Kopernikus-Werk von 1569

Kunsträuber verschandeln 75.000-Euro-Buch

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Elisabeth Zum-Bruch (LKA-Kunstfahndung) präsentiert das Werk von Kopernikus, in dem herumradiert und getuscht wurde.

München - Stümperhaft und respektlos sind die Kunsträuber des spektakulären Bücher-Klaus in Neapel vorgegangen. Drahtzieher war ausgerechnet der damalige Bibliotheks-Direktor.

Es wirkt wie ein von Kinderhand hingekritzeltes Tusche-Gitter auf der Aufschlagseite der kostbaren Ausgabe des Werkes De revolutionibus orbium coelestium des großen Wissenschaftlers Nikolaus Kopernikus aus dem Jahr 1569. Auf derart stümperhafte Weise versuchten die Diebe, die Herkunftskennzeichnung des 75.000 Euro teuren Buches zu entfernen und rissen dabei ein Loch in das 445 Jahre alte Papier. Es offenbart die ganze Respektlosigkeit, mit der die italienischen und deutschen Bibliotheks-Plünderer vorgingen. Am Freitag übergaben hochrangige Vertreter der Münchner Justiz und des LKA 613 gestohlene Bücher aus der neapolitanischen Biblioteca dei Girolamini einer eigens angereisten Abordnung ihrer italienischen Amts-Kollegen.

4000 Werke der Wissenschaftsgeschichte von Kopernikus, Galileo Galilei, Isaac Newton, Johannes Kepler und vielen anderen großen Geistern, die die Weltsicht der Menschheit veränderten, verschwanden in den Jahren 2011 und 2012 aus der ältesten Bibliothek Neapels. Drahtzieher war der damalige Bibliotheks-Direktor Massimo Marino de Caro, der rund 4000 Bücher im Wert von 19 Millionen Euro verscherbelte – unter anderem 613 Bände an einen Münchner Auktionator. Der zahlte 900.000 Euro und deklarierte die Bücher mit falschen Papieren als Nachlass. Kurz vor der Auktion beschlagnahmten die Kunstfahnder des LKA zunächst 542 Bücher. Weitere 71 versteckte der Auktionator heimlich in seinem Büro. Doch auch die fand die Polizei rechtzeitig. Weitere 2000 Bücher wurden in Italien wiedergefunden – unter anderem in Verona.

Sorgfältig verpackt und klimatisiert flogen die Bücher am Freitag nach Rom. Dort bleiben sie, bis das Chaos in der Biblioteca dei Girolamini beseitigt ist und die Schätze der Wissenschaft bald wieder sicher sind.  

Dorita Plange

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