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„Das heulende Elend“: Münchner beten in Trauerandacht um verlorene Bäume - Stadt hält sich bedeckt

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Anwohner erinnerten in einer Trauerfeier an die gefällten Bäume in München-Laim
Anwohner erinnerten in einer Trauerfeier an die gefällten Bäume in München-Laim. © Götzfried

Vorbei ist es mit der natürlichen Idylle: Nach einem Kahlschlag im Westen von München, bei dem Hunderte von Bäumen zum Opfer fielen, trauern und protestieren Bürger.

München - Die Gotthardstraße sieht ziemlich düster aus. Zwischen 300 und 500 Bäume wurden hier gefällt (wir berichteten). Grund ist eine Großbaustelle: In den kommenden Jahren wird die U5 verlängert. „Es ist das heulende Elend“, sagt Anwohnerin Alexandra Göbel. „Es gab überhaupt keine Information. Nur einen Flyer, den noch nicht mal alle Nachbarn bekommen haben.“

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Am Mittwochabend verabschiedeten sich Dutzende Menschen bei einem von Umweltschützern organisierten Trauerzug von den gefällten Bäumen. Mit Grablichtern in der Hand liefen sie die Gotthardstraße entlang. Einige beteten für die Bäume. Der Kahlschlag: Ein trauriges Bild auch für Anwohner wie Göbel, die in Laim aufgewachsen sind.

München-Laim: Erst verschwinden die Bäume - Bald kommt eine Großbaustelle

Und bald wird eine Großbaustelle dazukommen*, zu der die Laimer eine Reihe von Fragen hätten, die ihnen aber bisher niemand beantwortet hat. „Was ist mit dem Grundwasser? Was ist mit der Bestandsaufnahme der Häuser im Umkreis? Warum gibt es den Infopoint für Anwohner immer noch nicht?“, fragt Göbel. Von der Stadt habe sie kaum Rückmeldung bekommen. Göbel ist mit ihrer Entrüstung nicht allein: „Das war doch ein Schnellschuss“, sagt Monika Samhuber, die seit 2002 in Laim lebt. „Erst passiert ewig nichts, dann kommen die Bäume weg und erst dann kommen erste Infos.“

Da der U-Bahnhof Laimer Platz nur wenige Meter unter der Oberfläche liegt, soll bis zur nächsten Haltestelle Willibaldstraße oberirdisch aufgegraben werden, erst danach findet der Bau unterirdisch bis zu den geplanten Stationen Am Knie und Pasing statt. Um den Verkehr auf der viel befahrenen Gotthardstraße nicht komplett umzuleiten, soll je eine Spur für Autos und Busse befahrbar bleiben.

Die Anwohner erinnerten in einer Trauerfeier an die vielen gefällten Bäume an der Gotthardstraße. Sie mussten wegen der Verlängerung der U5 sterben
Die Anwohner erinnerten in einer Trauerfeier an die vielen gefällten Bäume an der Gotthardstraße. Sie mussten wegen der Verlängerung der U5 sterben. © Schmidt

Stadt München hält sich bedeckt und verweist auf die Corona-Pandemie

Die Verlängerung der U5 bis Pasing* und später bis Freiham gehört zum Plan der Stadt, das Nahverkehrsnetz für die wachsende Bevölkerung auszubauen. „Die Verlängerung der U-Bahn finde ich schon sinnvoll“, sagt Anwohnerin Heike Friebe. Sie bedauert nur, dass die Artenvielfalt auf ihrem Balkon nun ein Ende hat. Ihr Eichhörnchenkobel wird für lange Zeit verwaist bleiben. Die Stadt will zwar Ersatz für die gefällten Baume pflanzen. Wann und wo, ist allerdings noch nicht klar.

Auf Anfrage weist das Baureferat auf die 5000 Info-Zettel hin, die Ende Dezember verteilt worden seien. Zudem finde jeden Mittwoch eine digitale Anwohnersprechstunde statt. Dass der Infopoint noch nicht eröffnet ist, begründet das Baureferat mit der Pandemie. Auf die Bitte um Antworten auf die Fragen der Anwohner zu den Themen Grundwasser, Parken und Lärmbelästigung verweist das Referat auf die Website www.ubahnbau-muenchen.de. Die Bauarbeiten für die U-Bahn-Verlängerung sollen bis 2030 dauern. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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