Auch bei Germany‘s Next Topmodel

Erfreulicher Trend: Darum sind fülligere Models immer gefragter

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„Ich bin fett“: Bella hat sich als Model einen Namen gemacht.

Wer Model werden will, muss mittlerweile nicht mehr rund um die Uhr auf seine Ernährung achten. Immer mehr werden auch kurvige Frauen nachgefragt. Wir gehen dem auf den Grund.

München - Es muss nicht spindeldürr sein! In der Modewelt scheint sich gerade mächtig was zu tun: Models mit Übergröße, sogenannte Curvy Models, sind zur Zeit gefragter denn je. Sogar Heidi Klum castet in der aktuellen Staffel von Germany’s Next Topmodel (Donnerstag, 20.15 Uhr, ProSieben) erstmals fülligere Kandidatinnen - das gab’s vorher noch nie! In der tz erklärt Louisa von Minckwitz, Chefin der Agentur Louisa Models, wie sich die Branche verändert. Wir stellen ein Curvy Model vor - und Münchner verraten, was sie schön finden.

Die große Kurvendiskussion

Bei ihren Models darf es auch mal ein bisschen mehr sein: Louisa von Minckwitz ist die Chefin der Münchner Agentur Louisa Models.

Üppig ist voll in! Designer setzen heute immer mehr auf fülligere Models, auch viele Modelagenturen nehmen Mädchen mit großen Größen in ihre Karteien auf. Ist es bald vorbei mit den Idealmaßen 90-60-90?

„Das Schönheitsideal wandelt sich“, sagt Louisa von Minckwitz, Chefin der Münchner Agentur Louisa Models. Noch vor zwei Jahren war in ihrer Kartei kein Übergrößenmodel gelistet - mittlerweile sind es 20. „Wir hatten plötzlich Anfragen von Kunden wie Otto oder Bonprix, die gezielt nach fülligeren Mädchen gesucht haben.“ Noch vor einigen Jahren war es undenkbar, dass Models abseits der gängigen Maße über den Laufsteg schreiten. Heute lässt sogar Star-Designer Karl Lagerfeld die knapp 100 Kilogramm schwere Beth Ditto laufen. Louisa von Minckwitz: „Früher wurden Curvy Models belächelt. Heute ist die Nachfrage größer denn je.“

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Auch bei Curvy Models müssen die Proportionen stimmen

Ein Trend, der aus den USA zu uns geschwappt ist. Ab einer Kleidergröße von 40/42 gilt ein Model als kurvig - die Spannbreite geht rauf bis 46/48. Aber: Um mit Übergröße im Modelbusiness Fuß zu fassen, müssen vor allem die Proportionen stimmen. „Eine Taille muss da sein“, so die Agenturchefin. Und eine gesunde Ernährung ist auch für Curvy Models (dt.: kurvige Models) sehr wichtig: „Es geht schließlich auch um schöne Haut.“

Ein paar Kilo mehr sind heute in der Modewelt normal - bei der Show Germany’s Next Topmodel (ProSieben) etwa kämpft auch die kurvigere Münchnerin Pia um den Titel. Das hat vor allem einen Grund: „Die Bevölkerung hat an Gewicht zugenommen“, sagt Louisa von Minckwitz. Laut dem Statistischen Bundesamt wiegen Frauen heute im Schnitt 68,4 Kilo bei einer Körpergröße von 1,65 Metern, Männer kommen auf 1,78 Meter und 84,3 Kilo. Das Durchschnittsgewicht der Deutschen hat sich alleine von 1999 bis 2009 um rund zwei Kilogramm erhöht. Das hat Einfluss auf das Schönheitsideal. Louisa von Minckwitz: „Auch eine kurvige Frau kann absolut attraktiv sein. Selbst die Designer haben verstanden, dass eine Kollektion nicht bei Größe 40 endet.“

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Geballte Schönheit

Zalando, Tchibo, Bonprix: Die großen Firmen reißen sich um Bella (22). Seit einem Jahr ist die hübsche Brünette bei der Münchner Agentur Louisa Models unter Vertrag - und gerade wegen ihrer Kurven so erfolgreich! „Ich bin stolz auf meinen dicken Popo. Schönheit ist Geschmackssache“, sagt die 22-Jährige.

So selbstbewusst war Bella nicht immer. Schon immer hatte sie mehr auf den Hüften als andere, war in der Schule eine Außenseiterin. „Gerade in der Pubertät hatte ich Probleme mit meinem Körper“, gesteht Bella. Abzunehmen gelang ihr allerdings nie - im Gegenteil. „Ich war oft so gestresst, dass ich noch mehr gegessen habe - und dann wieder todunglücklich war.“

Bella gewinnt mit Bodybuilding an Selbstwertgefühl

Über Bodybuilding auf den Laufsteg: Bella hat sich das Selbstwertgefühl antrainiert.

