Umbaupläne fürs Dornröschenschloss

Laim: Eigentümer will verfallende Villa retten 

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Das „Dornröschenschloss“: Die einst prunkvolle Villa verfällt zusehends.

Die alte Stadtvilla an der Neuburger Straße soll nicht abgerissen, sondern erhalten werden. Das hat der Eigentümer im Gespräch mit unserer Zeitung versichert. Den Garten mit seinem Baumbestand will der Laimer, der ungenannt bleiben möchte, erhalten.

München - Die Laimer fragen sich schon seit Langem, was mit dem „Dornröschenschloss“ passieren soll. Aus Angst vor einem Abriss wandten sie sich zuletzt mit ihrem Anliegen an den Bezirksausschuss Laim. Nun versichert der Eigentümer: „Mir liegt sehr viel an dem Haus, in dem ich ja auch aufgewachsen bin.“ Er wolle es dem Charakter des Viertels anpassen.

Die Villa hat eine lange Geschichte. Gebaut wurde sie von dem Klavierbauer Valentin Berdux. Seine ehemalige Klavierfabrik, das heutige Steinway-Haus München, steht nicht weit entfernt an der Landsberger Straße. „In den frühen 20er-Jahren hat mein Großvater das Haus von der Familie Berdux gekauft, und seitdem gehört es zum Familienbesitz“, erklärt der Laimer. Im Lauf der Zeit wurde das Haus viele Male umgebaut und erweitert. Deshalb hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Villa nicht in die Denkmalliste aufgenommen. Durch die vielen Umbauarbeiten sei nur sehr wenig historischer Bestand erhalten, urteilt die Behörde.

„Ich finde das gut so“, sagt der Besitzer. „Der Denkmalschutz würde den geplanten Umbau nur noch komplizierter machen.“ Seit etwa 20 Jahren arbeitet er an einem Plan zum Erhalt der Villa. Viele Kaufangebote für das Anwesen an der Neuburger Straße hat er in dieser Zeit bekommen, sie aber alle abgelehnt. „Natürlich wäre es am einfachsten, das Haus abzureißen und etwas Neues zu bauen. Aber das kommt überhaupt nicht infrage.“

So soll die Villa mal aussehen, wenn es nach dem Plan des Eigentümers geht.

Seit vier Jahren arbeitet der Hauseigentümer nun mit dem Architekten Florian Wurfbaum an einer Lösung. Dabei ist ihm der Erhalt der Grünfläche besonders wichtig. „Ich möchte die Bäume erhalten und will, dass jeder Anwohner einen Zugang zum Garten hat“, erklärt er. Deshalb erstrecken sich die drei geplanten Wohnungen der Villa – nicht wie sonst üblich – über jeweils ein Stockwerk, sondern verlaufen vertikal. Der Architekt orientiert sich dabei an dem historischen Vorbild der „Münchner Himmelsleiter“. Diese Bauart wurde Ende des 15. Jahrhunderts entwickelt, um in den schmalen Häusern Platz zu sparen. Bei dem Baustil erschließt eine Treppe alle Ebenen der Wohnung. Am oberen Ende des letzten Treppenlaufs öffnen sich jeweils große Dachfenster in den Himmel. „Die Wohnungen bieten dadurch ähnliche Qualitäten wie ein Einfamilienhaus“, erklärt Wurfbaum. „So, wie ein Haus im Haus“.

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Nördlich der Villa, oberhalb der bestehenden Garage, soll eine Maisonettewohnung angebaut werden, ebenfalls mit eigenem Gartenanteil. Im hinteren Teil des Grundstücks plant der Eigentümer ein separates, niedrigeres Zweifamilienhaus. „Jedes Bauteil soll seinen eigenen Charakter haben, aber alle Bauteile werden durch das übergeordnete Motiv der Münchner Himmelsleiter vereint“, erklärt der Architekt.

Eine Baugenehmigung der Lokalbaukommission (LBK) liegt bereits seit zwei Jahren vor. Auf dem Grundstück ist seitdem allerdings wenig passiert. Über den zunehmenden Verfall seiner Villa macht sich der Eigentümer keine Sorgen. „Was wir erhalten wollen und für den Umbau brauchen, ist noch da“, stellt er fest. „Es ist eben nicht so einfach, als Privatperson ein großes Bauprojekt wie dieses umzusetzen. Das kostet viel Zeit und Geld.“ Vor allem die Frage der Finanzierung ist noch offen. Der Eigentümer hat Schwierigkeiten, eine wirtschaftlich profitable Lösung zu finden, die gleichzeitig auch seinen Vorstellungen entspricht. „Die Baukosten bewegen sich insgesamt im normalen Rahmen. Der sorgsame Umgang mit dem Bestand von Villa und Bäumen führt im Vergleich zu einem Abriss allerdings klar zu Mehrkosten“, erklärt Architekt Florian Wurfbaum.

Dass die Grünen im Bezirksausschuss den langen Leerstand als Zweckentfremdung werten und deshalb die Stadt einschalten wollen, sieht der Eigentümer gelassen. „Das Haus ist in diesem Zustand nicht bewohnbar“, sagt er. „Es ist eben eine Baustelle.“ Der Laimer hofft, möglichst bald einen Finanzierungspartner zu finden, der seine Pläne in dieser Form unterstützt, sodass er nächstes Jahr mit dem Bau beginnen kann.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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Johanna Sagmeister

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