Frostiges Weihnachten

Einsturzgefahr in Laimer Kirche

München - Die Paul-Gerhardt-Gemeinde in Laim feiert heuer ein besonderes Weihnachtsfest. Weil die Kirche einsturzgefährdet ist, lässt sich Pfarrerin Fietz etwas einfallen.

Die evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde feiert Weihnachten heuer auf der Wiese vor der Kirche

Kalt wird es werden, dunkel, windig, vielleicht unter null grad. Und dennoch: Rund 1500 Besucher erwartet Pfarrerin Brigitte Fietz (62) am Heiligen Abend zu den Gottesdiensten der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde in Laim. „Heuer wird das Fest bei uns ein ganz anderes sein, denn die Kirche ist einsturzgefährdet. Wir dürfen nicht hinein“, sagt Fietz. Da ist selbst der Herrgott machtlos: Weihnachten steht vor der Tür – und die Kirchengemeinde leider auch. Ein Gerüst stützt den Klinkerbau im Inneren, über die Jahre haben sich an den Verstrebungen sogenannte Kiesnester gebildet. Die Pfarrerin sagt: „Ursache ist eine Bausünde aus dem Zweiten Weltkrieg. Dadurch ist die Statik stark beeinträchtigt, es muss renoviert werden. Inzwischen sind auch die Bänke ausgebaut.“ Seit mehreren Monaten darf niemand das Gotteshaus in der Mathuni­straße betreten.

Deshalb hat die Gemeinde umgeplant. „Gefeiert wird natürlich trotzdem. Aber wir weichen auf die Wiese neben der Kirche aus. Sie gehört mit zu unserem Grundstück“, sagt Diakon Andi Weiss (36).

Und, so Weiss weiter: „Auch wenn es kalt ist, möchten wir die Herzen unserer Besucher wärmen. Der ganze Gottesdienst wird eine zusammenhängende Predigt. Es geht um das Thema Zuhause.“ Zu Gast in der Paul-Gerhardt-Gemeinde werden drei Menschen mit besonderen Geschichten sein. Ein Student, der jahrelang in Südafrika gelebt hat. Eine Obdachlose, die seit mehr als drei Jahren in einem Container in Germering lebt. Und eine Seniorin, die nach Weihnachten 1945 aus ihrer Heimat in Schlesien flüchten musste.

„Glaube findet überall statt, auch außerhalb des Kirchengebäudes“, sagt Weiss. So organisiert die Gemeinde um 15 Uhr einen Familiengottesdienst sowie ein Kindermusical im Großen Saal unter der Kirche (dort ist alles sicher). Um 16 Uhr können die Kleinen auf Kamelen reiten, nebem dem Kirchturm wird eine Bühne aufgebaut. Um 17 Uhr beginnt der Gottesdienst im Freien. „Den ersten 1000 Besuchern schenken wir Wärmepads in Herzform. Bei uns soll niemand frieren.“ Bis man die Kirche wieder betreten darf, dauert es noch Monate. „Wir hoffen auf Ostern“, sagt Pfarrerin Fietz.

A. Thieme

Rubriklistenbild: © Jantz

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