Gegen Antisemitismus und Rassismus

München demonstriert gemeinsam gegen den Hass

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Gegen jede Form von Hass und Gewalt, für den Frieden: Teilnehmer der Demo in München.

München - Es war ein leises, ein ernstes Zusammenkommen – und das, obwohl der Platz der Opfer des Nationalsozialismus am frühen Dienstagabend so voll war, wie sonst nie. Über 600 Bürger – Juden wie Nichtjuden – versammelten sich unter dem Denkmal der ewigen Flamme in München: gemeinsam gegen den Hass.

Unter dem Motto „Wehret den Anfängen!“ hatte die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern zur Kundgebung aufgerufen. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Kirchen waren anwesend und hörten die Reden von IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, Kultusminister Ludwig Spaenle (beide CSU), von Weihbischof Wolfgang Bischof oder der evangelischen Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. OB Dieter Reiter (SPD) entschuldigte sich wegen einer unaufschiebbaren Zahnoperation, forderte aber angesichts der gegenwärtigen „unerträglichen Zunahme antijüdischer Ressentiments in Deutschland“ zu Zivilcourage gegen jede Form des Antisemitismus und Rassismus auf.

Charlotte Knobloch.

Auch Charlotte Knobloch warnte die Bürger, das Land nicht dem radikalen Mob auf der Straße zu überlassen. Weihbischof Wolfgang Bischof betonte: „Wo wir zulassen, dass Achtung und unbedingter Respekt vor der uneingeschränkten Würde des Menschen missachtet werden, da geben wir die Grundlage unseres Staates auf.“ Er schloss sich dem Appell von Papst Franziskus an: „Haltet endlich ein und habt den Mut zum Frieden!“
Wo bleibt der Aufschrei?

"Wir Juden haben geglaubt, vertraut, auf die Zukunft jüdischen Lebens in unserem Land gebaut. Doch die jüngsten Ereignisse rütteln an dieser Überzeugung. Der Nahost-Konflikt dient als Vorwand, um Judenhass voll auszuleben. Der neue alte Hass – er ist da. Wir Juden erwarten, dass unsere Gesellschaft diesen Hass nicht toleriert. Mich schmerzt der ausbleibende Aufschrei des Volkes, dessen Beistand wir vermissen."

Charlotte Knobloch (81), Präsidentin der IKG, München

Nicht „den Juden“ die Schuld geben

"Alle, die mit ernsthaften Argumenten für eine Zweistaatenlösung im Nahen Osten demonstrieren, bitte ich, sich von jenen zu distanzieren, die solche Demonstrationen nutzen, um wieder „den Juden“ alle Schuld zu geben. Der Dialog über Wege zum Frieden darf nicht abreißen!"

Susanne Breit-Keßler (60), evangelische Regionalbischöfin München

Meine Kinder und ich haben Angst

"Ich komme aus Israel und lebe seit meinem fünften Lebensjahr in München. Ich habe zwei Kinder - und das ist der Grund, warum ich hier bin: weil meine Kinder sich deutsch fühlen, Deutsche sind. Die Situation heute macht mir Angst, macht meinen Kindern Angst, und bei allem, was in den letzten Jahren vorgefallen ist – so weit wie heute ist es noch nie gekommen."

Talia Presser (43), IKG-Mitglied, München

Ich kämpfe gegen Antisemitismus

"Ich bin hier, weil wir gegen Antisemitismus und Rassismus kämpfen müssen. Als Publizist und Regisseur widme ich mich Filmen über Juden in Deutschland, um die junge Generation anzusprechen. Die Anti-Israel-Demos und -Anschläge, die gerade passieren, sind beängstigend. Die ganze deutsche Bevölkerung, Juden und Nichtjuden, muss etwas dagegen tun!"

Emanuel Rund (68), Regisseur, München

tz

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