Erst als Bella vor drei Jahren mit Bodybuilding beginnt, verändert sich ihr Selbstwertgefühl. „Meine Beine wurden muskulöser, mein Bauch straffer - und ich habe mich mit der Zeit viel besser gefühlt.“

Über eine Bekannte kommt sie mit einer Modelagentur in Kontakt. Und tatsächlich: Nur vier Wochen später hat sie ihr erstes Shooting für Lidl. „Ich war total baff“, verrät Bella. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Im vergangenen Jahr wechselt Bella zu Louisa Models - seitdem geht es mit der Karriere steil bergauf. Sie ist zu­frieden mit ihrem Körper: 1,75 Meter ist sie groß, 85 Kilogramm schwer, ihre Maße liegen bei 101-79-109.

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“Sage ja selbst, dass ich fett bin“

Der Erfolg kam erst, als sie sich wohlfühlte. „Es ist tatsächlich so: Wahre Schönheit kommt von innen. Man muss sich selbst lieben und akzeptieren.“ Sie verstehe nicht, ­warum der Begriff Übergrößenmodel für manche negativ besetzt ist. „Ich sage ja selbst, dass ich fett bin. Aber eine Avocado ist auch fett - und deshalb nicht schlecht!“

Fünf bis sechs Mal pro Woche schwitzt Bella für ein bis drei Stunden im Fitnesstudio bei Bodybuilding und Cardiotraining. Auch auf ihre Ernährung achtet sie streng: „Ich muss aufpassen, dass ich die richtigen Fette und genug Proteine zu mir nehme.“

Der Erfolg gibt ihr Recht: Von ihren Modeljobs kann die 22-jährige gelernte Hair- und Makeup-Artistin mittlerweile gut leben. Das ist für sie aber kein Grund zum Abheben: „Ich werde immer bodenständig bleiben: Mein Gewicht erdet mich.“

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Durch dick und dünn

Im Laufe der Jahre hat sich das Schönheitsideal verändert.

  • In den 1920er-Jahren war der androgyne Look gefragt: Schön galten Frauen mit knabenhafter Figur, ohne Kurven – und am besten mit einer Bobfrisur.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg gab’s einen Wandel: Da konnte es gar nicht üppig genug sein. Ein pralles Dekolleté und ein runder Popo waren angesagt. Berühmteste Vertreterin: Marilyn Monroe.
  • In den 60ern warf Supermodel Twiggy das Schönheitsideal wieder über den Haufen. Jetzt eroberten spindel­dürre Models die Laufstege, mit ­Bubikopf und Klimperwimpern.
  • In den 80er-Jahren boomten Aerobic-Kurse - damit wurde die Sanduhrfigur in. Gefragt waren sportliche Models, die trotzdem weibliche Formen hatten wie Linda Evangelista.
  • In den 90ern wurde es wieder hager: Da prägte Kate Moss mit ihrer dünnen Figur das Schönheitsideal. Ihr ausgemergelter Look wurde als Heroin-Chic bezeichnet.
  • Heute: Immer noch gelten gertenschlanke Frauen in der Modebranche als Idealbild. Aber: Es wandelt sich! Immer mehr Designer schicken kurvige Models über den Laufsteg - wie Candice Huffine.

Christina Meyer

Umfrage zum Thema

„Auftreten, Aussehen und Ausdruck machen einen Menschen schön. Deswegen richte ich mich jeden Morgen eine Viertelstunde lang vor dem Spiegel her. Zurzeit habe ich Kleidergröße 42 und bin 1,68 Meter groß. Ich wiege zwei Kilo zu viel. Oft ersetze ich aber eine Mahlzeit am Tag durch einen Eiweißshake und bin dann schnell wieder in Form.“
Ute. H. (75), Rentnerin

„Am meisten kommt es auf die Ausstrahlung eines Menschen an. Gutes Aussehen ist mir wichtig, aber nicht immer. Ich habe noch nie eine Diät gemacht und empfinde manchmal meine Beine als Problemzone. Trotzdem denke ich, dass ich hübsch bin. Das Internet hat viel Einfluss auf die Vorstellung des perfekten Körpers.“
Julia Hilper (23), Groß- und Außenhandelskauffrau

„Schön ist für mich weder dünn noch kurvig - ideal ist etwas dazwischen. Ein gutes Aussehen hängt von der Figur, dem Gesicht und vor allem auch vom Auftreten der Person ab. Ich selbst habe schon die ein oder andere Diät erfolgreich hinter mich gebracht und bin ganz zufrieden mit meiner Figur.“
Laszlo Suter (24), Erzieher

„Größe 42/44 ist für mich ideal: An den Frauen ist was dran und sie haben eine schöne Figur. Ich bin 1,64 Meter groß und wiege 100 Kilo. Zufrieden bin ich nicht. Ich habe vor drei Jahren Zwillinge bekommen und wenig Zeit für Sport.“
Dorén Mücke (39), Verkäuferin

Umfrage: R. Mittermeier, K. Braun

Update vom 26. Juli 2018

Auch eine junge Frau aus Oberbayern möchte nun als Curvy Model Karriere machen. In der Staffel des Jahres 2018 macht Michelle aus Ebersberg bei „Curvy Supermodel“ mit.

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