Viele Rätsel bei Prozessauftakt

Geldtransporter-Raub von Laim: So kam die Polizei einem Verdächtigen auf die Spur

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Rijad K. (27) mit seinen Anwälten. Der gebürtige Serbe muss sich wegen schweren Diebstahls verantworten.

Es war ein groß angelegter Diebstahl, mitten in der Stadt: Am 24. August 2017 kaperte Rijad K. (27) einen Geldtransporter in Laim und machte sich mit einem Komplizen aus dem Staub.

München - Ihre Beute: 1,146 Millionen Euro, die bis heute unauffindbar sind. Seit Dienstag wird dem Haupttäter nun der Prozess gemacht.

Etwas zugenommen hat er im Gefängnis, ansonsten sieht Rijad K. (27) mehr als ein Jahr später noch genauso aus wie auf dem Fahndungsfoto vom August 2017. Per internationalem Haftbefehl wurde der gebürtige Serbe in ganz Europa gesucht, weil er gemeinsam mit einem Komplizen in München einen Geldtransporter gekapert und 1,146 Millionen Euro gestohlen hatte. Erst sechs Wochen später konnte die Polizei den Haupttäter festnehmen, seit gestern muss er sich wegen schweren Diebstahls vor dem Landgericht verantworten.

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Geldtransporter-Raub in Laim: Prozess ausgesetzt

Doch der Prozess platzte, bevor es richtig losging. Denn Richter Robert Hamberger verkündete, dass er das Verfahren als Urlaubsvertretung für Richterin Judith Engel an der 10. Strafkammer leitet. Und damit hatten die Verteidiger des Angeklagten ein Problem: Sie rügten die Gerichtsbesetzung, die ihnen zu spät mitgeteilt worden sei, und beantragten die Aussetzung des Prozesses – auch, weil die Anwälte des Millionendiebes noch nicht alle Akten zur Sichtung bekommen hätten. Dem gab das Gericht überraschend statt – jetzt wird wohl erst im November richtig verhandelt. „Dann wird sich unser Mandant auch zur Sache äußern“, sagten Dzevdet Fetahi und Adrijana Blazevska-Gkiztavidis.

Dennoch wurden gestern pikante Details bekannt: Wie die Staatsanwältin zu Verhandlungsbeginn erklärte, haben die Ermittler am Donnerstag auch den Mittäter verhaften können. Er soll Rijad K. geholfen haben, mit dem voll beladenen Mercedes Sprinter zu türmen.

Ermittler: Rijad bog mit dem Transporter um die Ecke

K. war am Tattag gemeinsam mit zwei Kollegen (24 und 40 Jahre alt) im Auftrag einer Sicherheitsfirma unterwegs gewesen, er selbst war der Fahrer des Geltransporters, die beiden Kollegen als Bote und Sicherer mit an Bord. Doch Rijad K. soll schon um 7.15 Uhr morgens per Handy Kontakt mit seinem Komplizen gehalten haben. So wusste dieser, dass der Geldtransporter die Stadtsparkasse in der Blumenau ansteuerte. Dort hielt der Transporter dann auch um 8.10 Uhr. Während die beiden Kollegen das Bargeld in die Filiale brachten, bog Rijad K. nach Überzeugung der Ermittler mit dem Geldtransporter um die Ecke. Auf der Rolf-Pinegger-Straße stieg sein Komplize zu. Keine 500 Meter weiter ist die nächste Anschlussstelle der Lindauer Autobahn, die beide Männer zur Flucht nutzten. Bis heute rätseln die Ermittler, wie es den Dieben später gelingen konnte, die schwer gesicherten Geldboxen zu knacken. Die Beute ist nach wie vor verschwunden. „Wir wissen noch nicht, wo das Geld geblieben ist“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

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Erst sechs Wochen nach dem Diebstahl konnte Rijad K. in Ungarn festgenommen werden. Sein Komplize war da noch auf der Flucht. Kurios: Zunächst hatte die Polizei einen Mann festgenommen, dessen Handy sie im Geldtransporter gefunden hatten. Weil seine DNA nicht passte, ließ man ihn wieder laufen. Doch auf dem Handy entdeckten die Beamten ein Foto des Verdächtigen mit seinem Bruder, der sich dann als Tatverdächtiger herausstellte. Ihn will die Staatsanwaltschaft nun als Mittäter überführen, bis der Prozess gegen Rijad K. am Landgericht endlich beginnt.

Andreas Thieme

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