KZ-Wächter in München vor Gericht

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Der Dienstausweis des Iwan John Demjanjuk, den er als "Wachmann" 1942 in seinem Ausbildungslager Trawniki bekommen hat und in dem u.a. eingetragen ist: "27.3. 43 Sobibor": Das ist der Tag der Ankunft des Wachmannes Demjanjuk im Vernichtungslager Sobibor.

John Demjanjuk (88) ist einer der meistgesuchten Kriegsverbrecher der NS-Zeit.

Nun endlich könnte ihm in München der Prozess gemacht werden: „Iwan der Schreckliche“, wie Demjanjuk genannt wurde, soll 1943 in einem Konzentrationslager in Polen 29 000 Juden umgebracht haben. Demjanjuk lebt derzeit in den USA. 1958 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an, die ihm inzwischen jedoch aberkannt wurde. Nun kämpft er gegen seine Ausweisung. Über einen Auslieferungsantrag muss die Staatsanwaltschaft München I entscheiden.

Aus Sicht der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg ist der Weg dafür nun frei: Die Behörde glaubt, genug Beweismaterial gesammelt zu haben, um Demjanjuk seine Verbrechen nachzuweisen. Von März bis September 1943 soll der gebürtige Ukrainer als Wachmann im polnischen Vernichtungslager Sobibor an dem Massenmord an den Juden beteiligt gewesen sein. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs tauchte Demjanjuk in einem bayerischen Flüchtlingslager unter. Später wanderte er in die USA aus.

1986 wurde der mutmaßliche NS-Verbrecher an Israel ausgeliefert. Dort wurde er wegen seiner Verbrechen in dem Vernichtungslager in Treblinka angeklagt und 1988 zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof in Israel hob das Urteil aber wieder auf: Die Identität Demjanjuks konnte nicht eindeutig geklärt werden. Bereits damals gab es Hinweise, dass Demjanjuk als Wachmann auch in Sobibor war.

Von den in Sobibor getöteten Juden waren nach Angaben der NS-Aufklärungsbehörde auch 1900 Deutsche – das macht eine Anklag in Deutschland erst möglich. Unter den Opfern sollen auch Säuglinge und Kleinkinder gewesen sein. Das älteste Opfer war angeblich ein 99 Jahre alter Jude aus Holland.

Demjanjuk hatte zunächst in der Roten Armee gedient. Nachdem er 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war, wurde er zum Wachmann ausgebildet.

Quelle: tz

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