Tragisch, tierisch und kurios: Die Bilanz der Münchner Feuerwehr

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Was „Michel aus Lönneberga“ kann, kann ich schon lange, dachte sich ein Bub aus Eching und stülpte sich einen Kochtopf über den Kopf.

München - Knapp 69 500 Mal ist die Münchner Berufsfeuerwehr im vergangenen Jahr ausgerückt. Gebrannt hat es jedoch nur bei 1768 Einsätzen. Die Helfer werden zunehmend für andere Rettungsdienste gerufen.

Für jeden einzelnen Betroffenen ist ein Brand ohne Zweifel ein einschneidenes Erlebnis. Der Blickwinkel von Wolfgang Schäuble ist ein anderer: „2010 war ein Jahr mit wenigen großen Einsätzen für eine Stadt mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern“, bilanziert der Chef der Münchner Feuerwehr.

Die dramatischsten Einsätze

Dramatische Einsätze der Münchner Feuerwehr

4269 Mal rückte die Feuerwehr wegen Brandalarmen aus. Doch nur bei etwa vier von zehn Fällen brannte es tatsächlich. Häufig werden Brandmeldeanlagen wegen anderen Gründen ausgelöst, zum Beispiel durch Bauarbeiten. Fünf Personen starben 2010 durch Brände, 348 Menschen retteten die Löschtrupps aus brennenden Gebäuden. 204 davon waren verletzt, wobei der überwiegende Anteil lediglich leichtere Rauchvergiftungen hatte.

Im Einsatz verletzt haben sich letztes Jahr 47 Feuerwehrleute – bei ihnen waren es überwiegend leichte Verstauchungen oder Schnittwunden. Einzig ein 55-jähriger Feuerwehrmann hatte sich am 30. Juli sehr schwer verletzt. Er war bei einem Einsatz im Dunkeln mehrere Meter tief in einen Schacht gestürzt und hatte sich an Wirbelsäule und Becken verletzt. Nach Klinik und Reha ist er erst seit wenigen Tagen wieder im Dienst.

Kuriose Fälle bei der Münchner Feuerwehr

Die kuriosesten Einsätze der Münchner Feuerwehr

Der Kampf gegen Flammen ist der gefährlichste Teil für die rund 1650 Beschäftigten bei der Berufsfeuerwehr. Technische Hilfeleistungen zum Beispiel bei Unfällen (18 747 Einsätze) sowie notärztliche Rettungsdienste sind jedoch deutlich häufiger. Besonders letztere nahmen mit 46 471 Einsätzen um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Die Gründe dafür sind laut Schäuble unterschiedlich: Seit Anfang 2010 ist die Feuerwehr mit einem Assistenten bei allen Flügen des Rettungshubschraubers Christoph 1 dabei. Außerdem wachse die Bevölkerung in München stark an. Dazu kam der Ökumenische Kirchentag als einmalige Massenveranstaltung.

Einen großen Beitrag zur Sicherheit haben auch wieder die rund 800 Frauen und Männer der 21 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr geleistet – auch wenn deren Einsätze mit knapp 1500 um ein Viertel weniger geworden sind. „Dies lag daran, dass München im vergangenen Jahr kaum von Unwettern betroffen war“, erklärt Rupert Saller, Chef der ehrenamtlichen Helfer.

Tierische Einsätze der Münchner Feuerwehr

Tierische Einsätze bei der Münchner Feuerwehr

Als besonders außergewöhnlichen Einsatz nannte Wolfgang Schäuble bei der Jahresbilanz den Großbrand am Weißenburger Platz am 10. März 2010: „Die Löscharbeiten waren gefährlich und sehr aufwändig.“ Der Dachstuhl des fünfstöckigen Wohnhauses brannte völlig ab.

Sehr kurios war der Fall eines eineinhalbjährigen Buben aus Eching, der sich am 15. März einen Tontopf auf den Kopf gesetzt hatte und ihn nicht mehr herunterbekam. Die Münchner Feuerwehr wurde angefordert und befreite das Kind mit Spezialgerät. Außergewöhnlich war auch ein Fall am 6. Oktober: Als sein Balkon plötzlich abknickte, konnte sich ein Mann an der Schwabinger Siegesstraße mit großem Glück gerade noch zurück in seine Wohnung retten.

Sven Rieber

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