Lahm & die Kunst-Champions-League

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Carlo Wertheimer zeigt Philipp Lahm im Haus der Kunst eines seiner Fußballer-Bilder

München - Leidenschaft. Für Philipp Lahm ist es der Fußball. Für die Preisträger des euward ist es die Kunst. Aber was ist der euward?

 Es ist der Europäische Kunstpreis für Malerei und Grafik von Künstlern mit geistiger Behinderung – auf diesem Sektor der Kunst bislang die einzige Auszeichnung von internationaler Bedeutung. Zusammen mit Nationalspieler Philipp Lahm hat die Augustinum Stiftung nun zum fünften Mal den euward verliehen. Aus über 500 Bewerbern hatte eine fachkundige Jury rund um den Wiener Maler Professor Arnulf Rainer 22 Kandidaten nominiert, deren Bilder nun im Haus der Kunst ausgestellt sind. Von diesen 22 Künstlern wurden die drei Besten gekürt.

Den ersten Preis erhält Peter Kapeller (41). Eine Lehre als Sanitärtechniker konnte der Wiener wegen einer psychischen Krise nicht beenden. Heute arbeitet Kapeller nächtelang an seinen Zeichnungen und Radierungen. Es sind düstere, verwirrende Bilder. Sie erzählen von den beengten Lebensverhältnissen in der Wiener Gemeindewohnung, vom Unverständnis der Nachbarn, der Abhängigkeit von Medikamenten, vom Schubladendenken der Gesellschaft.

Auch die zweit- und drittplatzierten Künstler drücken durch die Kunst ihr Befinden aus: Sigrid Reingruber, 1980 in Oberösterreich geboren, arbeitet im Atelier der Kunstwerkstatt der Lebenshilfe Gmunden; Annemarie Delleg (22) ist auf einem Südtiroler Bauernhof aufgewachsen und träumt in ihren Bildern – von Rom, von ihrer Hochzeit im roten Kleid, von Meerjungfrauen, von den Stars in Cannes …

Zu den Nominierten zählt auch Carlo Wertheimer (38), der die Präsentation im Haus der Kunst am Dienstagabend gewiss nie vergessen wird. Denn der Luxemburger bringt in seinen Werken seine Fußball-Leidenschaft zum Ausdruck und strahlt stolz, als Philipp Lahm seine Bilder bestaunt. Der Bayern-Star sprach allen vertretenen Künstlern seine Bewunderung aus: „Wir suchen selbst gerade Bilder für Zuhause, und da sind diese Werke eine echte Inspiration.“ Eine Anleihe beim Fußball nahm der Vorstand der Augustinum Stiftung, Prof. Markus Rückert, als er die Werke der Gewinner und Nominierten als die „Champions League der Kunst“ bezeichnete.

Rückert: „Wenn das Haus der Kunst, eine erste Adresse der Avantgarde zeitgenössischer Kunst, nunmehr zum dritten Mal in Folge die Werke der Gewinner in ihren öffentlichen Räumen ausstellt, dann spricht das für die Qualität unserer Künstler.“

Claudius Haarmann

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