Kunst-Unfall: Möbel vermöbelt diesen Mann

Eric Schläger zeigt seine Wunde direkt nach dem kuriosen Unfall. „Mit acht Stichen wurde ich genäht. Die Wunde ist zwar gut verheilt – aber eine große Narbe quer über die Stirn wird mir bleiben“

München - Eric Schläger (53) hat im Gartenhaus der Akademie am Siegestor ein Kunstojekt für einen Stuhl gehalten und sich darauf gesetzt - mit schweren Folgen. Jetzt klagt er.

Einen gestandenen Mann haut so schnell nichts um. Von wegen! Ein kleiner Stuhl holt aus und versetzt seinem „Be-Sitzer“ einen kräftigen Schlag. Das Ergebnis: eine stark blutendene Kopfwunde, die im Krankenhaus mit acht Stichen genäht werden musste. Aber wie kommt’s, dass sich ein harmlos anmutender Stuhl als solche Kampfmaschine entpuppt?

Von vorne: „Möbelstücke, die auf ironische Weise ihre eigenen Grenzen hinterfragen“ – so beschreibt die Kunstakademie der Bildenden Künste ihre Ausstellung Moebilitar, die vom 16. bis 24. Juli stattfand. „Da müssen wir hin“, dachten sich Eric Schläger (53) und seine Partnerin. Gleich am 17. Juli gingen die beiden ins Gartenhaus der Akademie am Siegestor.

Nicht zum Sitzen, nur zum Anschauen: Der "Kipper"-Kunststuhl, der um sich schlägt

„Beim Herumlaufen wurde es mir nachmittags ein bisserl fad“, sagt der Lichtgestalter aus München. „Ich suchte nach einem Stuhl, um mich kurz hinzusetzen und auszuruhen.“ Er nimmt Platz: Im gleichen Moment kippt die Lehne nach hinten – und er gleich mit. „Um den Sturz abzubremsen, versuchte ich noch, mich auf die Seite abzurollen“, erinnert sich Schläger. Doch da schlägt der Stuhl zurück! Das Metallgewicht an der unteren Seite des Stuhls wird durch das Ungleichgewicht nach oben geschleudert – und haut Schläger mit voller Wucht vor die Stirn. „Es fing sofort stark zu bluten an, Blut rann mir übers rechte Auge herunter.“

Der „Täter“: kein gewöhnlicher Stuhl, sondern ein Kunstobjekt mit dem treffenden Namen Kipper. Benjamin Ulmschneider, der Künstler, beschreibt auf seiner Homepage seine eigenwillige Stuhl-Kreation als „eine permanente Herausforderung für seinen Be-Sitzer. Seine Unzuverlässigkeit garantiert konstante Anspannung. Eigeninitiative und ein ausgepräger Gleichgewichtssinn werden beim Be-Sitzen grundsätzlich vorausgesetzt.“

Leider war diese Beschreibung nicht am Stuhl befestigt; und auch sonst kein Hinweis, dass es sich um Kunst statt Stuhl handelt. „Ich war die ganze Zeit vor Ort. Ausgerechnet in dem Moment, als sich Herr Schläger hinsetzte, war ich zu Mittag“, gibt sich der Künstler zerknirscht. Das „Opfer“ hat sich jetzt einen Anwalt genommen und fordert von der Kunstakademie Schadensersatz und Schmerzensgeld. „Auch wenn es Kunst ist, muss doch auf eine solche Gefahr hingeweisen werden“, fordert Schläger. Die Antwort der Kunstakademie steht noch aus. Auch für die tz war am Dienstag niemand erreichbar.

Ramona Linter

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