Geldtransporter entführt

Wie trickste der Millionen-Dieb die Kollegen aus?

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Hier hat der Täter, Rijad K., den Geldtransporter abgestellt.

Zielfahnder suchen Rijad K., der in der Blumenau den von ihm gelenkten Geldtransporter geklaut und ausgeräumt hat. Doch ein großes Fragezeichen stellt aktuell der Tathergang dar.

München - Mit rund einer Million Euro, auf diese Summe wird die Beute inzwischen taxiert, ist der Münchner Geldtransportfahrer Rijad K. weiter auf der Flucht. „Wir haben den Mann noch nicht gefasst“, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag. 

Die Münchner Zielfahnder sind dem 26-Jährigen auf den Fersen. Die Spezialisten durchleuchten das ganze Leben eines Gesuchten und warten darauf, dass dieser einen kleinen Fehler macht. Und die machen gestresste Täter auf der Flucht früher oder später meistens.

Gestern wurden weitere Details des Millionen-Diebstahls bekannt. Und die werfen Fragen auf. Der serbische Leiharbeiter Rijad K. nämlich war bei der Polizei kein Unbekannter. Er fiel schon wegen Körperverletzungsdelikten und Diebstahls auf. Mit dem Polizeifoto aus dem Jahr 2015 wird er nun international gesucht. Was macht ein polizeibekannter Leiharbeiter am Steuer eines millionenschweren Geldtransportes? Und hat sein Arbeitgeber – die Firma Prosegur – das nicht gewusst? Eine Firmensprecherin wollte dazu auch am Freitag keine Stellungnahme abgeben.

Legte Rijad K. ein lupenreines Führungszeugnis vor?

Möglicherweise legte Rijad K. jedoch ein lupenreines Führungszeugnis vor. Vorstrafen werden nämlich nur dann eingetragen, wenn die Geldstrafe über 90 Tagessätzen liegt oder bereits eine andere Verurteilung im Zentralregister vorliegt. Der Leiharbeiter hatte im Gegensatz zu seinen Kollegen auch keine Waffe. Denn er war immer nur der Fahrer.

Fragen wirft auch der Tatablauf noch auf. Warum setzte Rijad K. seine beiden Kollegen (23 und 39 Jahre) gegen 8 Uhr schon 200 Meter vor dem eigentlichen Ziel, der Stadtsparkasse in der Blumenauer Straße, vor einem Café ab? Das ist nicht üblich. Zudem berichteten mehrere Zeugen, dass die Geldboten zunächst sehr gelassen blieben, als sie aus der Bank traten und das Fahrzeug samt Rijad K. verschwunden war. So verstrich wertvolle Zeit, die Rijad K. zu nutzen wusste. Er parkte den Geldtransporter keine 400 Meter weiter in der Rolf-Pinegger-Straße auf einem schwer einsehbaren Anwohner-Parkplatz. Dort wartete schon der Komplize.

Fahrer raubt Geldtransporter in Blumenau aus

Anwohner sahen zwei Männer, die um 8.25 Uhr im Eilschritt durch die Grünanlage zur Rückseite des Wohnblocks liefen, wo vermutlich der Fluchtwagen stand. Die Lindauer Autobahn ist dort nahe. Unklar ist noch, wie die Männer an das in Koffern und Boxen gesicherte Geld herankamen. Offenbar sind Geldtransporter mit GPS, Video, Alarmanlagen, Panzerglas, Türschschließsystemen und anderen Sicherungen gegen Angriffe von außen besser geschützt als gegen Angriffe aus den eigenen Reihen. Rijad K. jedenfalls trickste das System scheinbar problemlos aus.

„Aber den werden’s scho erwischen“

In der Blumenau war der Diebstahl am Freitag Tagesgespräch. „Das ist ja irre, wenn auf einmal da bei uns was passiert“, sagte Anwohnerin Erika Hacker. Die 84-jährige Rentnerin wohnt neben der Rolf-Pinegger-Straße, in der der Tatverdächtige den gelben Prosegur-Transporter parkte und mit dem Geld verschwand. „Aber den werden’s scho erwischen“, ist sich Erika Hacker sicher.

Die 30 Polizeifahrzeuge und der Hubschrauber sind ebenfalls Thema im Viertel, schließlich ist die Blumenau sonst ein vollkommen ruhiges Fleckchen. Verkäuferin Maria H. (69) erlebte den Großeinsatz beim Gassigehen mit Hund Oscar hautnah: „Wir haben gesehen, wie zwei Männer durchs Grundstück laufen. Erst als die Polizei kam, haben wir gemerkt, dass wir sie hätten aufhalten sollen.“

Warum ließ er seine Kollegen 200 Meter vom Ziel entfernt aussteigen?

Für den ehemaligen Leiter der dortigen Stadtsparkassenfiliale, Günther Nispel, ist es absolut seltsam, warum Rijad K. seine Kollegen an der Bäckerei Zöttl an der Blumenauer Straße aussteigen ließ – die nächste Bank liegt doch 200 Meter entfernt. „Die Vorgabe ist eigentlich, dass sie direkt vor der Bank parken müssen. Hoffentlich wird der Dieb bald gefasst und der genaue Ablauf geklärt.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Laim - mein Viertel.

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