Flüchtlinge, Wiesn, Sicherheit

Stadt am Limit: Darum weinte Münchens Sozialreferentin

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Verzweifelte Worte bei der SPD-Kommunalkonferenz in Berlin: Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier.

München - Bei einer SPD-Konferenz schilderte Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier die Lage am Münchner Hauptbahnhof nach der Ankunft zehntausender Flüchtlinge. Ein Video zeigt, wie aufgewühlt die SPD-Politikerin war.

"Wir stemmen es nicht mehr am Münchner Hauptbahnhof". Mit diesen Worten versuchte am vergangenen Dienstag Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier ihren Kollegen aus den Kommunen beizubringen, dass es angesichts der Massenankünfte von Flüchtlingen in München so nicht weitergehen könne. Dann gerät Meier ins Stocken, schluckt, hat Tränen in den Augen. Ihre Stimme bricht weg. Mitschnitte der SPD-Kommunalkonferenz sind im Netz aufgetaucht. Meiers Tränenausbruch zeigt, wie hoch die Belastung der Helfer und Organisatoren am Hauptbahnhof gewesen sein muss.

Geschehen ist der Auftritt bereits am vergangenen Dienstag. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann leitete die Kommunalkonferenz, bei der Mitarbeiter aus den Kommunen die Flüchtlings-Lage in ihren Städten beschrieben. Weil damals noch die meisten Flüchtlinge in München am Hauptbahnhof ankamen, redete Münchens Sozialreferentin nicht um den heißen Brei herum - und wurde dabei von ihren eigenen Gefühlen überrollt.

Rechte nutzen das Video für ihre Propaganda

Das Üble daran: Rechte und Fremdenhasser teilen das erst gelöschte und jetzt wieder aufgetauchte Video im Netz und hetzen damit gegen Flüchtlinge. Denn in ihrer Aufgabe als Sozialreferentin hatte Meier öffentlich immer bestätigt, dass München den Andrang an Flüchtlingen immer im Griff habe. Der emotionale Ausbruch im Video soll das - aus Sicht der Rechten - nun als Lüge darstellen.

Dabei geht es in Meiers Rede vor den Parteikollegen hauptsächlich um die mangelnde Solidarität der Bundesländer und Kommunen mit München. "Wir hatten innerhalb der letzten vierzehn Tage 55.000 Ankünfte am Münchner Hauptbahnhof! 55.000, und wir konnten die Züge nicht mehr weiterschicken. Und ihr habt den Königsteiner Schlüssel verwehrt! Bis auf Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Danke!", so Meier in dem Clip verzweifelt. Und: "Wir brauchen dringend ein Drehkreuz, und wenn jetzt am Wochenende eventuell die Grenzen aufgemacht werden, müsst ihr euch vorstellen, was das für München bedeutet: Die Wiesn beginnt. Das ist sicherheitstechnisch nicht mehr am Hauptbahnhof zu stemmen."

"Emotionaler Weckruf"

Mittlerweile hat sich die Lage am Hauptbahnhof nach Einführung der Grenzkontrollen entspannt. Zudem werden während des Oktoberfests die Züge mit Flüchtlingen um München herum geleitet. Ihre Rede sei als "emotionaler Weckruf" für die Kollegen in anderen Kommunen gedacht gewesen, so Meier hinterher. Angesichts der deutlich entspannten Lage am Hauptbahnhof, hat Meiers Ausbruch wohl nicht geschadet...

mb

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