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Kurierdienst-Chef soll kiloweise Goldbarren gestohlen haben

Gut gelaunt vor Gericht: Erwin S. gestern in der Verhandlung. Foto: ebu

München - Rund 700.000 Euro Schaden soll der Geschäftsführer eines Kurierdienstes seinen Kunden zugefügt haben. Er bestreitet die Vorwürfe vor Gericht und schiebt Schuld auf Unbekannten.

Als Geschäftsführer eines Münchner Kurierdienstes hatte der frühere Gebrauchtwagenhändler Erwin S. seinen Kunden versprochen, ihre Waren sicher zu transportieren. Zwei Jahre lang ging das offenbar gut. 2010 jedoch soll der hoch verschuldete Mann drei Mal Wert- und Geldsäcke entwendet haben. Der Schaden: Gut 700 000 Euro. Bis heute ist der Inhalt der Säcke - Bares, Goldbarren, Schmuck und Uhren - verschwunden.

Seit Montag hat sich Erwin S. wegen veruntreuender Unterschlagung vor dem Landgericht München zu verantworten. Dem 54 Jahre alten Kaufmann drohen mehrere Jahre Haft. Mit zwei Fällen, in denen so genannte Safepacks verschwanden, habe er nichts zu tun, sagt Erwin S. Nur in einem Fall will er ein paar Pakete an sich genommen haben.

Zum ersten Mal soll Erwin S. am 26. Januar 2010 lange Finger gemacht haben. Gegen 9.30 Uhr soll er dem Fahrer einer Ulmer Kurierdienst-Firma, für die er als Subunternehmer arbeitete, auf seinem Firmengelände beim Ausladen der Wertsäcke geholfen haben. Dabei soll er einen roten, verplombten Sack mit zehn Safepacks an sich genommen haben. Darin befanden sich Münzen und Schmuck im Wert von 32 000 Euro.

Später hat Erwin S. versucht, einen Teil der Beute weiter zu verkaufen. Weil es dafür konkrete Anhaltspunkte gibt, hat er dies auch gestanden. Allerdings, so sagt er, habe er den Wertsack nicht selbst gestohlen, sondern ihn zufällig auf dem Gelände eines benachbarten Minigolf-Platzes gefunden. Nachdem er bemerkt hatte, dass ein Sack fehlte, habe er sich daran erinnert, dass ein Mann an jenem Tag auf dem Gelände mit einer Schneefräse unterwegs gewesen sei. Dieser müsse den Sack geklaut und am Minigolfplatz neben dem Langwieder See deponiert haben. Nachdem er selbst die Beute gefunden habe und schon einige Päckchen aus dem Sack fehlten, erklärt Erwin S., habe er sich eben bedient.

Mit den anderen Diebstählen habe er gar nicht zu tun, beteuert Erwin S. Das jedoch sieht die Staatsanwaltschaft anders. Für sie kommt nur der Geschäftsführer selbst als Täter in Frage. Demnach soll Erwin S. am 1. Februar einen Geldsack, in dem sich Wertgegenstände für fast 50 000 Euro befanden, an sich genommen und dem Kurierfahrer einfach einen anderen Sack mitgegeben haben. Das Geld hatte die Kreis- und Stadtsparkkasse Erding an die Bayerische Landesbank in Nürnberg verschickt.

Der größte Schaden entstand am 30. April vergangenen Jahres. An jenem Tag verschwand in den Morgenstunden einer von zwei angelieferten Wertsäcken. Der Inhalt: kiloweise Goldbarren der Bayerischen Landesbank in Nürnberg und hochkarätige Uhren verschiedener Juweliere aus ganz Deutschland. Der Gesamtwert: mehr als 620 000 Euro.

Am selben Tag nahm die Polizei Erwin S. in seinem Geschäftsgebäude fest. Seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Die Beute ist bisher nicht wieder aufgetaucht. In den Wohn- und den Geschäftsräumen von Erwin S. fanden die Ermittler nichts. Der Prozess dauert an. Fünf weitere Verhandlungstage hat das Landgericht dafür terminiert.

Bettina Link

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