Die verborgene Arbeit der Lebensmittel-Prüfer

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Auch im Metzgereibetrieb überprüfen die Lebensmittelkontrolleure streng die Waren.

München - Die Hygiene-Ampel soll kommen! Bislang finden Prüfungen im Verborgenen statt – nur die Lebensmittelkontrolleure des KVR wissen, wie es in Münchner Gaststätten ausschaut. So laufen die Kontrollen.

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Hygiene-Ampel für Restaurants: Münchner Wirte schäumen

Das Verbraucher-Ministerium will eine Hygiene-Ampel! Diese Nachricht schockte am Freitag die Münchner Wirte. Geht es nach den Politikern, sollen Lokale künftig eine amtliche Hygiene-Ampel vor dem Restaurant aufstellen – und somit Farbe bekennen, welche Mängel den Gast erwarten. Rot, gelb oder grün: für die Wirte ein Graus. Denn bislang läuft dies im Verborgenen ab – nur die Lebensmittelkontrolleure des Kreisverwaltungsreferats (KVR) wissen, wie es in Münchner Gaststätten ausschaut. 

19 098 Betriebe kontrolliert das KVR jedes Jahr, darunter sind 4940 Gastronomie-Betriebe. Im vergangenen Jahr fanden 7589 Kontrollen statt, unangemeldet und stichprobenartig. „Doch wir gehen natürlich auch Beschwerden nach und schauen hinter die Fassade“, sagt Klaus Kirchmann, Sprecher des KVRs. Unter den kontrollierten Betrieben fanden sich 2010 ganze 4959 Gastro- oder Metzgerei-Betriebe, die bei den Lebensmittelkontrolleuren durchfielen. Sie wiesen gravierende Mängel auf. 862 von ihnen bekamen ein saftiges Bußgeld aufgedrückt und bei 40 Betrieben leiteten die Lebensmittelkontrolleure sogar ein Strafverfahren ein: Zu schlimm war der Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz. „Hier waren es gravierende Fehler über einen längeren Zeitraum, die wir bestrafen mussten“, sagt Kirchmann. Schädlinge wie Kakerlaken oder Mäuse sowie ständiger Schimmel sind beispielsweise solche Fehler. Finden Lebensmittelkontrolleure Mängel in einem Betrieb vor, kann es zur kurzfristigen Schließung kommen. „Dann haben die Wirte Zeit, den Schaden zu beheben.“ Tun sie das nicht bis zum nächsten unangekündigten Besuch, wird’s eng. „Dann gibt’s Bußgelder, die bis zu einem vierstelligen Betrag gehen können, oder es folgt ein Strafverfahren.“ Eine komplette Schließung eines Betriebes ist laut Klaus Kirchmann eher selten: „Meistens hören die Wirte dann vorher von selbst auf.“

Der Lebensmittelkontrolleur selbst taucht unangekündigt auf. Stellt er sich vor, wird so manchem Wirt ganz anders. Denn der Beamte kontrolliert jeden Winkel des Betriebes, mit Taschenlampe und Reagenzglas bewaffnet durchstreift er das Lokal. Fällt ihm etwas auf, nimmt er Proben fürs Labor.

Für das Münchner KVR sind 46 Lebensmittelkon­trolleure ständig im Einsatz. Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Lebensmittelüberwacher, dann sind die Beamten perfekt für den Job geschult. Ekel kennen sie nicht. Für sie zählt nur eines: die Hygiene im Betrieb.

Die häufigsten Mängel sind unsaubere Arbeitsflächen sowie die unsachgemäße Lagerung von Lebensmitteln. „Liegt beispielsweise Mehl offen herum oder Fleisch in einem nicht gekühlten Raum, ist dies Anlass zur Beschwerde“, sagt Klaus Kirchmann. Aber auch Schädlinge oder verdorbenes Fleisch tauchten immer wieder bei der Kon­trolle auf. „Dann muss schnell reagiert werden.“

Doch woher kommen die Beschwerden über Restaurants? Kirchmann: „Eigentlich von überall: Kunden, Konkurrenten oder Zulieferern.“ Das KVR geht jeder Beschwerde nach. Bislang noch im Verborgenen. Sollte die Hygiene-Ampel jedoch kommen, erfährt auch der Gast, wie’s drinnen aussieht.

Antonia Wille

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