Nach Pressekonferenz mit Polizei

Nach Todesfahrt in München: Anwalt erklärt, wieso wegen Mordes ermittelt wird

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Zwei Jugendliche von Auto angefahren

Der Mann, der am Freitag in München die Flucht vor der Polizei ergriffen hat und dabei einen 14-Jährigen getötet hat, sitzt weiter in Untersuchungshaft. Der Tatvorwurf lautet Mord. Wie geht die Justiz mit solchen Fällen um?

  • Ein BMW-Fahrer hat in München einen 14-Jährigen zu Tode gerast.
  • Er sitzt wegen Voruwrf des Mordes in U-Haft.
  • Der Münchner Fachanwalt für Strafrecht, Berthold Braunger (59), erklärt, wie es zu so einer Anklage kommen kann.

Im aktuellen Fall, bei dem ein BMW-Fahrer in München einen 14-Jährigen zu Tode gerast hat, wird wegen Mordes und versuchten Mordes ermittelt. Wie kommt es dazu?

Das ist der schwerwiegendste Vorwurf, der erhoben werden kann. Auch Totschlag, fahrlässige Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolge wären als Beschuldigungen möglich gewesen. Ich denke, hier soll ein Zeichen gesetzt werden. Auch mit Hinblick auf Raser-Fälle wie in Berlin.

Was spricht rechtlich denn für den Mordvorwurf?

Es müssen – im Unterschied zum Totschlag – bestimmte Mordmerkmale erfüllt sein. Im vorliegenden Fall könnte das etwa Heimtücke sein. Das ist der Fall, wenn man die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass die Gruppe Jugendlicher nichtsahnend über die Straße gegangen ist und nicht damit gerechnet hat, dass ein Auto mit mehr als 100 km/h angerast kommt und sie überfährt. Deshalb steht hier Heimtücke im Raum.

Todesfahrt in München: Mordmerkmal erfüllt?

Was wäre noch als Mordmerkmal denkbar?

Niedrige Beweggründe. Sie liegen dann vor, wenn die Beweggründe einen Menschen zu töten, auf sittlich niedrigster Stufe stehen. Das heißt, wenn auch die Allgemeinheit in keinster Weise irgendein Verständnis für dieses Handeln aufbringen könnte. Ein weiteres denkbares Mordmerkmal wäre die Verdeckung einer anderen Straftat. Beispiel hierfür wäre, wenn der Täter vorher eine Unfallflucht begangen hätte. Später ist er ja auch mehrfach über eine rote Ampel gefahren, das wäre also ein Vergehen der vorsätzlichen Straßenverkehrsgefährdung. Man könnte rechtlich so argumentieren, dass er den Verstoß verdecken wollte, indem er die Gruppe versucht hat umzufahren.

Welche Beschuldigung wäre außer Mord möglich gewesen?

Totschlag. Für den Fall, dass keine Mordmerkmale vorliegen. Bei einer fahrlässigen Tötung wiederum müsste man annehmen, dass der Täter die im Verkehr erforderliche Sorgfalt bei seiner Raser-Fahrt nicht beachtet hat. Auch Körperverletzung mit Todesfolge ist denkbar: Hier könnte man sagen, es gab keinen Vorsatz für die Tötung eines Menschen. Der Fahrer hätte in diesem Sinne nicht billigend in Kauf genommen, dass andere Menschen zu Tode kommen - sondern er hätte nur damit gerechnet, dass unter Umständen jemand verletzt wird.

Todesfahrt in München: Mordanklage denkbar?

Was spricht dann für den Mordvorwurf?

Mit Sicherheit auch die Geschwindigkeit. Der Beschuldigte war ja mit mehr als 100 km/h in der Stadt unterwegs. Er musste damit rechnen, dass da auch irgendwo Fußgänger sind, die nicht mehr ausweichen können, wenn sie die Straße überqueren wollen. Deswegen spricht schon Vieles dafür, dass es in diesem Fall einen Vorsatz für eine Tötung gab. Ob das dann als Mord bewertet wird, wird sich zeigen.

Es gab zuletzt auch Fälle von Autorennen, bei der Raser wegen Mordes verurteilt wurden. In Berlin etwa. Hier wurde argumentiert, dass das Auto als Waffe genutzt wurde.

Das wäre das Mordmerkmal der Begehung einer Tat mit „gemeingefährlichen Mitteln“. Zu dem Schluss kam das Landgericht Berlin, weil die Geschwindigkeit bei diesen Auto-Rennen so hoch war. Ich sehe das aber als problematisch an, weil man nur schwer nachweisen kann, dass jemand sein Auto als Waffe einsetzen wollte. Vielmehr ist es in solchen Fällen eher das Ziel der Täter, vor der Polizei zu flüchten als bedenkenlos zu rasen.

Glauben Sie, dass es auch zur Mordanklage kommen wird?

Für eine Beurteilung ist es zu früh. Zunächst wird jetzt die Beschuldigung durch die Staatsanwaltschaft erhoben. Man muss abwarten, was die Ermittlungen ergeben.

Todesfahrt in München: Welches Urteil droht?

Welchen Einfluss hat es, ob der Fahrer unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gestanden hat?

Das könnte einen Einfluss haben auf die Schuldfähigkeit des Fahrers. Falls er sehr viel Alkohol oder Drogen im Blut hatte, dann stünde eine verminderte Schuldfähigkeit oder die komplette Schuldunfähigkeit im Raum. Im Extremfall könnte das eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach sich ziehen. Aber das sind Ausnahmefälle.

Was droht dem Fahrer?

Bei Mord würde lebenslänglich drohen, auf fahrlässiger Tötung stehen bis zu fünf Jahre Haft, auf Körperverletzung mit Todesfolge drei bis 15 Jahre.

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