Mai für den Erhalt der Kultkneipe und gegen Luxusbauten in München.

München - Lange wurde gekämpft, doch alle Mühe war umsonst. Die Kultkneipe "Schwabinger 7" hatte am Dienstag zum letzten Mal geöffnet. Am Freitag macht die neue "Schwabinger 7" auf.

Die abgewetzten Tische und Stühle sind weg, nur die Theke steht noch da. Monatelang hatten die Anhänger um den Erhalt der Traditonskneipe gekämpft – vergeblich. Der letzte Abend in der Schwabinger 7: Am Dienstag sagte München servus!

Ein paar Stunden vor dem endgültigen Abschied fuhr Wirt Max Maier mit dem Lkw alte Möbel und Holz aus der Schwabinger 7 zum Sperrmüll. Am Abend machte er in seiner Kultkneipe endgültig das letzte Fass auf. „Die Kneipe ist jetzt so leer – das tut schon ein bisserl weh“, sagt der 50-Jährige, der 1983 als Student in der Schwabinger 7 zu jobben begann. Ende Juni laufen die Mietverträge auf dem Grundstück Feilitzschstraße 7-9 aus. Neben der Kultkneipe müssen auch das Monopol-Kino sowie Geschäfte und Restaurants ausziehen. Schon im Juli sollen die Bagger anrücken und auf dem 1700-Quadratmeter-Grundstück Platz für ein exklusives Wohn- und Geschäftshaus machen. Die Hamburgische Immobilien Handlung (HIH) plant 35 Luxuswohnungen (Gesamtfläche: 4700 Quadratmeter), dazu 550 Quadratmeter für Einzelhandel im Erdgeschoss samt Tiefgarage. Kosten: 37 Millionen Euro!

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Zwei Monate lang hatte die Bürgerinitiative Rettet die Münchner Freiheit um den Erhalt des Anwesens gekämpft – vergeblich. „Auch wenn die Schwabinger 7 keine Chance mehr hat – vielleicht hilft die Kampagne, künftig ähnliche Projekte zu verhindern“, sagt Initiator Markus Okur. Zwar haben Anwohner einen Anwalt engagiert, der Verfahrensfehler gefunden haben will; in drei Wochen soll die Entscheidung fallen, ob der Neubau gestoppt wird. Doch daran glaubt keiner. „Da wird sich nix mehr tun – die alte Schwabinger 7 ist Vergangenheit“, erklärt Wirt Max Maier.

Bei der Abschlusskundgebung am Dienstagabend traten Künstler im Forum Münchner Freiheit auf, dann zog ein Lichterzug bis zur Feilitzsch­straße 7-9. Ein letztes Mal wurde in der Schwabinger 7 und in Mamas Kebab Haus gefeiert. Max Maier hatte mit seiner alten Kneipe längst abgeschlossen: „Die Veranstaltung am Dienstag interessierte mich gar nicht mehr. Ich hatte meinen Abschied am Samstag.“ Schon am Freitag eröffnet er die neue Schwabinger 7 – ein paar Meter weiter in der Hausnummer 15.

Christina Schmelzer

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