Familie noch immer unter Schock

Horror im Supermarkt: Tür trennt Mädchen fast Finger ab

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Melanie Löw und ihre Tochter Selin stehen vor dem Hit-Supermarkt in Laim, wo sich Selin vor zwei Wochen fast einen Finger abgerissen hat.

Eine Hit-Filiale in Laim steht nach dem blutigen Unfall einer Dreijährigen in Erklärungsnot. Eine kaputte Schwenktür wurde für längere Zeit nicht repariert - nun droht dem Supermarkt eine Klage.

München - Melanie Löw steht an der Supermarktkasse, als ihre Tochter losschreit. Löw, 27, dreht sich um – da streckt ihr die drei Jahre alte Selin ihre rechte Hand entgegen und brüllt: „Mami, mein Finger ist ab!“ Das oberste Glied des rechten Zeigefingers hängt nur noch an einem Fetzen Haut, überall ist Blut. Jetzt schreit auch die Mutter.

Zwei Wochen später, die Ärzte haben den Finger wieder angenäht, ist Melanie Löw immer noch erschüttert – und sehr wütend: „Was Hit da gemacht hat, ist fahrlässig! Und keine Sau hat uns geholfen“, sagt sie.

Es geht um die Hit-Filiale in Laim, Elsenheimerstraße. Im Kassenbereich stehen verchromte Schwenktüren, wie in vielen Märkten. Während Mama bezahlt, steht Selin hinter ihr an der Schwenktür. Dort, wo die Klappe um die lotrechte Stange rotiert, sind zwei kleine Löcher – in eines steckt Selin ihren Zeigefinger. Irgendwie dreht sich die Tür. „Wie Rasierklingen“, sagt Melanie Löw.

Sie ruft um Hilfe. „Aber niemand hat geholfen, alle waren geschockt!“ Löw klappt die Fingerkuppe zurück auf den Stumpf, wickelt ein Taschentuch drum und drückt fest zu. Selin sitzt jetzt ruhig da, „apathisch“, sagt Löw. Eine Frau hält der Mutter ein Handy ans Ohr, zehn Minuten später geht es mit dem Sanka ins Krankenhaus Dritter Orden. „Oje, der muss ab!“, wird dort zunächst befürchtet. Selin bekommt eine Narkose, wird zwei Stunden operiert. Er muss nicht ab, obwohl Sehnen und Knochen durchtrennt sind. Eine Woche bleiben Mutter und Tochter im Krankenhaus.

Ärzte: Eine realistische Prognose ist wohl erst in zwei Jahren möglich

Heute steckt Selins Arm in einem dicken Gips. Während die anderen Kinder zum Baden gehen, muss sie daheim bleiben. „Es geht schon wieder“, sagt ihre Mutter. „Sie ist frustriert deswegen, manchmal ein wenig aggressiv.“ Melanie Löw ist Friseurin und hat Angst, dass ihre Tochter in Zukunft beeinträchtigt sein könnte, dass sie Probleme beim Schreiben bekommt oder nicht Klavier spielen kann. Die Ärzte wollen noch keine Prognose wagen – erst in zwei Jahren vielleicht.

Löw will Hit nun auf Schmerzensgeld verklagen. Sie war gestern bei einer Anwältin. Und noch wichtiger: Sie will andere Eltern warnen. Noch im Supermarkt habe ihr der stellvertretende Filialleiter gesagt, die Tür sei schon lange kaputt und hätte schon viel früher repariert werden müssen.

Selins Vater ging am Tag nach dem Unfall in den Supermarkt, die zwei Löcher waren noch da. Tags darauf ging er wieder hin und machte Fotos, die Löcher waren mit Klebeband zugeklebt.

Erst eine Woche später habe der Filialleiter angerufen und sich „zweideutig“ entschuldigt, sagt Löw. „Es tue ihm leid. Aber die Versicherung könnte ja auch sagen, dass ich die Aufsichtspflicht vernachlässigt hätte.“

Hit ließ eine Anfrage dieser Zeitung unbeantwortet.

tos

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