Drei Zimmer, zwei verschimmelt

Mutter und Tochter leben in Moder-Keller

Schimmelflecken finden sich überall an Wand und Decke.

In der Kellerwohnung von Savina D´Orsa schimmelt und modert es. Eine Mietminderung wird ihr jedoch nicht gewährt. Was der Meiterverein dazu sagt: 

Als Salvina D’Orsa 2009 aus Sizilien nach München kam, lief alles bestens. Die gelernte Buchhalterin fand Arbeit in der Gastronomie, eine Wohnung und auch einen Mann. Vor vier Jahren kam Tochter Soraya zur Welt – aber vor zwei Jahren kam es zur Trennung der Eltern. Seitdem wohnt die 29-Jährige mit ihrer kleinen Tochter in einer Kellerwohnung, in der es stark schimmelt. Besonders jetzt, wenn es heiß und schwül ist, riecht es gammlig – und lüften hilft leider nichts. 

Dabei verschlingt die Wohnung in einem alten Haus an der Landsberger Straße in Laim fast das ganze Budget von D’Orsa. Für die 120 Quadratmeter zahlt sie 900 Euro warm. Doch von den drei Zimmern ist wegen des Schimmels nur eines nutzbar. Seit zehn Monaten schlafen Mutter und Tochter dort auf der Couch und versuchen, den Moder aus den anderen Zimmern herauszulüften. „Es hat keinen Sinn, es ist ein altes Haus, und der Keller ist einfach feucht“, sagt D’Orsa. Der Vermieter sagte, sie müsse eben mit Schimmelspray arbeiten, Mietminderung wolle er nicht gewähren, da ihn keine Schuld an der Feuchtigkeit treffe. 

In diesem Haus in Laim wohnt Salvina D´Orsa.

„So geht das natürlich nicht, da Schimmel gesundheitsgefährdend ist, muss die Ursache ermittelt und der Schimmel beseitigt werden“, sagt Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein München. Der Vermieter kann sich nicht einfach entlasten, indem er dem Mieter sagt, er müsse eben besser lüften. Ist der Schimmel auf Baumängel zurückzuführen, ist der Vermieter in der Pflicht, diese und damit auchdenSchimmel zubeseitigen. 

Der Vermieter sagt, die Zimmer im Keller seien nicht als Wohnung gedacht – er habe D’Orsa klar gesagt, dass es sich eigentlich um eine Werkstatt, nicht um Wohnraum handle, und ob sie tatsächlich mit Kind einziehen wolle. Sie habe bejaht. Er sei ihr zudem entgegengekommen – da sie drei Monatsmieten im Rückstand ist, habe er ihr eine Ratenzahlung angeboten. Er wolle ihr gerne helfen, aber daran, dass es sich um Kellerräume handelt, könne er nichts ändern, das sei bei Vertragsunterzeichnung bekannt gewesen. 

Salvina bemüht sich, eine andere Bleibe zu finden – bislang ohne Erfolg. Auf eine Sozialwohnung hat sie Anspruch, aber keine reelle Chance. Denn das Amt gab ihr in Bezug auf die Dringlichkeit nur 6 Punkte – bei der Höchstpunktzahl von 146 Punkten und dem massiven Mangel an geförderten Wohnungen in München heißt das, dass Salvina sich um keine frei werdende Sozialwohnung bewerben kann, da sie nicht genügend Punkte hat. Zunächst war ihr Antrag sogar ganz abgelehnt worden, erst nachdem die 29-Jährige nachhakte, gab ihr das Amt doch einen Anspruch auf eine geförderte Wohnung. 

Das Warmwasser in der Wohnung funktioniert nicht, Tochter Soraya badet in einer Gummiwanne. 

Salvina D’Orsa hofft, auf dem freien Markt noch eine Bleibe zu finden. Sie bekommt 1040 Euro Arbeitslosengeld II, Unterhalt und Kindergeld. „Die 900 Euro Miete, die ich hier bezahle, sind momentan das Äußerste, was ich mir leisten kann.“ Sie hofft, bald mehr Geld zu haben. Noch bis zur Trennung von ihrem Lebensgefährten arbeitete sie, doch dann fand sie keinen Krippen- oder Kindergartenplatz. Den hat Soraya jetzt – und Salvina hat die Umschulung zur Sicherheitsmitarbeiterin abgeschlossen. „Ich hoffe, dass ich eine Stelle an einer Pforte oder bei einem Sicherheitsdienst bekomme und dann mehr Geld habe, damit ich meiner Tochter eine schönere Kindheit bieten kann als das Aufwachsen in einem schimmeligen Keller.“

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Die Stadt München plant Verdopplung der Parkgebühren
Die Stadt München plant Verdopplung der Parkgebühren
Wer hat Pablo „ins Auto gelockt“? Neue Bilder des vermissten Jack Russells
Wer hat Pablo „ins Auto gelockt“? Neue Bilder des vermissten Jack Russells
Polizei auf Oktoberfest: Italiener sind gar nicht so schlimm
Polizei auf Oktoberfest: Italiener sind gar nicht so schlimm

Kommentare