Lady Kalaschnikow: Ausgegaunert!

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Sie haben aus der Verurteilung in 2005 in Österreich nichts gelernt (oben). Kaum aus dem Knast, haben Martina und Giovanni G. abermals zugeschlagen und in Günzenhausen bei Eching einen Geldautomaten gesprengt. Jetzt wurden sie in Landshut zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

München - Während er Geldautomaten sprengte, stand sie mit der Kalaschnikow Schmiere: Ein Gaunerpaar muss jetzt für mehrere Jahre ins Gefängnis, vorher wurde aber nochmal Händchen gehalten.

Verliebt halten sie Händchen, sie flüstern miteinander, scheinen die Polizisten um sie herum beinahe zu vergessen. Sechs Monate haben sie sich nicht mehr gesehen. Denn seitdem sitzen Martina G. (40), Spitzname „Lady Kalaschnikow“ und Giovanni G. (41) in Untersuchungshaft. Sie in München, er in Landshut.

Das Rendezvous vor dem Schwurgericht Landshut ist für Jahre das letzte des explosiven Ehepaars aus dem italienischen Badeort Bibione. Die beiden hatten eine klare Arbeitsteilung: Sie stand mit falschem Sturmgewehr vor der Bank. Er sprengte innen den Geldautomaten. Mit zwei Schläuchen leitete er ein hochexplosives Acetyl-Sauerstoff-Gemisch in den Automaten. Das zündete er mit einem Sprengsatz Marke Eigenbau, zusammengebastelt aus einer Bierdose.

Mit dieser Methode hatten sie in Günzenhausen bei Eching am 3. Februar 2010 einen Geldautomaten gesprengt und dabei 106 000 Euro erbeutet. Die Vorsitzende Richterin Gisela Geppert schickte „Lady Kalaschnikow“, die gelernte Physiotherapeutin ist, für drei Jahre und elf Monate in Haft. Ihr Mann, ein Obst- und Weinhändler, muss für vier Jahre und zehn Monate hinter Gitter.

Erst mal hatten die Gauner im Februar Glück: Nur sechs Stunden nach der Tat kontrolliert sie die Polizei, als sie an einer Traunsteiner Tankstelle Kaffee tranken. Denn sie waren mit einem Auto unterwegs, das von der italienischen Polizei „zur Beobachtung ausgeschrieben war“, wie ein Beamter der Kripo Erding erklärte. Doch genau in den Minuten, als die Polizisten Giovanni G. kontrollierten, war „Lady Kalaschnikow“ auf der Toilette – in der Tasche die erbeuteten 106 000 Euro! So ging erst mal alles gut.

Drei Monate später aber gab es dann doch eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, und zwar in Aachen. Diese Jagd über mehrere rote Ampeln endete in einer Sackgasse. Die Komplizen von Martina G. flüchteten, doch „Lady Kalaschnikow“ hatte Pech und kam nicht schnell genug aus dem Auto. Das hatten Aachener Zollbeamte nur routinemäßig aufhalten wollen, doch dann festgestellt, dass es gestohlen war und falsche Kennzeichen hatte. Im Kofferraum fand die Polizei zwei Gasflaschen, wie sie das Duo für seine Automatensprengungen brauchte.

Die Aachener Staatsanwaltschaft vermutet, dass die beiden auch dort mit weiteren Tätern einen Geldautomaten sprengen wollten. 2005 wurden sie wegen zwei solcher Sprengungen in Österreich zu sechs und sieben Jahren Haft verurteilt. Nur ein halbes Jahr nach der vorzeitigen Haftentlassung schlug das Gaunerpärchen, vor Gericht vertreten von den Münchner Rechtsanwältinnen Sieglinde Buchner-Hohner und Olivia Moritz, dann in Bayern zu.

Susanne Sasse

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